Minderheiten-Film

Wie aus dem Geschäftsmann Andresen Bauer Jens wurde

Wie aus dem Geschäftsmann Andresen Bauer Jens wurde

Wie aus dem Geschäftsmann Andresen Bauer Jens wurde

Tondern/Tønder
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Dirk Andresen (r.) als Bauer Jens mit dem Kommissar, alias Schauspieler Mathias Harrebye-Brandt Foto: BDN

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Laiendarsteller Dirk Andresen aus Tondern verkörpert im Film „Der Krug an der Wiedau“ einen Bauern. Der Mann, der auf der örtlichen Revue-Bühne viele verschiedene Rollen gespielt hat, vermittelt einen Eindruck von seinen ersten filmischen Erfahrungen.

Auf den Revue-Brettern, die in Tondern die Welt bedeuten, ist Dirk Andresen seit Jahren als Laiendarsteller eine bekannte Größe. Auch bei dem heimatgeschichtlichen Freilicht-Theaterprojekt „Højt til Himlen“ gehört er nahezu zum spielenden Inventar.

Der Mann, bei dem das Lachen und der Humor locker sitzen, vermag es, glaubhaft verschiedene Charaktere zu mimen. Vom ehrwürdigen Pastor, dem dänischen Märchendichter H. C. Andersen bis hin zum Pantoffelhelden managt er eine Vielfalt an Rollen.

Das war auch ein bisschen aus der Neugier heraus, das hatte ich noch nie gemacht, und nun ergab es sich so.

Dirk Andresen, Film-Laiendarsteller

Filmluft schnupperte der gebürtige Tonderaner nun aber erstmals beim Dreh der fünfsprachigen Westküsten-Grenzland- Krimikomödie „Der Krug an der Wiedau“.

Mit Stroh hat Dirk Andresen - hier auf dem Markt in Tondern - in seinem Alltag gewöhnlich nichts am Hut. Anders im Film, da sieht man Bauer Jens mit Stroh im Haar. Foto: Monika Thomsen

„Kennst du jemanden, der Sønderjysk spricht?"

Der Geschäftsmann und frühere Anzeigenleiter des „Nordschleswigers“ verwandelte sich im Herbst 2020 bei den Aufnahmen in Aventoft und Umfeld in Bauer Jens.

Ausschlaggebend für sein Filmdebüt war ein Anruf des Kulturkonsulenten des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Uffe Iwersen. Auf die Frage des Filmproduzenten: „Kennst du jemanden, der Sønderjysk spricht und in einem Film mitwirken will?“, antwortete Dirk Andresen prompt: „Ja, mich.“

„Das war auch ein bisschen aus der Neugier heraus, das hatte ich noch nie gemacht, und nun ergab es sich so“, berichtet Andresen, der sich auch zwölf Monate später über den Zeitaufwand etwas überrascht zeigt.

Der Mann ohne Gummistiefel

Die Rolle als Bauer Jens ist um einige Meilen von seinem Alltag als Geschäftsinhaber im Stadtkern in Tondern entfernt.

„Ich hatte ja nicht einmal Gummistiefel“, gesteht er mit einem Lachen. Er wollte sich auch nicht extra wegen des Films ein Paar anschaffen. So kam es, dass Stadtmensch Andresen mit geliehenen Gummistiefeln Größe 47 und damit einige Nummern größer als seine Schuhgröße im wirklichen Leben neben Schauspieler Mathias Harrebye-Brandt durch den Schlick stapfte.

„Ich musste ein bisschen hinterwäldlerisch auftreten“, berichtet der 62-Jährige. Wer ihn kennt und ihn schon mal auf der Bühne erlebt hat, weiß, dass ihm das nicht besonders schwerfällt.

Dirk Andresen (r.) in den von einem Kollegen beim „Nordschleswiger" geliehenen Gummistiefeln, die ihm mehrere Nummern zu groß waren. Foto: BDN

Eine unbequeme Position

Ganz auf den Kopf gefallen ist Bauer Jens jedoch nicht. Schließlich kommt er dem Mörder auf die Schliche. Er erfährt jedoch auf harte Art, dass alles seinen Preis hat.

Hart sei vor allem gewesen, als er während der Dreharbeiten in einer bestimmten und extrem unbequemen Position vier Stunden auf einem Stuhl verharren musste.

Dem Vater von drei erwachsenen Söhnen macht es Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

In eine andere Welt eintauchen

In das darstellerische Metier ist der ausgebildete Kirchensänger vor Jahren durch die Tønder Revy hineingeschlittert. „Ich sollte nur ein bisschen mitspielen, hieß es. Erst einmal dabei, hat es mich jedoch gepackt“, verrät Dirk Andresen.

„Man begibt sich in eine ganz andere Welt und muss eine ganz andere Rolle einnehmen und sich hineinarbeiten. Dann sind da noch das soziale Miteinander und das schnelle Ping-Pong zwischen den Mitwirkenden“, erläutert er seine Faszination.

„Mit dem gegenseitigen Verständnis ging es auch in Aventoft enorm schnell, obgleich ich nur Christian Petersen aus Hoyer kannte“, berichtet er.

Dirk Andresen kannte im Vorfeld nur Christian Petersen (2. v. l.), den er für die Filmaufnahmen vorgeschlagen hatte. Foto: BDN

Viel Arbeit, bevor eine Szene im Kasten ist

Die Unterschiede zum Laienspiel sieht er vor allem in der ganzen Vorarbeit, bevor eine Szene überhaupt gedreht werden kann.

„Beim Laienspiel trete ich vielleicht auf der Bühne einen Schritt zurück und dann ist es das. Beim Film geht es auch um die Einstellung von Ton und Beleuchtung, und der größte Unterschied war für mich, dass so viel eingestellt und geändert werden musste."

Dirk Andresen (r.) gibt sich bei der Tønder Revy sportlich Foto: Elise Rahbek
Dirk Andresen versteht es, mit seinen verschiedenen Auftritten die Lachmuskeln des Revue-Publikums zu strapazieren. (Archivfoto) Foto: Elise Rahbek

„Es war für mich eine neue Erfahrung, dass so viele Leute mit eingebunden sind und dass es so lange dauert. Und dann war es ja auch im Grenzkrug in Aventoft sehr eng, und wir saßen fast aufeinander“, sagt er lachend.

„Zudem waren wir zum Beispiel bei der Szene, wo die Leiche über dem Wildschweinzaun gefunden wird, den Naturgewalten beim Wattenmeer direkt ausgesetzt, und das Wasser stieg und stieg“, erinnert er sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dirk Andresen gemeinsam mit Profis spielt: 2019 mimte er an der Seite der dänischen Schauspielerin Bodil Jørgensen auf einem Feld in Ballum einen Pastor. (Archivfoto) Foto: Elise Rahbek

Ein positives Erlebnis

Sein Filmdebüt mit einer Sprechrolle stuft er absolut als positives Erlebnis ein, und es hat ihn nicht abgeschreckt. Eine Traumrolle, die er gern mal spielen würde, hat er nicht.

Aufgefallen ist ihm auch, wie die Geräuschkulisse in der Natur auf die Aufnahmen einwirkt.

Auf der Bühne sind keine Gänse im Anflug

„Da rumorte in der Nähe des Deichs plötzlich ein Bagger, das war so nicht geplant, und er wurde zum Stillhalten aufgefordert. Auf der Theaterbühne erlebt man auch nie, dass plötzlich ein Schwarm Gänse vorbeifliegt“, so Andresen mit einem Lachen.

Kaum fällt die Redaktionstür nach dem Interview hinter ihm ins Schloss, setzt er singend den Weg zu seinem Glaskunst-Laden fort.

Eine premierenreiche Woche

Andresen hat den Streifen bereits zum Wochenanfang im Kreis des Filmteams gesehen und war auch bei der Premiere in Niebüll am Dienstagabend dabei.

Gemäß dem Motto, dass alle guten Dinge sind drei, besucht Dirk Andresen am Mittwochabend gemeinsam mit seiner Frau Lene die Premiere im geladenen Kreis in der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern.

Zu diesem Termin wird er aber weder in eigenen noch geborgten Gummistiefeln antanzen – denken wir zumindest nicht.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheit mit Mut zur Zukunft“