Umwelt und Natur

Durch gezielten Einsatz wächst der Bestand an Trauerseeschwalben

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Aufschluss über etwaige Feinde für die Trauerseeschwalben geben die Wildkameras.

Mit künstlichen, schwimmenden Unterlagen optimiert ein deutsch-dänisches Projekt die Brutverhältnisse für die bedrohte Vogelart. Trotz mehr brütender Paare gab es 2024 weniger Jungvögel.

„Wir sind sehr froh, dass der Einsatz Wirkung zeigt und der Bestand an Trauerseeschwalben zunimmt“, sagt Naturberater John Frikke vom Nationalpark Wattenmeer mit Sitz auf Röm (Rømø).

Über zehn Sommer hinweg sind zugunsten der Brutverhältnisse für Trauerseeschwalben (Sortterne) im Grenzgebiet südlich und südwestlich von Tondern Hilfsmaßnahmen durchgeführt worden.

Mit schwimmenden Brutunterlagen ahmt man die natürlichen Brutstätten der Trauerseeschwalbe nach, um ihr optimale Brutverhältnisse zu bieten. Der Vogel richtet sein Nest auf schwimmenden Pflanzenteilen wie Seerosen her.

Der Zugvogel gehört zu den am meisten bedrohten hierzulande. 2024 gab es mit 85 brütenden Paaren zehn Brutpaare mehr als im bisherigen Rekordjahr 2023. Ende April 2024 wurden an sieben verschiedenen Stellen 129 Flöße als Unterlage zum Brüten ausgelegt. Dazu gehören etwa der Hasberger See auf deutscher und dänischer Seite, der Bremsbüller See und zwei Stellen im Magisterkoog.

Die heimatverbundenen Trauerseeschwalben würden nach zwei bis drei Jahren zum Brüten zurückkehren. „Den Erfolg sehen wir jetzt“, sagt Frikke.

Die Trauerseeschwalbe, die Ende April Anfang Mai aus dem Winterquartier kommt, lebe in den Sommermonaten auf dem Süßwasser in den Feuchtgebieten im Umfeld der Wiedau. „Ab August siedelt der kleine Wasservogel dann auf Salzwasser um, bevor er den Winter an den Küsten vor Westafrika verbringt“, erläutert der Naturberater.

Außer in der Tonderner Marsch und im Umfeld lebt der Zugvogel in Dänemark nur am Limfjord und bei Husby Sø in Westjütland. „Dort gibt es nur kleinere Bestände. 75 Prozent sind in unserer Region.“

Früher sei die Trauerseeschwalbe mehr verbreitet gewesen. Durch den landwirtschaftlichen Anbau und die Entwässerung sei ihr Lebensraum aber geschrumpft.

Schwere Bedingungen für den Nachwuchs

Obgleich so viele Paare wie nie zuvor gebrütet haben, war der Nachwuchs mit 37 bis 42 Jungen nicht so groß wie in den Vorjahren. 2023 wurden 73 bis 78 Jungvögel erfasst.

„Wir führen das auf das schlechte Wetter im Juli zurück. Da gab es plötzlich hohe Wasserstände und kräftigen Wind“, erklärt Frikke. In dieser Phase seien die kleinen Jungen sehr empfindsam gegenüber Regen und Kälte. Er nimmt an, dass die Brutflächen überschwemmt wurden und Eier und Nachwuchs auf diese Art verloren gingen.

Ein Verdacht auf tierische Räuber, etwa Nerze, hat sich bei dem Sichten von den Aufnahmen der Wildkameras nicht bestätigt. Mit Regenpfeifern, Sturmmöwen oder vielleicht Silbermöwen gebe es nicht nur potenzielle Angreifende aus der Luft. Im Wasser könnte auch vom Hecht eine Bedrohung ausgehen, da dieser kleine Vogeljungen und Eier verspeist. „Darauf deutet jedoch nichts hin“, sagt der Naturberater.

Die schwimmenden Nester werden eingesammelt

Eine Trauerseeschwalbe auf dem Floß aus Kork, das 2024 erstmals getestet wurde.

Wenn die Trauerseeschwalben im August ihre schwimmenden Nistplätze verlassen, werden diese wieder eingesammelt. Andernfalls würden sie durch winterliche Witterung zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Bei dieser Aufgabe und dem Zählen der Vögel gibt es Unterstützung von Freiwilligen.

Die ersten Modelle der schwimmenden Nester wurden aus Styropor und Kunstrasen gefertigt. „Sie haben ausgezeichnet funktioniert“, erzählt Frikke. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit und auf Anraten der am Projekt beteiligten Weltnaturstiftung wurden 2024 Modelle aus Naturkork eingefasst mit wärmebehandeltem Kiefernholz gebaut.

In der neuen Saison wird das leichte Holz vom Balsabaum getestet.

„Als Sicherheitsvorkehrung bilden die Trauerseeschwalben Kolonien. Nähert sich eine Sturmmöwe im Anflug, verscheuchen die Trauerseeschwalben sie, wenn 20 bis 30 von ihren auf einmal hochfliegen.“

Diese Trauerseeschwalbe brütet auf natürlichem Nestmaterial.

Die Partnerschaft

Der Nationalpark Wattenmeer, die Weltnatur-Stiftung WWF (World Wide Fund for Nature), die Naturbehörde, die Kommune Tondern, Fugleværnsfonden, und das Landesamt für Umwelt des Landes Schleswig-Holstein.
Jesper Tofft von Ravnhøj Consult hat ein Großteil der praktischen Arbeit koordiniert und ausgeführt. Als freiwillige Helfer unterstützen Poul Junk, Rolf Pistor-Riebold und Oke Lorenzen das Vorhaben.