Thema der Woche: Deutsch in Dänemark

Nicklas aus Flensburg studiert in Sonderburg – und bleibt in Dänemark

Nicklas aus Flensburg studiert in Sonderburg – und bleibt in Dänemark

Nicklas aus Flensburg studiert in Sonderburg

Sonderburg/Sønderborg
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29 deutsche Studierende waren 2019 an der SDU für Ingenieurswissenschaften eingeschrieben. Foto: Henrik Pyndt Sørensen/Ritzau Scanpix

Nicklas Frahm studiert Mechatronik an der Süddänischen Universität (SDU). Für ihn steht bereits vor Studienabschluss fest, dass er nicht wieder zurück nach Deutschland zieht. Warum er sich für ein Berufsleben in Dänemark entschieden hat, das verrät er im Interview.

Seit 2016 ist Nicklas Frahm Student an der Süddänischen Universität (SDU). Mittlerweile ist er am Ende seines Master-Studiums angelangt, und schon jetzt weiß der 23-Jährige: Zurück nach Deutschland wird er nicht ziehen. Nach fünf Jahren als deutscher Student in Dänemark hat er nicht nur die Lebensart der Dänen zu schätzen gelernt.

Als Werksstudent des Unternehmens Danfoss hat ihn auch die Unternehmenskultur hierzulande überzeugt. „Ich sehe mich in Dänemark, auch längerfristig“, sagt der Masterstudent. „Ich kann mir derzeit nur schwer vorstellen, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Auch weil ich die Fähigkeit, Englisch als Hauptsprache in einem Unternehmen auf hohem Niveau sprechen zu können, nicht missen möchte.“

Sonderburg statt Aachen oder Ingolstadt

Ein Studium in Dänemark kam für Nicklas Frahm zunächst gar nicht infrage, verrät er. „Wir sind früher oft nach Dänemark in den Urlaub gefahren. Und da gab es immer Verständigungsprobleme mit den dänischen Kindern, und das ist mir immer mächtig auf den Keks gegangen“, erinnert er sich lachend.

Auf der Suche nach einem Studienplatz als Ingenieur oder Maschinenbauer interessierte er sich zunächst mehr für Aachen oder Ingolstadt. Doch ein Kennenlerntag an der SDU in Dänemark Anfang 2016 änderte alles.

Nicklas Frahm an der SDU, wo er seit 2016 studiert Foto: Privat

„Ich habe an diesem Studententag teilgenommen – und habe da supercoole Leute kennengelernt, mit denen ich stundenlang über technische Themen reden konnte. Und zwar auf einem sehr hohen Level. Meine Mutter, die mich an der SDU abgesetzt hatte, begann sich zu wundern, warum ich mich gar nicht mehr melde, weil ich mich bis zum Ende des Tages so gut unterhalten habe. Ich war überzeugt und habe mich für das Bachelorstudium in Mechatronik eingeschrieben“, berichtet der Student.

Nach anfänglichem Pendeln zwischen Flensburg und Sonderburg stellte Nicklas Frahm schnell fest, dass die Fahrtzeit zu viel von seiner Zeit frisst.

Wer nebenher arbeitet, kann SU erhalten

Doch wovon sollte er in Dänemark leben? Die Eltern konnten ihm das Studium nicht finanzieren, sodass er sich weitestgehend selbst versorgen musste. Die SDU informierte den Studenten darüber, dass er mit einem Studienjob bei einem dänischen Unternehmen über mindestens 43 Stunden im Monat einen Antrag auf Studienunterstützung (SU) stellen könnte.

Er bewarb sich als studentische Hilfskraft bei Danfoss in Norburg (Nordborg) – und erhielt Job und SU. „Davon konnte ich gut leben, nach Abzug der Steuern waren das rund 1.200 Euro im Monat. Das ist viel Geld für einen Studenten“, sagt Nicklas Frahm.

Nicklas arbeitet neben dem Studium als Werksstudent für Danfoss in Norburg. Foto: Privat

Seit Anfang 2017 arbeitet Nicklas Frahm neben seinem Studium rund elf Stunden pro Woche für Danfoss, lebt in einer 52 Quadratmeter großen Wohnung in Sonderburg und schätzt die praxisbezogene Ausbildung an der SDU.

„Vor allem im Bachelorstudium hatten wir jedes Semester eine Projektarbeit, bei der wir ein echtes Problem lösen mussten. Wir mussten beispielsweise ein Hindernis überwinden, indem wir einen Mechanismus aus der Tierwelt nachbauen oder einen Roboter bauen, der Fenster putzen kann“, gibt Nicklas Frahm zwei Beispiele für Gruppenarbeiten.

Auf Dienstreise nach Baltimore

Über seine Arbeit bei Danfoss konnte er von Anfang an sein Wissen mit der Praxis verbinden. „Ich war und bin extrem privilegiert, in einem so guten Department von Danfoss gelandet zu sein. Ich war von Anfang an ein Teil des Teams und habe enorm viel gelernt – und Aufgaben und Verantwortung übernehmen dürfen. Ich wurde auf Augenhöhe behandelt und habe dadurch meine Fähigkeiten enorm ausbauen können.“

Als Entwickler für IOT (The Internet Of Things) wird er unter anderem auf Geschäftsreisen nach Venedig und Baltimore geschickt. „Das war etwas Besonderes, wer erlebt sowas normalerweise während seines Studiums“, sagt Nicklas Frahm.

Als Teil des Cross-Funktion-Teams lernte er alle Bereiche der Danfoss IT-Group kennen. Seit Corona arbeitet der Student meistens von zu Hause aus, „ansonsten fahre ich mit meinem Lupo oder spreche mich mit Kollegen ab.“

Es ist echt ein sehr entspanntes Leben hier in Dänemark. Es gibt flache Hierarchien, und der Lebensstil gefällt mir extrem.

Nicklas Frahm, Student

Ende Juni beendet Nicklas Frahm sein Masterstudium an der SDU, und am 1. September beginnt er im Absolventen-Programm von Danfoss im IT-Track. „Für die Zeit dazwischen habe ich einen Überbrückungsvertrag erhalten, damit ich mich nicht arbeitslos melden muss“, so der 23-Jährige.

Seine Entscheidung, in Sonderburg zu studieren, hat Früchte getragen. „Es ist echt ein sehr entspanntes Leben hier in Dänemark. Es gibt flache Hierarchien, und der Lebensstil gefällt mir extrem. Ich finde, es gibt in Deutschland viel mehr Stress und eine übertriebene Ordnung.“

Als Beispiel für eine andere Lebensart nennt Nicklas Frahm den Umgang mit Corona in beiden Ländern. „Auch in Dänemark gab es einen Lockdown und eine Maskenpflicht. Aber irgendwie wird in Dänemark entspannter mit Corona umgegangen als in Deutschland.“ Der Ton sei ein anderer, so der Student.

„Ich kann mich einigermaßen verständigen“

Im dritten und vierten Semester belegte Nicklas Frahm einen Sprachkurs, doch Studium und Arbeit ließen wenig Zeit zum Dänischlernen. „Ich kann mich einigermaßen verständigen. Als meine Wohnung mal einen kaputten Warmwasserbehälter hatte, konnte ich das erklären, und in den Geschäften ist es ja einigermaßen einfach, sich zu unterhalten.“

Was mit einem Schnuppertag an der SDU begann, ist für Nicklas Frahm zu einem Leben in Dänemark geworden. „Ich kann mir ein Leben in Dänemark einfach sehr gut vorstellen und freue mich drauf.“

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