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Spielsucht in Dänemark hat sich in fünf Jahren verdoppelt

Spielsucht in Dänemark hat sich in fünf Jahren verdoppelt

Spielsucht in Dänemark hat sich in fünf Jahren verdoppelt

dodo/Ritzau
Kopenhagen
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Spielsucht
10,9 Prozent der Befragten gaben in einer Studie an, dass sie im Jahr 2021 eine Form von Spielsucht hatten. Foto: imago stock & people

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Eine neue Studie zeigt, dass eine halbe Million Bürgerinnen und Bürger im vergangenen Jahr Probleme hatten, ihr Glücksspielverhalten zu kontrollieren. Die Politik und Branchenverbände sind besorgt und diskutieren über Lösungen.

Was als harmlose Unterhaltung gedacht war, kann plötzlich zu einer Besessenheit werden, die Leben, Ehen und Freundschaften zerstört.

Bei immer mehr Menschen in Dänemark ist dies der Fall, wie eine neue Studie der Glücksspielbehörde über den Glücksspielkonsum der Däninnen und Dänen zeigt.

Die Untersuchung basiert auf einer Umfrage und zeigt, dass 10,9 Prozent der Befragten angeben, dass sie im Jahr 2021 eine Form von Spielsucht hatten.

Politik ist besorgt

Das ist mehr als doppelt so viel wie bei einer ähnlichen Umfrage vor fünf Jahren und entspricht fast einer halben Million Personen, die Schwierigkeiten haben, ihr Glücksspielverhalten zu kontrollieren.

Das bringt den für den Glücksspielbereich zuständigen Steuerminister Jeppe Bruus (Soz.) ins Grübeln. Er nennt es „ein riesiges Problem" – ohne allerdings hier und jetzt eine Lösung parat zu haben. Er kündigte an, die Folketingsparteien nach den Sommerferien zu einem Gespräch einzuladen.

Carl Valentin, Sprecher für Steuerpolitik der Sozialistischen Volkspartei (SF), freut sich auf die Einladung. Er ist der Meinung, dass ein totales Werbeverbot für Glücksspiele eingeführt werden muss.

„Das wird kompliziert, aber es ist uns gelungen, beispielsweise ein Verbot der Tabakwerbung durchzusetzen. Nicht zuletzt können andere Maßnahmen ergriffen werden, um die sehr aggressive Marketingkultur einzudämmen. Man kann Werbespots verbieten, die sich an besonders gefährdete Gruppen richten, und man kann Regeln aufstellen, wer in den Werbespots erscheinen darf und wer nicht, zum Beispiel Sportstars“, so Valentin.

Vorschläge des Glücksspielverbandes

Der Glücksspielverband „Spillebranchen“ hat diskutiert, wie man verhindern kann, dass vor allem junge Menschen Probleme mit dem Glücksspiel bekommen.

Seiner Meinung nach gehe es darum, das Marketing so einzuschränken, dass keine Prominenten, Sportler unter 25 und animierte Charaktere eingesetzt werden, die Kinder und junge Erwachsene ansprechen könnten.

Ein vollständiges Werbeverbot für Glücksspiele sei jedoch nicht realistisch, sagt Morten Rønde, Direktor von „Spillebranchen“.

„Für jede Art von Online-Geschäft gilt, dass man keine Geschäfte tätigen kann, wenn Verbraucher die Produkte nicht finden können. Da die Leute aber spielen wollen, wird es wahrscheinlich passieren, dass sie stattdessen Glücksspielanbieter suchen und finden, die überhaupt keine Lizenz in Dänemark haben – und das kann wirklich niemand wollen“, so Rønde.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Das Gute und das Böse“