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Hier ist besetzt: Volle Nester in SH sorgen für mehr Störche in Nordschleswig

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Der Storch wurde 2008 für ausgestorben erklärt, doch seitdem kehrt er langsam zurück – wie hier nach Renz (Archivbild).

In diesem Jahr gibt es in Dänemark besonders viele Störche. Das liegt am sonnigen Wetter und einer starken Bestandszunahme in Norddeutschland. Die ist darauf zurückzuführen, dass mehr Störche überleben, weil sie zunehmend in Südeuropa überwintern – statt die riskante Reise nach Afrika anzutreten.

Die Störche in Dänemark scheinen ein sehr gutes Jahr zu haben. Möglicherweise das Beste seit Langem. Das ist die Einschätzung von Jesper Leegaard, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Storkene.dk“.

„Es sieht wirklich gut aus. Es sind viele Störche im Umlauf, und mehrmals am Tag erhalten wir Hinweise von Leuten, die Storchenpaare und einzelne Störche gesehen haben“, sagt Jesper Leegaard.

Nordschleswig als Zufluchtsort

Vier Storchennester in Nordschleswig sind bereits besetzt, und das Ausbrüten der Storcheneier ist in vollem Gange. Es handelt sich um Nester in Schmedagger (Smedager), Renz (Rens), Jeising (Jejsing) und Saxburg (Saksborg).

Hinzu kommen die Störche in Gundsølille bei Roskilde, wo das Paar ebenfalls Eier legt.

Das sind fünf zuverlässige Storchenstandorte, die Jahr für Jahr besetzt werden – meist von denselben Paaren, die nach dem Überwintern im Süden zurückkehren.

Aber in diesem Jahr ist auch ein neues Storchenpaar in Abel (Abild) eingetroffen, und auch dort liegen Eier im Nest.

Darüber hinaus gibt es drei weitere Orte, an denen Storchenpaare ungewöhnlich großes Interesse an einer Ansiedlung gezeigt haben: Bülderup-Bau (Bylderup-Bov), Damhus bei Ripen (Ribe) und Uldum Kær in Südostjütland.

Junge Störche müssen weichen

Laut Jesper Leegaard handelt es sich dabei in der Regel um junge Storchenpaare, die eigentlich Deutschland als Sommerresidenz gewählt haben. Aber es gibt einfach nicht genug Platz für sie alle.

„Die Population wächst südlich der Grenze, wo es einen zunehmenden Wettbewerb um Platz gibt. Das endet meist damit, dass die erfahreneren Storchenpaare die jungen, neu gebildeten Paare verjagen. Und diese sind es, die wir in Dänemark sehen. Sie werden hier einfach hochgedrängt.“

Kai-Michael Thomsen teilt diese Einschätzung. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Michael-Otto-Institut, das zum deutschen Umweltverband Nabu gehört. Das Institut forscht unter anderem zum Thema Storch und Naturschutz.

Anzahl der Störche nimmt stetig zu

„Wir haben in den letzten Jahren eine starke Zunahme der Storchenpopulation in Westdeutschland und Schleswig-Holstein erlebt. Es ist also eine normale Entwicklung, dass mehr nach Dänemark und anderswo fliegen“, sagt Kai-Michael Thomsen.

Die Zahl der Störche hat in den vergangenen fünf Jahren in Schleswig-Holstein um 10 Prozent pro Jahr zugenommen. Mittlerweile gebe es rund 500 Storchenpaare in dem Bundesland an der Grenze zu Dänemark, sagt Kai-Michael Thomsen.

Die Zunahme ist laut Thomsen darauf zurückzuführen, dass mehr Störche überleben, wenn sie im Winter in wärmere Gefilde abwandern. Sie überwintern in Südeuropa, anstatt die lange und gefährliche Reise nach Afrika anzutreten.

Nach Angaben des deutschen Experten liegt die Zahl der Brutpaare in ganz Deutschland bei etwa 13.000.

Vergangenes Jahr gab es in Dänemark acht brütende Storchenpaare, die insgesamt 15 Jungstörche in die Luft schickten.