Coronavirus

Experte: Der Ausbruch ist aus dem Ruder gelaufen

Experte: Der Ausbruch ist aus dem Ruder gelaufen

Experte: Der Ausbruch ist aus dem Ruder gelaufen

Kopenhagen
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Das Aufspüren von Kontakten klappt nich gut genug, meint ein Epidemie-Experte. Foto: Henning Bagger, Ritzau/Scanpix

Dienstag gaben die Behörden bekannt, dass die Anzahl der Mitarbeiter, die Corona aufspüren, nun auf 500 aufgestockt wird. Zu spät und zu wenig, lautet das Urteil des Virologen Christian Wejse.

Tests und Aufspüren von Kontakten sind mit die wichtigsten Werkzeuge, um die Infektionsketten zu brechen. Diese Botschaft haben Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) und die Gesundheitsbehörden in den vergangenen Monaten immer wieder kommuniziert.

Erstaunlich ist es daher, dass Dänemark deutlich weniger Personal zum Aufspüren von Kontakten einsetzt als beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland.

Christian Wejse vom Institut für Volksgesundheit an der Universität Aarhus ist Experte im Aufspüren von Infektionen jeglicher Art, und er beurteilt den dänischen Einsatz als mangelhaft.

„Man sollte das Nachverfolgen der Kontakte von Corona-Infizierten wesentlich aggressiver angehen“, sagt er dem „Nordschlewiger“.

„Meines Erachtens haben wir die derzeitige Infektionswelle nicht mehr unter Kontrolle.“

Auf einer Pressekonferenz am Dienstag versicherte die zuständige Behörde, Styrelsen for Patientsikkerhed, man habe hier nachgerüstet.

„Wir rüsten deutlich auf bei der Kontaktnachverfolgung. Gemeinsam mit dem Nationalen Krisenstab und der Reichspolizei haben wir jetzt 500 Personen, die Infizierte und ihre engen Kontakte anrufen und Tests bestellen“, sagt Anne Lykke Petri, Direktorin der Behörde.

Experte empfiehlt dreifache Anzahl

Wejse zeigt sich wenig beeindruckt.

„In Deutschland hat man 20.000 sogenannte Corona-Detektive. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl heißt dies, dass wir in Dänemark ungefähr 1.500 Personen bräuchten.“

Die 500 sind jedoch schon eine deutliche Aufrüstung. Am 21. September vermeldete „Ritzau“ noch, dass die Behörde bis 1. Oktober mit bescheidenen 181 rechnete.

Dennoch meint Lykke Petri, man habe und hatte die Lage im Griff.

„Wir haben der Entwicklung folgen können, und in den vergangenen zwei Wochen haben wir deutlich nachgerüstet“, sagte auf Nachfrage des „Nordschleswigers“.

„Wir haben genug Leute, und wir werden weiter aufrüsten.“

„Infektionen hätten verhindert werden können“

Die Frage, ob man die Pandemie besser hätte handhaben können, wenn man bereits früher mehr Leute gehabt hätte, mag sie nicht so recht beantworten.

„Wir haben die Ziele, die wir uns gesteckt hatten, eingehalten“, meint die Behördenchefin.

Epidemiologe Wejse dagegen zögert nicht mit seiner Antwort.

„Die derzeitige Infektionswelle erleben wir so stark, weil die Kontakt-Aufspürung nicht gut genug klappt“, meint er.

Lykke Petri meint, man könne sich nicht einfach mit Deutschland vergleichen, weil die Rahmenbedingungen unterschiedlich seien.

„Die Regeln in den verschiedenen Ländern sind unterschiedlich, daher kann man hier nicht einfach eins zu eins vergleichen.“

„Und dann möchte ich betonen, dass wir die Entwicklung, die wir momentan in Dänemark erleben, auch in anderen europäischen Ländern sehen“, verteidigt sie die dänische Politik.

Genau an dem Punkt hakt der Epidemiologe ein.

„Deutschland testet mehr und hat derzeit niedrigere Infektionszahlen. Für mich besteht hier ein eindeutiger Zusammenhang“, sagt er.

In Dänemark ist es zum Teil den Infizierten selbst überlassen, ihr engen Kontakte anzurufen. Ein eindeutiger Fehler, meint Wejse.

„Wir brauchen einen besseren Überblick, und wir müssen sicherstellen, dass Kontakte verständigt und getestet werden.“

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