Unruhen

Demonstration, Provokation, Gewalt – die Ereignisse in Kopenhagen

Demonstration, Provokation, Gewalt – die Ereignisse in Kopenhagen

Demonstration, Provokation, Gewalt – die Ereignisse in Kopenhagen

Kopenhagen
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Feuer in Albertslund Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Nach einer islamfeindlichen Demonstration von Rasmus Paludan ist es in Kopenhagen in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen. Ein Überblick.

Sonntag, 14. April 2019:

  • Nachts um 1 Uhr wird die Polizei darüber informiert, dass Jugendliche auf dem Dach eines Kleinbusses hüpfen. Als die Polizei im Mjølnerparken im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro eintrifft, sind die Jugendlichen fort. Nur Sekunden später explodiert das Auto, da sitzen die Beamten glücklicherweise aber schon in ihrem Dienstwagen, dessen Scheibe splittert. Daraufhin verlegt die Polizei die geplante Demonstration Paludans vom Mjølnerparken zum Blågårdsplads, ebenfalls im Stadtteil Nørrebo, wo viele Migranten leben.
  • Am Nachmittag kommt es auf dem Blågårdsplads im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro zu Unruhen nach einer kurzen Demonstration des islamfeindlichen Rasmus Paludan – Gründer der Partei „Stram Kurs". Paludan trifft mit einer zweiten Person ein und wirft einen Koran in die Luft. Die Unruhen beginnen. Personen setzen Abfallcontainer in Brand und bewerfen die Polizei mit Pflastersteinen, diese setzt Tränengas ein. Ab 17 Uhr ebbt die Gewalt etwas ab, friedlich sei die Stimmung aber nicht, teilt die Polizei mit.

Rasmus Paludan, Gründer der Partei „Stram Kurs" Foto: Olafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix

Montag, 15. April 2019:

  • Von Sonntagnachmittag bis Montagfrüh muss die Feuerwehr über 90-mal ausrücken, um Feuer zu löschen, nach Angaben der Polizei können 70 Brände den Unruhen zugeordnet werden. Es brennen Abfallcontainer und Autos, nicht nur im Stadtteil Nørrebro. Die Polizei verhaftet 23 Personen wegen Brandstiftung oder Gewalt gegen Polizeibeamte.
  • Der Haftrichter ordnet für drei Verhaftete U-Haft an, eine Person kommt frei. Sie hatten Feuerwerkskörper beziehungsweise Steine auf die Polizisten geworfen.
  • Rasmus Paludan kündigt eine weitere Demonstration in Albertslund an für 17 Uhr. Black Lives Matter meldet dort eine Gegendemonstration an. Die Polizei verbietet die Demo Paludans sowie weitere von ihm bis Dienstag, 12 Uhr, im Kopenhagener Gebiet København Vestegn.
  • Zwei Gegendemonstrationen – unter anderem von „Black lives matter" –verlaufen in Albertslund friedlich, dann aber kommt es zu neuer Gewalt. Die Polizei setzt Tränengas ein und nimmt acht Personen fest.
Brennende Autos in Kopenhagen am Sonntagabend, 14. April. Foto: Mathias Øgendal/Ritzau Scanpix

Dienstag, 16. April 2019:

  • Paludans Partei „Stram Kurs“ kündigt eine Demonstration auf dem Blågårdplads in Kopenhagen für 13.30 Uhr an.
  • Dort finden Anwohner am Morgen eine Handgranate. Der Platz wird geräumt, die Polizei verhaftet einen 19-Jährigen, der die Handgranate dort platziert haben soll. Bei ihm wird auch eine Schusswaffe gefunden.
  • Die Polizei verbietet „Stram Kurs“, ab 12 Uhr in Teilen Kopenhagens zu demonstrieren, die unter besonderem polizeilichen Schutz stehen (skærpede strafzoner). „Stram Kurs“ kündigt laufend neue Demonstrationen an, die die Polizei verbietet, bis Paludan die Kundgebung in das Gebiet der Polizei von Nordseeland verlegt. Dort wirft er mit einem Koran, den er dann verbrennt. Gegendemonstranten zünden Feuerwerkskörper und rufen Schimpfwörter.
  • Die Polizei von Kopenhagen teilt mit, dass Rasmus Paludan und seine Partei „Stram Kurs“ bis zum 23. April in Kopenhagen nicht demonstrieren dürfen, weil sie die öffentliche Sicherheit gefährden würden.
Rasmus Paludan, Gründer der Partei Stram Kurs vor dem Gymnasium Gammel Hellerup am Mittwoch, 17. April 2019 Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Mittwoch, 17. April

  • In einer Mitteilung mahnt der Chef der dänischen Reichspolizei (rigspolitiet), Jens Henrik Højbjerg, es sei eine ernste Angelegenheit, wenn die Polizei ein mittelfristiges Demonstrationsverbot ausspreche. Die Meinungsfreiheit sei zentraler Bestandteil der Demokratie. Ein solches mittelfristiges Verbot müsse immer auf einer konkreten Einschätzung der Lage einzelner Polizeikreise beruhen, so Jens Henrik Højbjerg. Es sei nicht Aufgabe der Polizei, die Art und Weise der Meinungsäußerung zu bewerten; sie müsse aber sicherstellen, dass weder Gewalt noch Drohungen Menschen davon abhalte, ihre Meinung zu äußern.
  • Eine erneute Demonstration von Rasmus Paludan am Mittwochnachmittag in Hellerup verläuft ruhig. Die Kundgebung startet um 17 Uhr und endet um 18.30 Uhr vor dem Gymnasium Gammel Hellerup auf Nordseeland. Neben Journalisten und Polizeibeamten sind einige gekommen, um mit Rasmus Paludan zu diskutieren. Es gibt lautere Wortäußerungen, aber keine Übergriffe.

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