Glaube

„Das erste Jahr heißt, seine Fühler auszustrecken“

Veröffentlicht Geändert
Neue Angebote will Pastorin Bettina Sender in Hadersleben mit Bedacht schaffen.

Vor einem Jahr wagte Bettina Sender einen Neuanfang in Dänemark. Die Pastorin wechselte von Toestrup in Angeln nach Hadersleben, um dort als Pastorin für die deutschen Stadtgemeinden tätig zu sein. Mit dem „Nordschleswiger“ hat sie über ihre Eindrücke gesprochen. Beim Eingewöhnen erhielt sie unerwartet Hilfe.

Ende 2023 kam Bettina Sender nach Hadersleben, um ihr Amt als Pastorin anzutreten. Seit dem 1. Januar 2024 hat sie die Pfarrstelle für den deutschsprachigen Teil der Gemeinden in Hadersleben inne, die zwei Gemeinden umfasst, die Domgemeinde und die Gemeinde Alt Hadersleben. Am 7. Januar wurde sie in ihr Amt eingeführt. Nun ist ein Jahr vergangen, und Bettina Sender spricht mit dem „Nordschleswiger“ über ihr erstes Jahr in Hadersleben.

„Das erste Jahr heißt, seine Fühler auszustrecken“, sagt Bettina Sender und erklärt auch, warum das für sie als Seelsorgerin so wichtig ist: „Die Menschen können mir Probleme, die sie mit sich herumtragen, schildern. Sie sollen wissen, wer ihr Ansprechpartner ist. Ich muss viele Menschen kennen, soziale Verbindungen sind in meiner Arbeit sehr wichtig.“

Gute Kontakte zu deutschen Einrichtungen

Sie habe mittlerweile einen guten Kontakt zur Deutschen Schule Hadersleben, zum Kindergarten und zur Institution Parasollen – einem Café für Menschen mit Herausforderungen, sagt sie. Auch Pflegeheime und das Hospiz hat sie besucht.

Viele neue Eindrücke gab und gibt es für die Pastorin zu verarbeiten. „Das erste Jahr hieß auch wahrnehmen“, sagt sie rückblickend. Was gibt es für Angebote, wer macht was?

Dabei hält sie nichts davon, alles auf links zu drehen. „Ich möchte neue Angebote mit Bedacht schaffen. Ich muss nicht alles neu erfinden. Man muss respektieren, was da ist und wenn, dann gemeinsam Neues anbieten.“

Pastorin Bettina Sender mit Mila in der Hertug Hans Kirke

Neues mit Bedacht anbieten

Neu sind Gesprächsabende. Die Idee kam Bettina Sender nach Treffen der deutschen Stadtgemeinden, der Nordschleswigschen Gemeinde, dem Bischof und dänischen Kolleginnen und Kollegen. „Alle zwei Monate laden wir zum Gespräch ein. Kommen können alle, die mögen, ob aus der Minderheit oder der Mehrheit. Wir wollen offen sein, die Sprache ist dann Deutsch“, erläutert die Pastorin. Die Themen sind breit gefächert und treiben die Menschen derzeit um. Es geht um das Kirchenverständnis, um Sterbehilfe und Frieden.

Zudem stellte Bettina Sender fest, dass es in Hadersleben kein Tischabendmahl am Gründonnerstag gab. „Nun gibt es das auch hier in der Domstadt, und es wurde gut angenommen“, freut sich die Pastorin.

Dänemark, die Minderheit und Nordschleswig – sie waren, als Bettina Sender vor einem Jahr kam, kein unbekanntes Terrain. Ihre Familie hat Bezüge zur Region und zu Dänemark. Eine positive Überraschung gab es für sie dann doch: „Die Begegnung mit ganz vielen freundlichen Menschen, mit Deutschen und Dänen hat mich tief beeindruckt. Wir sind sehr freundlich aufgenommen worden – nicht nur ich, sondern auch mein Mann und meine jüngste Tochter Friederike. Sie geht zwar eigene Wege, legt aber noch Wert auf ein eigenes Zimmer hier im Haus.“

Mila, die Türöffnerin

Einen gewissen Anteil hat vielleicht auch ihre Hündin Mila, die sich als „Türöffnerin“ erwies – im übertragenen Sinn. „Ich werde immer so nett angesprochen, wenn ich mit ihr unterwegs bin – außerhalb und innerhalb der Gemeinde“, berichtet Bettina Sender.

Ihre alte Gemeinde in Toestrup in Angeln hat sie nicht vergessen. Über eine WhatsApp-Gruppe hält sie sich auf dem Laufenden und besuchte den Seniorenkreis ihrer alten Gemeinde, um von ihrem Leben in der Domstadt Hadersleben zu berichten.