Diese Woche - auf Bornholm

„Geständnis eines Folkemøde-Muffels“

Geständnis eines Folkemøde-Muffels

Geständnis eines Folkemøde-Muffels

Allinge
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Bereit zur Berichterstattung vom Folkemøde Foto: Walter Turnowsky

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Ein großer Teil der Politik ist in dieser Woche von Christiansborg nach Bornholm zum Folkemøde umgezogen. Grund genug für Kopenhagen-Korrespondent Walter Turnowsky sein Büro auch dorthin zu verlegen.

Eigentlich heißt diese Kolumne ja „Diese Woche in Kopenhagen“. Da jedoch Kopenhagen in dieser Woche, zumindest was die Politik angeht, nach Bornholm umgezogen ist, sende ich also dieses Mal von dort. Denn es sind die Tage des Folkemøde.

Aber zunächst das in der Überschrift erwähnte Geständnis: Ich gehöre zu denen, die dem „Roskildefestival der Politik“ eher kritisch gegenübergestanden haben.

Als regelmäßiger Besucher und Fan der Insel war ich der Überzeugung, dass mir Bornholm ohne Politprominenz, Lobbyisten und Spindoktoren besser gefällt als mit ihnen. Ich war (und bin) skeptisch, ob hier wirklich ein Dialog zwischen Politik und Bevölkerung stattfindet, oder ob es doch in erster Linie ein Gespräch der Politiker miteinander ist – ob die Blase Borgen lediglich für drei Tage nach Allinge umgezogen ist.

Doch dann kamen drei Dinge zusammen.

Erstens hörte ich von immer mehr Menschen, dass es tatsächliche eine interessante Veranstaltung ist: Gute Stimmung und eine Möglichkeit, Politiker in lockerer Stimmung zu treffen.

Zweitens kauften wir vor drei Jahren ein Sommerhaus auf Bornholm und drittens trat ich im vergangenen Jahr die Stelle beim „Nordschleswiger“ an. Also dachte ich, 2020, ich kann mir ja die Sache anschauen. (Vor)Urteile sind schließlich dazu da, überprüft und hinterfragt zu werden.

So schöner? Allinge am Tag vor dem Folkemøde Foto: Walter Turnowsky

Doch kaum begann ich mich auf den Besuch zu freuen, war es schon wieder aus. Wie so vieles wurde das Folkemøde 2020 abgesagt.

Neuer Anlauf in diesem Jahr: Schon früh gaben sich die Veranstalter optimistisch. Und im Mai kam den die definitive Aussage: Das Treffen, Folkemøde, findet statt.

Doch wird es ein sehr anderes Folkemøde, als ich mir das Anfang 2020 ausgemalt hatte. Mit nur 2.000 zugelassenen Besuchern wird es noch deutlich kleiner als im Premierenjahr 2011, als immerhin 10.000 Menschen kamen. So richtige Festivalstimmung wird da wohl kaum aufkommen.

Auch die zwanglosen Begegnungen sind durch abgezäunte Abschnitte mit maximal 500 Personen deutlich erschwert.

Doch zumindest kann ich mit meinem Pressearmband von Abschnitt zu Abschnitt gelangen. Auch gibt es selbst beim reduzierten Folkemøde weiterhin ein wahres Füllhorn an Polittalks und kulturellen Veranstaltungen – ich habe die Qual der Wahl.

Also bleibt nur abzuwarten, wie diese Version des Folkemøde nun tatsächlich abläuft. Vermutlich sind die Veranstalter darauf noch deutlich gespannter als ich.

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