Deutsche Minderheit

„Warum eine gut funktionierende Schule schließen?“: Reaktionen zum Lunden-Schock

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Links in dem Gebäude ist der Kindergarten untergebracht, im Gebäude dahinter die SFO und die Schule. Bis Ende 2024 waren beide Institutionen unter dem Verbund Kindercampus Lunden vereint.

Die Deutsche Schule Lunden und der Deutsche Kindergarten Lunden sollen schließen. Wie die Vorstände und Leitungen der beiden Institutionen auf die Ankündigung des DSSV reagieren.

Marion Petersen ist Schulleiterin der Deutschen Schule Lunden. Sie will Lunden trotz der vom DSSV angekündigten Schließung nicht aufgeben. „Ich habe den Standort nicht aufgegeben. Für uns ist das überhaupt nicht durch“, sagt Petersen. Sie macht deutlich, dass sie und ihr Team gemeinsam mit dem Vorstand Ideen entwickeln, um die Schule zu erhalten, und verweist dabei auch auf die anstehende Präsentation von Alternativen im Herbst.

Aktuell besuchen 33 Kinder die Schule. Für das kommende Schuljahr rechnet Petersen mit etwa 35 Schülerinnen und Schülern. „Ich habe für das nächste Jahr zwischen sieben und neun potenzielle Anmeldungen für die Vorschulklasse. Davon sind einige Kinder aus dem Kindergarten, andere kommen von außen hinzu“, berichtet Petersen. Einige Eltern hätten sich auch wegen der Deutschen Schule für Nordalsen als Wohnort entschieden.

Eltern helfen mit, die Schule zu renovieren

Es geht immer nur um Geld und Standorte. Wo bleiben die Kinder?

Marion Petersen

Zwar verlässt am Ende des Schuljahres eine sechste Klasse mit fünf Kindern die Schule, doch durch die voraussichtlichen Neuanmeldungen bleibe die Schülerzahl stabil. „Wir sind und bleiben bei rund 35 – mit Tendenz nach oben“, so Petersen.

Marion Petersen sagt zu den Kosten der Schulrenovierung, dass die von der Pressemitteilung genannten 8 Millionen Kronen ihrer Einschätzung nach nicht korrekt seien. „Ich bin mit diesen 8 Millionen Kronen nicht zufrieden. In meinem Gutachten stehen nicht 8 Millionen Kronen, sondern 3,3 Millionen plus Mehrwertsteuer“, erklärt sie. Die hohen Kosten für die Sanierung des Schulgebäudes gelten als ein wesentlicher Grund für die Schließungspläne.

Petersen betont jedoch, dass die Schule bereits mit Initiativen versucht, die Kosten zu reduzieren. So haben Eltern beispielsweise begonnen, die Fenster selbst zu schleifen und zu renovieren, was allein etwa 700.000 Kronen an Einsparungen bringen kann.

Schulleiterin Marion Petersen im Sommer 2025, als die Schule der Stiftung Team Rynkeby Geld für lungenkranke Kinder widmete.

Sie sagt: „Wir haben Ideen, um Geld am Gebäude einzusparen. Wir werden den Eltern auch sagen, was sie tun können.“ Damit zeigt sie Einsatz, um die Schule trotz der finanziellen Herausforderungen zu erhalten.

„Wir haben Ideen, wir haben Unterstützer“

Beim Elternarbeitstag am Sonnabend haben die Eltern auch handwerklich Hand angelegt. Unter anderem wurden Fenster per Hand abgeschliffen, um Kosten zu sparen. Ziel ist es, alle Fenster in Eigenarbeit zu renovieren.

Sorge bereitet der Schulleiterin vor allem die Frage, was mit den Kindern passiert, wenn der Standort geschlossen werden sollte. „Es geht immer nur um Geld und Standorte. Wo bleiben die Kinder?“, fragt Petersen. Ihrer Meinung nach geraten die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler bei den aktuellen Diskussionen zu sehr in den Hintergrund.

Viele Eltern hätten die Deutsche Schule Lunden bewusst ausgewählt, weil ihre Kinder in kleinen Klassen besser lernen können. „Wir sind wie eine kleine Familie. Eltern suchen genau das – einen Ort, an dem ihr Kind gesehen wird und sich wohlfühlen kann“, erklärt sie.

Petersen bleibt überzeugt, dass es sich lohnt, um den Fortbestand der Schule zu kämpfen. „Wir haben Ideen, wir haben Unterstützer aus der Elternschaft, und wir haben stabile Kinderzahlen. Die Diskussion darf nicht nur ums Geld gehen, sondern muss bei den Kindern ansetzen“, sagt sie. „Denn die eigentliche Frage bleibt: Wo bleiben die Kinder?“

Heidi Susanne Fraefel ist Vorsitzende des Schulvorstands der Deutschen Schule Lunden. Sie sagt zur Situation: „Es ist eine starke Schule in Bezug auf die Unterstützung durch die Eltern, und die Schülerzahlen sind stabil. Wir sind nicht bereit, eine Schließung einfach zu akzeptieren.“

Heidi Fraefel ist Vorsitzende des Schulvereins in Lunden.

Fraefel unterstreicht die Bedeutung der Schule für viele Kinder, die in einer kleinen Schulumgebung besser gefördert würden als in großen Schulen: „Wir haben viele Kinder, die eine gute Schulbildung anderswo schwer bekommen könnten. Das Wohl der Kinder steht für uns an erster Stelle.“

„Warum eine so gut funktionierende Schule schließen?“

Sie weist darauf hin, dass bisher nicht klar gemacht wurde, wie die betroffenen Kinder bei einer möglichen Schließung anderweitig unterstützt werden sollen. Mit Blick auf die jüngsten Erfolge der Schule warnt Fraefel, dass es „sehr schade wäre, diese Arbeit jetzt zu beenden.“ Der Schulvorstand will sich gemeinsam mit der Schulleitung für den Erhalt der Schule starkmachen.

„Im Moment sind wir alle schockiert, aber wir wollen das nicht einfach so hinnehmen. Sowohl im Kindergarten als auch in der Schule sind die Zahlen stabil, und es gibt viele andere Institutionen, die Sanierungsbedarf haben. Warum eine so gut funktionierende Schule schließen?“

Auch der Deutsche Kindergarten Lunden soll geschlossen werden, obwohl die Zahlen mit aktuell 17 Mädchen und Jungen vernünftig aussehen. Marlene Elneff ist Abteilungsleiterin des Deutschen Kindergartens Lunden. Sie wollte sich zur angekündigten Schließung nicht äußern und verwies an die Vorstandsvorsitzende der DKS (Deutsche Kindergärten Sonderburg), Pia Simon Rautert.

Erst im Sommer konnte der Deutsche Kindergarten Lunden einen neuen Spielplatz einweihen und in Gebrauch nehmen.

Die DKS-Vorsitzende sagt zur angekündigten Schließung des Kindergartens in Lunden: „Wir bedauern das natürlich sehr. Das ist ein Kindergarten, der sich trägt. Eine schöne, kleinere Einrichtung“, sagt sie. Gleichzeitig zeigt sie Verständnis: „Wir können die Empfehlung durchaus nachvollziehen.“

In der Satzung sei verankert, dass die Kindergärten dazu da sind, die Kinder auf eine der Minderheitenschulen vorzubereiten und auch dahin abzugeben. Ohne Schule kein Kindergarten, weiß die Vorsitzende.

„Wenn es keine Schule gibt, die vor Ort ist, und die nächste 20 Kilometer weit entfernt ist, ist somit nicht sichergestellt, dass die Arbeit im Kindergarten laut Satzung stattfindet.“ Einen Kindergarten zu betreiben, der potenziell Kinder für eine dänische weiterführende Schule vorbereitet, sei demnach nicht zielführend.

„Ich finde das super schade“

Für den anstehenden Entscheidungsprozess verweist Rautert darauf, dass es sich bislang nicht um einen endgültigen Beschluss handelt. „Es ist ja immer noch eine Empfehlung. Wir werden bei dem Treffen am 1. Oktober teilnehmen“, betont sie.

Bei dem Treffen werden Institutionsleitungen und Vorstandsmitglieder mit dem Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) besprechen, wie es konkret weitergeht.

„Da werden wir uns auch ausführlicher mit der Deutschen Schule Lunden besprechen“, sagt Pia Simon Rautert.

Für Eltern, die ihre Kinder weiterhin in eine deutsche Einrichtung geben möchten, sei das auf Nordalsen in Zukunft schwierig. „Ich finde das super schade, wenn es auf Nordalsen keine deutschen Institutionen für Kinder mehr gibt. Denn es ist ein weiter Weg nach Sonderburg.“

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