Deutsche Minderheit

BDN-Chef hofft auf Minderheitenbeauftragten in neuer Regierung

BDN-Chef hofft auf Minderheitenbeauftragten in Berlin

BDN-Chef hofft auf Minderheitenbeauftragten in Berlin

Tingleff/Tinglev
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Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen (am Rednerpult) nutzte das Informationsgespräch vor der Festveranstaltung zum Deutschen Tag in Tingleff auch zu kritischen Blicken auf das Grenzziehungsjubiläum. Foto: Karin Riggelsen

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Der Hauptvorsitzende des Dachverbandes der deutschen Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, wies beim Informationsgespräch während des Deutschen Tages auf Investitionsbedarf im Bildungsbereich der Minderheit hin. Der Hauptvorsitzende bekräftigte seine „Entschuldigungsrede“: „Wir haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt.“

Während des stets vor der zentralen Veranstaltung des Deutschen Tages in der Sporthalle Tingleff stattfindenden Informationsgesprächs zu aktuellen Fragen der deutschen Minderheit hat der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, die Hoffnung ausgesprochen, dass Deutschland nach den Bundestagswahlen bald wieder eine „starke und funktionstüchtige Regierung“ erhält, die bereit ist, auch international eine Rolle einzunehmen.

Gute Beziehungen zu allen Bundestagsparteien

Jürgensen erinnerte an die guten Beziehungen der Minderheit zu allen Bundestagsparteien. „Außerdem wünsche ich mir eine Regierung, die an der Tradition, einen Minderheitenbeauftragten zu benennen, festhält“, sagte der Vorsitzende des Dachverbandes der deutschen Nordschleswiger, der zu Beginn seiner Ansprache die in der Aula der Deutschen Nachschule Tingleff anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Minderheiten in Europa begrüßt hatte.

Hoffnung auf weitere Förderung deutscher Minderheiten

„Ich hoffe, dass die neue Regierung die deutschen Minderheiten in Europa weiter unterstützt und dies auch im Koalitionsvertrag festhält“, so Jürgensen. Der BDN-Hauptvorsitzende würdigte den von ihm als „historisch“ bezeichneten Besuch von Königin Margrethe und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei den deutschen Nordschleswigern am 13. Juni dieses Jahres. Es sei zweifelhaft, „ob wir an einem Tag jemals wieder einen so hochkarätigen Besuch bekommen“, sagte Jürgensen und ging dann auf die nach seinen Angaben überwiegend positiv, aber von einigen auch kritisierte „Entschuldigungsrede“ im Beisein der Staatsoberhäupter ein.

Erinnerung an Rede vor Königin und Bundespräsident

Er wiederholte zur Präzisierung die wörtlich von ihm gesprochenen Sätze: „Wir, die deutsche Minderheit, konnten im letzten Jahr unseren 100. Geburtstag feiern. Auf die Welt gekommen sind wir nicht freiwillig, denn die Volksabstimmung wurde 1920 als Niederlage angesehen, und die Minderheit kämpfte für eine Grenzrevision. Ein Kampf, der auch zur Nazifizierung und Beteiligung am Zweiten Weltkrieg führte. Es ist eine Vergangenheit, auf die wir nicht stolz sind und für die wir uns entschuldigen, die aber zu unserer Geschichte gehört. Das zeigen wir auch in unserem Museum. Wir haben aber aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Dafür steht an zentraler Stelle die Loyalitätserklärung, die wir im November 1945 abgegeben haben.“ Jürgensen betonte, dass er diese Aussagen nach dem Besuch der Staatsoberhäupter im Deutschen Museum Nordschleswig gemacht habe.

Museum gut besucht

Das erweiterte Museum werde außer von den prominenten Gästen erfreulicherweise von vielen Menschen besucht und ergänze die Ausstellungen im Schloss Sonderburg bestens. „Wir können nicht vor unserer Geschichte davonlaufen“, so Jürgensen und wies auch auf den Einsatz hin, den Knivsberg mit seiner Bildungsstätte als historischen Lernort zu nutzen, wo die einstige Jugendherberge heute als „Haus Knivsberg“ erstrahle.

1920-Gedenken: Blick auf die Zukunft fehlte

Jürgensen lieferte auch einige kritische Anmerkungen zu den offiziellen dänischen Feierlichkeiten anlässlich der Volksabstimmungen und der Grenzziehung vor 100 Jahren. Im Mittelpunkt standen der Ritt des Königs über die alte Grenze und die „Wiedervereinigung“.

Der deutsche Botschafter in Dänemark, Pascal Hector (r.), unterhielt sich während des Informationsgesprächs mit der Vorsitzenden des BDN-Kukturausschusses, Marion Petersen. Foto: Volker Heesch

 

„Es fehlte aber auch vor allem der Blick auf die Zukunft und die Beteiligung der Jugend“, so der BDN-Hauptvorsitzende, nachdem er wie bei früherer Gelegenheit an die Ungenauigkeit des Begriffs einer Wiedervereinigung hinwies. „Es war zu viel die Rede von den letzten 100 Jahren und viel zu wenig von den nächsten 100 Jahren. Wo wollen wir hin, wie wollen wir das gemeinsame Leben im Grenzland gestalten“, so Jürgensen.

 

Hoffnung auf Unesco-Anerkennung

Er äußerte sich hoffnungsfroh, dass der von deutscher und dänischer Seite gestellte Antrag auf Anerkennung des Grenzlandmodells als immaterielles Weltkulturerbe durch die Unesco bald positiv beschieden werde. Eine Aufgabe bleibe es auch, angesichts der Grenzschließungen ohne Einbeziehung der Betroffenen an der Grenze aufgrund von Beschlüssen in Kopenhagen und Berlin sich die offenen Grenzen und die Schengen-Regelungen wieder zurückzuholen.

Investitionsdefizite

Hinrich Jürgensen nutzte die Anwesenheit der deutschen und dänischen Politiker auch, um auf die sich zuspitzenden Probleme vor allem im Bildungssektor der deutschen Minderheit hinzuweisen. Viele Kindergärten und Schulen müssten neu errichtet oder renoviert werden, da die Bausubstanz oft aus den 1960er Jahren stammt. „Jeder Kindergarten ist so teuer, dass wir dafür die investiven Mittel von fast drei Jahren einsetzen müssen“, so der BDN-Hauptvorsitzende und zählte eine Reihe von Immobilien auf, bei denen es dringenden Erneuerungsbedarf gebe. Er hoffe, so Jürgensen, dass bei Gesprächen in Berlin Lösungen gefunden werden.    

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