Energie

Biogasanlage bei Westerterp gestoppt: Erleichterung bei Anwohnerschaft

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Vor fünf Monaten protestierten Anwohnerinnen und Anwohner vor dem Rathaus in Tondern gegen das Vorhaben (Archivfoto).

Zwei Fachausschüsse der Kommune Tondern haben die Pläne für eine Biogasanlage bei Laurup und Westerterp abgelehnt. Die Anwohnerschaft atmet nach dem deutlichen Signal gegen das umstrittene Projekt auf. Der Projektentwickler Nature Energy zeigt sich hingegen enttäuscht. Der Stadtrat entscheidet Ende August endgültig.

Aufatmen ist im Raum Westerterp (Vester Terp) und Laurup (Lovrup) angesagt. „Wir sind froh und erleichtert: Die Fachausschüsse haben den Bau der Biogasanlage bei Laurup/Westerterp abgelehnt. Eine Entscheidung, die viele in der Region erleichtert – und die sachlich vollkommen richtig ist. Es ist jetzt wohl kaum noch zu erwarten, dass der Stadtrat den Bau doch genehmigen wird“, so die Reaktion von Andreas Born, der seit 2012 ein Haus am Vinumvej besitzt und somit zu den Betroffenen gehört.

Bei der angestrebten Biogasanlage von Nature Energy (einer Tochtergesellschaft von Shell) nordwestlich von Lügumkloster haben die zwei zuständigen politischen Fachausschüsse die Ampel auf Rot geschaltet. Während der Ausschuss für Klima, Wachstum und Entwicklung zum Wochenanfang den Plänen eine Abfuhr erteilte, zog der Ausschuss für Technik und Umwelt am Dienstag nach.

„Die geplante Verkehrslast auf einer viel zu schmalen Straße, die zu erwartende Geruchsbelästigung, die Belastung für Natur und Umgebung – all das sprach gegen das Projekt“, so Born. Er hat mit weiteren Bürgerinnen und Bürgern gegen das Projekt gekämpft.

„Ein fairer und respektvoller Dialog“

„Trotz teils kontroverser Debatten ist es gelungen, den Dialog fair und respektvoll zu führen. Dafür danken wir allen Beteiligten. Jetzt können wir dieses Thema abschließen – und im Guten auseinandergehen“, so sein Fazit.

Der Technische Ausschuss hat sein Nein im Sitzungsprotokoll nicht begründet. „Ich bin der Meinung, dass es gegenwärtig keinen Bedarf für das Werk gibt“, erläutert der Ausschussvorsitzende Poul Erik Kjær (Venstre) auf Anfrage des „Nordschleswigers“ seine persönliche Haltung. Er verweist auf die Anlagen in Frifelt, Bredebro, Beftoft (Bevtoft) sowie bei Tondern (Tønder), wo es noch Potenzial für Erweiterungen geben würde.

„Ich bin mir im Zweifel, ob es eigentlich Gülle genug für eine weitere Anlage gibt. Ich kenne niemanden, der darauf wartet, seine Gülle loszuwerden“, so der Landwirt. Es sei denn vielleicht Landwirte, die Kuhboxen mit Sand haben. Diese Gülle lasse sich beim gegenwärtigen Stand der Dinge nicht in Biogasanlagen verwerten, da der Sand die Pumpen zerstören würde, erläutert Kjær.

Weiteres Werk in der Kommune Tondern angestrebt

Die Anwohnenden befürchteten, dass es durch den Bau der Biogasanlage und den Schwertransporten auf dem Vinumvej zu kritischen Verkehrssituationen kommen würde.

Nature Energy möchte auch ein weiteres Werk in der Kommune Tondern bauen und zwar in Mellerup südlich von Aggerschau (Agerskov). „Dort am Hellevad-Bovvej ist die Infrastruktur besser“, so der Politiker.

Bei der Entscheidung sind auch die 54 Einsprüche und Protestunterschriften aus der Nachbarschaft ins Gewicht gefallen, die in der Anhörung eingegangen sind.

„Auch bei den Treffen für die Bürgerinnen und Bürger habe ich mit einer Ausnahme niemanden getroffen, der es für eine gute Idee hält“, so Kjær.

„Während ich als Landwirt eine Überkapazität wegen des höheren Preises für die Gülle begrüßen könnte, ergibt es als Kommunalvertreter keinen Sinn, zu viele Biogasanlagen bauen zu lassen“, sagt er.

Projektentwickler wundert sich

Überrascht zeigt sich indes ein Vertreter des Unternehmens. „Wir sind ärgerlich und überrascht, dass der Ausschuss gegen die Empfehlung der Verwaltung und gegen die dänischen und europäischen Ambitionen der Energieumstellung und der Versorgungssicherheit gegangen ist“, sagt Projektleiter bei Shell Country Chair in Dänemark, Jesper Bundgaard, der Zeitung „JydskeVestkysten“.

Er kündigt an, dass das Unternehmen einen Dialog mit der Kommune Tondern anstrebt, um die Hintergründe für die ablehnende Haltung zu erfahren.

Als Nächstes wird der Finanzausschuss am Donnerstag, 21. August, zu dem Thema Stellung beziehen; am Dienstag, 26. August, ist der Kommunalrat an der Reihe.

Mehr zum Thema

Das Projekt von Nature Energy Løgumkloster

• Nature Energy (eine Tochtergesellschaft von Shell) strebt nordwestlich von Lügumkloster zwischen Westerterp und Laurup den Bau einer Biogasanlage für organische Biomassen an
• Der Projektbereich am Vinumvej umfasst etwa 30 Hektar
• Die Anlage soll jährlich bis zu 850.000 Tonnen Biomasse behandeln können
• Laut den kommunalen Unterlagen soll der Hauptteil aus Haustierdung in fester und flüssiger Form bestehen
• Felderträge und ein kleinerer Anteil von Industrieprodukten sollen ebenfalls verwertet werden
• Der Bauherr rechnet mit einer jährlichen Produktion von 30 Millionen Normkubikmetern Bionaturgas
• Die Produktion entspricht in etwa dem Wärmebedarf von 21.000 Haushalten
• Es sollen 15 dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen werden.

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