Leitartikel

„Der Zaun in unseren Köpfen“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Am Montag hat der Bau des Wildschweinzauns an der dänisch-deutschen Grenze begonnen – und viel Kritik außerhalb Dänemarks ausgelöst. Exporte in Höhe von elf Milliarden Kronen stehen auf dem Spiel. Der Zaun für 30 Millionen Kronen sei eine Art Versicherungsprämie – und keine Symbolpolitik, meint hingegen Chefredakteur Gwyn Nissen.

Selten haben so viele über so wenig berichtet: Ein riesiges Presseaufgebot fand Montag den Weg in die Frösleer Plantage, wo die ersten Gitter für den 70 Kilometer langen Wildschweinzaun entlang der deutsch-dänischen Grenze errichtet wurden. Das Interesse war nicht nur der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest geschuldet. Sondern auch der Tatsache, dass von deutscher Seite Dänemark unterstellt wird, sich durch den Zaun abzuschotten, Europa auszugrenzen und Symbolpolitik zu betreiben.

Aber stellen wir ein für alle Mal fest: Der Zaun ist ein Wildschweinzaun und nichts anderes. Auch wenn es gerade ins Dänemark-Bild einiger deutscher Politiker passt. Ihr Bild ist gar nicht so verkehrt – es aber mit dem Wildschweinzaun zu verbinden, ist völlig daneben geschossen.

Ja, Wildschweine können schwimmen, hoch springen und vielleicht finden einige schlaue Tiere sogar einen Weg durch die Lücken für Autofahrer, Spaziergänger und Radler. Denn diese Lücken gibt es. Hier wird gerade keine undurchlässige Mauer gebaut, die Länder und Bürger trennt. Es ist ein Zaun und ein ernst gemeinter Versuch der Politik und der Landwirtschaft, den Wildschweinebestand in Dänemark zu begrenzen. Und da hilft ein Zaun besser als nichts.

Es geht nicht nur darum, kranke Wildschweine von Dänemark fernzuhalten, sondern darum, auch den gesunden Wildschweinen so gut es geht, den Weg nach Dänemark zu erschweren, damit sie hier nicht die Schweinepest übertragen, wenn Menschen infizierte Nahrungsmittel in der Natur hinterlassen.

Deutschland und Dänemark gehen mit dem Problem unterschiedlich um. Der dänische Weg hat aber nichts mit Abschottung oder Ausländerfeindlichkeit zu tun. Sondern eher damit, dass Dänemark in der Lage ist, sich – anders als Deutschland – einzuzäunen und, weil der Wildschweinebestand hierzulande im Gegensatz zu Deutschland noch einigermaßen zu kontrollieren ist.

Gerade die, die sich nun am lautesten über Abschottung, Ausgrenzung und dänischer Ausländerfeindlichkeit beschweren, sollten als erste die Hand über die Grenze reichen und die deutsch-dänische Nachbarschaft unterstützen. Durch ihre Worte ziehen sie nämlich noch höhere Mauern zwischen unseren beiden Ländern hoch – Mauern in unseren Köpfen, die noch schwerer abzubauen sind, als ein 1,5 Meter hoher Zaun, der keine Menschen im Grenzland daran hindern wird, sich gegenseitig zu besuchen.

Einige mögen die dänische Lösung nicht verstehen,doch sie ist eine Art Versicherung gegen die Schweinepest: Exporte in Höhe von elf Milliarden Kronen stehen auf dem Spiel. Der Zaun für 30 Millionen Kronen ist eine Art Versicherungsprämie – und keine Symbolpolitik.

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