Deutsche Minderheit

Alte Schule nimmt schrittweise Kurs auf eine neue Zukunft

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Schulleiterin Katharina Krebs aus Huntlosen verweilt für einige Tage in Osterhoist.

In Osterhoist läuft in Regie der Freien Humanistischen Schule aus Niedersachsen der Umbau der früheren Bildungsstätte der Minderheit zu einem Landschulheim. Kinder aus Huntlosen werden wieder Leben in die Stätte bringen. Die Schulleiterin sucht ganz bestimmte Betten.

„Der Rohbau ist so weit fertig. Wir müssen aber noch einrichten“, sagt Katharina Krebs im Flur der ehemaligen deutschen Schule in Osterhoist.

In dem Hauptgebäude, in dem bis zur Schließung Ende 2018 Schulkinder unterrichtet wurden, sind die Räume neu eingeteilt, Wände hochgezogen und neue Fußböden verlegt worden. Aus zwei Klassenräumen und einem Lehrerzimmer sind fünf helle Zimmer geworden. In der Rolle als Besitzerin gestaltet die Freie Humanistische Schule aus Huntlosen in Niedersachsen die frühere Unterrichtsstätte zu einem Landschulheim um.

Auf der Bettensuche

„Hier kommen vier Betten rein. Ich bin zurzeit auf der Suche nach Etagenbetten“, erzählt Schulleiterin Katharina Krebs beim Blick in ein früheres Klassenzimmer. Aus ihm sind inzwischen zwei Schlafräume geworden.

Die Freie Humanistische Schule im 350 Kilometer entfernten Huntlosen, die nach einem alternativen pädagogischen Konzept arbeitet, zählt 100 Mädchen und Jungen. Die Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse kommen anfangs noch in kleineren Gruppen nach Osterhoist.

Es gibt genügend zu tun

Katharina Krebs in der früheren Lehrerwohnung, in der die Renovierung noch läuft

„Hier ist noch etwas zu tun“, sagt die Schulleiterin mit einem Lächeln in der alten Lehrerwohnung im ersten Stock. An der Außenwand gab es Probleme mit Feuchtigkeit. Da waren draußen wie drinnen Reparaturen erforderlich.

„Drinnen haben wir jetzt eine Lehmwand, damit es besser trocknet“, erklärt Katharina Krebs. Dort oben sollen eine Teeküche und ein Frühstücksraum entstehen. Danach geht es die renovierte Treppe hinunter in den Flur, vorbei an den noch hinter Pappe verborgenen Brandschläuchen.

„Die Schläuche sind aus Brandschutzgründen mit Wasser gefüllt“, erläutert sie. Auch Brandschutztüren wurden eingebaut.

Der Innenausbau wird etappenweise, hauptsächlich von Handwerkern aus dem Umfeld der Schule in Huntlosen, gestemmt. Die Arbeiten mit Gas, Wasser und Strom übernehmen örtliche Handwerksbetriebe.

Auch im alten Kindergarten wird umgebaut

Mit dem neuen Nutzungszweck wurden verschiedene Brandschutzmaßnahmen, wie die mit Wasser gefüllten Schläuche an den Wänden, erforderlich.

Beim früheren Kindergarten sei das Dachgeschoss praktisch entkernt. Dort sollen zwei Schlafräume und eine Toilette entstehen. „Ich bin dabei, eine Außentreppe zu organisieren“, erläutert Katharina Krebs. Unten gibt es zwei kleine Zimmer und eine große Küche.

Auf dem weitläufigen Außengelände wurden Beerenbüsche und Obstbäume gepflanzt und ein Gemüsebeet angelegt. „Rote Bete und Kürbisse gingen gut, Kartoffeln ganz schlecht”, so die Erfahrung nach der ersten Ernte auf dem früheren Sportplatz. Dort gibt es außerdem drei Reihen mit Beerenbüschen und Obstbäumen. „Ich lege Wert darauf, dass man es essen kann“, sagt Katharina.

In Huntlosen hat die Einrichtung einen ein Hektar großen Wald. Auf einem 1,5 Hektar großen, gepachteten Feld wird Gemüse angebaut. „Die Kinder kochen sehr gerne. Wir sind in gewisser Weise eine altmodische Schule und haben auch ein Handyverbot. Wir versuchen, uns an den Interessen und Neigungen der Kinder zu orientieren“, so Katharina Krebs. Die Kinder würden sehr viel spielen.

Einige Hühner des Nachbarn schauen gerne auf dem Gelände der Schule vorbei.

„Das, was wir wollen, geht nur mit einer kleinen Schule. Es gibt einen unglaublichen Bedarf an solchen Schulen in Deutschland. Wir sind bis 2031 ausschließlich mit Geschwisterkindern voll“, erzählt sie.

Der Schulhof ist seit Ende 2018 verwaist. Im Gebäudeinneren schreitet der Umbau jedoch voran.

In Osterhoist soll auch der Spielplatz irgendwann wieder in Schuss gebracht werden. „Aber erst konzentrieren wir uns auf die Gebäude.“

Die Turnhalle wird gegenwärtig als Lager für Möbel und verschiedene Einrichtungsgegenstände genutzt.

Osterhoist ist bei den Eltern beliebt

Katharina Krebs auf dem früheren Sportplatz, auf dem nun Obstbäume wachsen und Gemüse angebaut wird

Die Schulleiterin erzählt, dass Eltern immer wieder gerne nach Osterhoist kämen, um anzupacken. „Sie fragen, wann sie wieder an der Reihe sind. Alle sagen, hier ist es so ruhig – wie Urlaub.“ Huntlosen ist ein Dorf mit 1.800 Einwohnerinnen und Einwohnern, aber Dänemark strahle nochmal eine andere Ruhe aus.

Die ersten Kinder sind in kleineren Gruppen schon da gewesen, und nach Ostern kommen einige Grundschulkinder. Wenn alles ausgebaut ist, soll es Platz für 40 bis 50 Personen geben.

„Wenn wir realistisch sind, dann sind wir nicht vor dem nächsten Jahr fertig“, sagt die Schulleiterin, während sie prüft, wie die Büsche den Winter verkraftet haben.

Der zeitliche Ablauf

• Seit Sommer 2018 werden die neun Schulkinder der Deutschen Schule Osterhoist (DSO) gemeinsam mit den Mädchen und Jungen aus Rapstedt (Ravsted) unterrichtet.
• Der Unterricht erfolgt an vier Tagen der Woche in Rapstedt und freitags in Osterhoist.
• Im September 2018 wird bekannt gegeben, dass die Deutsche Schule Osterhoist zum Jahresende schließt, um ab 1. Januar 2019 mit der Deutschen Schule Rapstedt zu fusionieren.
• Ende Dezember 2019 ist die Übertragung der Gebäude vom örtlichen Schulverein an den Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) vollbracht.
• Im November 2022 kauft die Freie Humanistische Schule aus Huntlosen in Niedersachen die Liegenschaft mit der Schule und dem Kindergarten in Osterhoist vom DSSV.
• Neun Monate später ist die Grundbucheintragung auch in trockenen Tüchern.