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Neuzulassungen: Parteien wollen Benziner verbieten

Neuzulassungen: Parteien wollen Benziner verbieten

Neuzulassungen: Parteien wollen Benziner verbieten

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Autos sollen ab 2028 nicht mehr mit Diesel- oder Benzinmotor verkauft werden dürfen, wenn es nach der Sozialistischen Volkspartei geht. (Symbolfoto) Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

In Dänemark sollen schon in anderthalb Jahren keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen, die nicht besonders sparsam sind, fordern die Volkssozialisten – und finden Gehör.

Bereits in anderthalb Jahren soll es in Dänemark verboten sein, einen neuen Peugeot 208 zu kaufen. Oder einen Nissan Quashqai, einen Renault Clio oder einen Toyota Yaris.

Oder irgendein Auto mit Verbrennungsmotor, das weniger als 20 Kilometer pro Liter Diesel oder Benzin schafft. Das entspricht dem in Deutschland gängigeren Verhältnis von 5 Litern pro Kilometer.

Mit dieser Forderung will die Sozialistische Volkspartei (SF) im Herbst in die anstehende Verhandlung zur Klimapolitik im Verkehrssektor gehen, berichtet die Tageszeitung „Politiken“.

Signe Munk
Signe Munk (SF) Foto: Philip Davali/Ritzau Scanpix

Keine Verbrennungsmotoren mehr ab 2028

Wie die klimapolitische Sprecherin der Partei, Signe Munk, erläutert, soll das Verbot schrittweise ausgeweitet werden. Ab 2028 sollen dann gar keine Benzin- und Dieselautos mehr in Dänemark neu zugelassen werden.

„Wir müssen die grüne Umstellung der Privatautos der Dänen ernsthaft in den Griff bekommen“, sagt Munk zur Nachrichtenagentur „Ritzau“.

Ihre Partei erhoffe sich, dass sich die Bürger in Dänemark durch das schrittweise Verbot von Benzin- und Dieselfahrzeugen für Elektroautos, Hybridautos oder sehr brennstoffeffiziente Benzin- oder Dieselfahrzeuge entscheiden.

Der Vorschlag der Volkssozialisten geht weiter als ein früherer Entwurf der sozialdemokratischen Regierung, der ein Ausschleichen der Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2030 vorsieht.

Bei den beiden anderen Unterstützerparteien der sozialdemokratischen Minderheitsregierung, der sozialliberalen Radikale Venstre und der linken Einheitsliste kommt der Vorschlag der Volkssozialisten gut an.

Branche reagiert zurückhaltend

Die Automobilbranche allerdings hält nicht viel von diesen vorgeschlagenen massiven Regulierungen. Der Direktor des Verbandes der dänischen Autoimporteure, Mads Rørvig, ist der Meinung, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen einen ganz und gar unerwünschten Effekt haben könnten.

Denn wenn Verbrennungsmotoren zeitnah verboten werden, würden viele Autofahrer sich an ihre alten Fahrzeuge klammern, meint er.

„Außerdem brauchen wir ein längeres Zeitfenster als 2022, um die Elektro- und Niedrigemissionsautos zu besorgen, die den Bedarf der Kunden decken“, so Rørvig zu „Politiken“.

Auch der Direktor der Abteilung für die Automobilbranche beim Arbeitgeberverband Dansk Industri sieht das so. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Autos, von denen wir wollen, dass mehr Dänen zu ihnen wechseln, auf dem Markt vorhanden sind. Das wird länger dauern als die zwei bis drei Jahre, die SF vorsieht“, sagt er zu „Ritzau“.

Sollte Dänemark strengere Regeln haben, als das Angebot es möglich macht, dann würden die Menschen damit zögern, sich neue Autos zu kaufen und stattdessen weiter auf ihre alten „klimabelastenden Autos“ setzen, meint er.

EU-Regeln sind eine Herausforderung

Der Widerstand der Automobilbranche in Dänemark ist die eine Herausforderung für die Pläne von SF. Eine deutlich größere dürfte die EU werden, denn Autos, die in einem EU-Land zugelassen sind, dürfen in allen EU-Ländern verkauft werden.

Klimaminister Dan Jørgensen (Soz.) hat bereits im vergangenen Jahr in Brüssel versucht, gegen diese Regeln anzugehen, doch er musste eingestehen, dass dies „unglaublich schwierig“ wird.

Signe Munk bleibt dennoch optimistisch, was den SF-Entwurf anbelangt. Sollten die EU-Regeln im Wege stehen, könne das Problem dadurch gelöst werden, dass so hohe Abgaben eingeführt werden, dass die Autos in Dänemark einfach nicht mehr zu verkaufen wären.

„Aber unser Hauptaugenmerk liegt natürlich darauf, die EU-Regeln zu ändern, um unser Klimaziel zu erreichen. Länder wie Schweden und die Niederlande machen ebenfalls Druck“, so Munk.

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