Unterwegs

Neue Fahrradfähre im Video: Auf der Premierentour der Rødsand

Neue Fahrradfähre im Video: Auf der Premierentour der Rødsand

Mit der Fahrradfähre nach Ekensund

shz.de/Götz Bonsen
Langballigau/Ekensund
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Gerrit von den Fahrrad-Fanatikern vor den Fahrrad-Stellplätzen Foto: shz.de/screenshot youtube

Glückliche Gesichter auf beiden Seiten der Grenze: Die Fahrrad-Fanatiker haben die neue Fähre bei ihrer Premiere getestet.

Info Fahrradfähre

Die Rødsand hat eine Kapazität maximal zwölf Personen und ebensovielen Fahrrädern. Es ist daher ratsam, die Tour im Voraus zu buchen, was ausschließlich im Internet möglich ist.

  • Egernsund/Marina Minde – Langballigau 125 DKK/16,50 Euro
  • Brunsnæs – Langballigau Einzelfahrt 75 DKK/10 Euro
  • Egernsund/Marina Minde – Brunsnæs Einzelfahrt 75 DKK/10 Euro
  • Fahrradpreise: 2 Euro Einzelfahrt

Es ist ein spürbar besonderer Freitagmorgen an der Seebrücke in Langballigau. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach der letzten Tour der Butterfähren wird erstmals eine Fahrradfähre von Deutschland nach Dänemark ablegen.

Vier Fahrräder warten an dem kleinen Anleger am vorderen Ende der frisch renovierten Seebrücke, deutsche und dänische Papierflaggen schmücken das Geländer und flattern im Wind. Langballigs Bürgermeister Kurt Brodersen strahlt, als die kleine Rødsand sich kurz nach 10 Uhr erstmals offiziell von Egernsund her dem Anleger nähert.

Mehrere Kameraleute sind da bereits an Bord versammelt – in Egernsund war die Premierenfeier ohnehin etwas größer ausgefallen. An Bord ist auch die am Vortag durch den Regierungswechsel aus dem Amt geschiedene dänische Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby. Nørby hatte sich wie viele andere in der Region lange für die Wiederbelebung der Fährschifffahrt auf der Förde eingesetzt. In ihrer kurzen Rede in deutscher Sprache betont sie das historische Band, das die Menschen auf beiden Seiten der Förde so wieder näher zusammenbringt.

Die Fährverbindung: von Langballigau über Brunsnis nach Ekensund Foto: shz.de/Screenshot Google Maps

Vier Mal am Tag

Für Radfahrer und Fußgänger – so die Hoffnung der Touristiker – soll es Ausflüge an der Förde noch attraktiver machen. 18 Euro kostet die gemütliche Überfahrt mit Fahrrad bis ganz nach Egernsund. Wer nur kurze Strecken mit dem Rad zurücklegen will, kann für etwas niederigere Fahrtpreise in Brunsnæs oder Marina Minde aussteigen und bis Egernsund weiterradeln, um dort die nächste Fähre zurück nach Angeln zu nehmen.

Vier Mal am Tag wird die Rødsand bis zum 25. Juli 2019 in diese Richtung pendeln – an Donnerstagen fährt sich auch nach Flensburg – danach endet in diesem Jahr die vereinbarte Testphase. Noch etwas improvisiert wirken daher die mit Holzbrettern verschraubten Fahrradhalter auf dem Vorderdeck, zwölf an der Zahl – aber sie erfüllen ihren Zweck.

Die Passagiere erleben an diesem zunächst noch frischen Spätjunimorgen eine Fördeschifffahrt mit all ihren Reizen. Deutsch und Dänisch wechseln sich als Sprache ab. Bei strahlender Sonne werden zwei Mal Schweinswale erspäht, bevor das Schiff um 11.22 Uhr, also eine Stunde nach Abfahrt in Langballig in ihrem Ankerhafen Egernsund anlegt. Beim vorherigen Halt in Brunsnæs stehen eine Kiste Bier und ein Kasten mit Süßgetränken bereit, die an Bord verkauft werden. Von Dosenbier und Zigarettenhandel wie damals keine Spur. In Marina Minde will bei dieser Premierenfahrt noch niemand aussteigen, so macht das Schiff diesmal einen Schlenker.

Die Zuversicht, dass es im nächsten Jahr weitergeht, ist groß. Durch die hohen Sponsorengelder für diese Linie könne man für dieses Jahr bereits mit schwarzen Zahlen rechnen, sagt Gerhard Jacobsen. Er ist der Mann hinter dem Fähr-Projekt. Vielleicht könnte letztlich der visionäre Plan von einer solarbetriebenen Fähre in Erfüllung gehen, hofft der Nordschleswiger. Die Kommune Sønderborg stehe voll dahinter und habe zudem ehrgeizige Klimapläne. Man hoffe auf EU-Gelder von Interreg, um den Traum von der etwa 800.000 Euro teuren Solarfähre zu ermöglichen.

Lange hatten die Initiatoren gegen die Widerstände kämpfen müssen. Erst waren es die strengen dänischen Auflagen für die internationale Schifffahrt gewesen, die das über 20 Jahre erträumte Projekt verhinderten. In den letzten Jahren waren es die Widerstände in Langballig, wo man zunächst keine Konkurrenzsituation zu der nach Sonderburg fahrenden Fähre Feodora schaffen wollte.

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