Gesellschaft

Mehrheit sieht keine ungerechte Behandlung Grönlands

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In Grönland und Dänemark herrschen vielerorts unterschiedliche Ansichten über die gemeinsame Geschichte (Symbolbild).

Eine neue Umfrage zeigt, dass viele Däninnen und Dänen sich keiner kolonialen Schuld bewusst sind. Grönländische Stimmen fordern mehr Bildung über die gemeinsame Geschichte.

Dänemark hat Grönland historisch gesehen nicht ungerecht behandelt. Das meint die Mehrheit der Däninnen und Dänen in einer neuen Meinungsumfrage.

Obwohl die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (Sozialdemokratie) vor laufender Kamera eingeräumt hat, dass es „dunkle Kapitel“ in der Beziehung zwischen Dänemark und Grönland gibt, sieht die dänische Bevölkerung keine koloniale Ungerechtigkeit.

Die meisten Däninnen und Dänen sind der Ansicht, dass ihr Land Grönland im Laufe der Zeit fair behandelt hat.

Das zeigt eine neue Meinungsumfrage von „Voxmeter“ im Auftrag der Nachrichtenagentur „Ritzau“. Befragt wurden 1.022 Personen zwischen dem 12. und 16. Februar.

Demnach sind 54,8 Prozent der Befragten der Meinung, dass Dänemark Grönland im Allgemeinen überwiegend gerecht behandelt hat. 25,8 Prozent sehen dies anders und halten die dänische Politik für ungerecht. 19,4 Prozent sind unentschlossen.

Unterschiedliche Geschichtsbilder

Die Zahlen verdeutlichen eine tiefe Kluft zwischen dänischer und grönländischer Wahrnehmung, sagt Ulrik Pram Gad, Seniorforscher am Dänischen Institut für Internationale Studien.

„Das stellt das Reichsgemeinschaftsverhältnis vor eine große Herausforderung, denn Grönländerinnen und Grönländer sowie Däninnen und Dänen haben völlig unterschiedliche Erfahrungen mit den vergangenen 300 Jahren Geschichte“, so der Historiker. Die Umfrage zeige, dass beide Völker nicht dieselbe historische Erzählung teilen.

Aaja Chemnitz, grönländisches Folketingsmitglied der Partei Inuit Ataqatigiit (IA), sieht darin ein klares Signal: „Das zeigt, dass es mehr Aufklärung über Dänemarks koloniale Vergangenheit und die erlittenen Ungerechtigkeiten braucht.“

Anerkannte Ungerechtigkeiten – doch Bildungslücken bleiben

Die dänische Regierung hat in der Vergangenheit bereits einzelne Verfehlungen gegenüber Grönland eingeräumt.

So entschuldigte sich Ministerpräsidentin Mette Frederiksen offiziell bei den sogenannten „Experimentkindern“ (eksperimentbørn). Diese wurden in den 1950er-Jahren ihren grönländischen Familien entrissen und nach Dänemark gebracht, um dort dänisch erzogen zu werden. Die Betroffenen erhielten eine Entschädigung.

Weitere Anerkennungen könnten folgen. Aktuell läuft eine historische Untersuchung der dänisch-grönländischen Beziehungen. Dabei wird unter anderem die sogenannte „Spiralkampagne“ untersucht, bei der mehreren grönländischen Frauen ohne ihr Einverständnis Spiralen zur Empfängnisverhütung eingesetzt wurden.

Aaja Chemnitz sieht in den Umfrage-Ergebnissen ein Bildungsdefizit in Dänemark: „Auffällig ist, dass andere Untersuchungen zeigen, dass bis zu 70 Prozent der dänischen Jugendlichen keinen Unterricht über Grönland erhalten haben.“