Wirtschaft

Der Bio-Eiermann von Alsen

Der Bio-Eiermann von Alsen

Der Bio-Eiermann von Alsen

Bettina P. Oesten
Augustenburg/Augustenborg
Zuletzt aktualisiert um:
Robert Beck mit einem kleinen Ausschnitt seines 78.000 Hühner zählenden Bestandes. Foto: Karin Riggelsen

Mit 25 Millionen Eiern im Jahr besitzt Robert Beck den zweitgrößten Bioeier-Betrieb Dänemarks. Ein schwedischer Möbelriese gehört zu seinen Kunden.

Er kommt aus einer Bauernfamilie auf Fünen und ist seit seinem 20. Lebensjahr selbstständiger Landwirt. Vor vier Jahren erwarb er den ersten von heute insgesamt 15 Höfen auf Alsen und besitzt mit seinen 78.000 Legehennen und 25 Mio. Eiern im Jahr den zweitgrößten Bioeier-Betrieb Dänemarks.

Der 41-jährige Robert Beck denkt in großen ökologischen Maßstäben und lässt sich seinen Traum von einem vorbildlichen Öko-Betrieb etwas kosten. Bisher investierte er 120 Mio. Kronen, u. a. in den Bau moderner, vollautomatisierter Hühnerställe, weitere Investitionen mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio. Kronen sind geplant. Sie sollen neben der Finanzierung anderer zukunftsweisender Projekte in den Bau von zwei großen Hallen fließen. Darin will der visionäre Öko-Landwirt Hühner züchten, die länger leben, langsamer wachsen, nachhaltiges Fleisch produzieren und – wenn es nach ihm geht – bald einen neuen Trend einläuten werden: den Trend hin zu Qualität, die ihren Preis hat, aber dennoch erschwinglich ist.

Hauptabnehmer der Hühner mit gemächlichem Wachstum wird ein schwedischer Möbelriese sein, der für seine deutschen Restaurants eine nachhaltigere Produktion von Hühnerfleisch anstrebt: Seine berühmten „Köttbullar“ etwa bestehen jetzt bereits zu 60 Prozent aus Hühnerfleisch, bis 2020 sollen es 100 Prozent sein.

Doch zurück zu den Eiern, die zweimal wöchentlich auf großen Paletten mit je über 12.000 Stück den Betrieb außerhalb Augustenburgs verlassen und nach Christiansfeld zum Hauptsitz des Danæg-Konzerns gebracht werden. Von dort werden sie nicht nur in ganz Dänemark und Deutschland verteilt, sondern treten auch die lange Reise nach Dubai und Hongkong an, wo in Dänemark produzierte und verpackte Eier hoch im Kurs stehen.

Die Kunden können sicher sein: Wo Öko draufsteht, ist auch Öko drin. Seit dem 22. Oktober dieses Jahres gibt es ein neues Gütesiegel für dänische Eier, das direkt auf die Eierschale gedruckt wird. So ist für den Verbraucher erkennbar, dass es sich nicht etwa um ausländische Eier handelt, die in Dänemark verpackt und mit dem staatlich kontrollierten Ø-Siegel versehen wurden, sondern um Eier von echten dänischen Hühnern.

Svitlana und Nataliya am Eierband. Foto: Karin Riggelsen

Konkurrenzdruck

„Dänische Produzenten von Bio-Lebensmitteln stehen unter einem enormen Konkurrenzdruck aus dem Ausland. Mit dem neuen Gütesiegel soll verhindert werden, dass beispielsweise türkische Eier in einer dänischen Verpackung mit Ø-Siegel landen. Nichts gegen die Türkei, aber türkische Eier – das muss vielleicht nicht sein, wo wir doch in Dänemark so tolle Bioprodukte haben“, sagt der in Flensburg lebende dreifache Familienvater, der, um sich Öko-Betrieb nennen zu dürfen, strenge Auflagen erfüllen muss. Einmal im Jahr stehen außerdem staatliche Kontrolleure bei ihm vor der Haustür: Dann wird von der artgerechten Haltung der Hühner über Stalleinrichtung und Einzäunungen bis hin zu Einkäufen und Buchhaltung alles genauestens unter die Lupe genommen.

„Viele verbinden mit einem Biohof bzw. Bioeier-Betrieb immer noch einen Ort, wo die Eier von Hand aus den Legenestern eingesammelt werden. Das soll dann die echte Bioqualität sein. So verhält es sich natürlich nicht. Dass wir ein Großbetrieb sind, schließt ja Qualität nicht aus. Ganz im Gegenteil. Durch die strengen Kontrollen ist z. B. gewährleistet, dass unsere Eier garantiert salmonellenfrei sind. Diese Garantie hat man nicht unbedingt, wenn man seine Eier irgendwo am Wegesrand kauft“, versichert der betriebsame Landwirt, der auf den benachbarten etwa 1.000 Hektar Land Kirsch-, Apfel- und Birnenbäume für eigene Bio-Säfte gepflanzt hat und verschiedene Getreidesorten für Bio-Lebensmittel und Futterzwecke anbaut. Den Dünger holt er gleich nebenan im Hühnerstall. Wenn schon Bio, dann richtig.

Und was sagen seine Nachbarn zu seinem nicht zu übersehenden Expansionsdrang? „Das Jante-Gesetz habe ich schon zu spüren bekommen. In Atzerballig gab es viele kritische Stimmen, aber die sind weitgehend verstummt. Vielleicht weil mich die Leute jetzt besser kennen und einschätzen können. Die meisten ziehen den Hut vor dem, was ich mache“, so Robert Beck, der – wenn die Produktion erst mal auf vollen Touren läuft – den Betrieb mit acht bis zehn Mitarbeitern bewirtschaften will.
Geschäftspartner hat er keine. Die Investitionen tätigt er auf eigenes Risiko.

„Wenn ich eine Bruchlandung hinlegen sollte, bin ich dran“, sagt er mit einem Lächeln, das mehr als alles andere Zuversicht und einen unerschütterlichen Zukunftsglauben signalisiert.

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