Analyse

„Pissedårlig“ Praxis? – Vertrauenskrise auch in Hadersleben

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Das UC Syd hat etwa 600 Beschäftigte und ist die größte Ausbildungsstätte in Südjütland. Auf dem Foto ist der Campus in Hadersleben zu sehen. Hauptsitz ist Esbjerg. Nach eigenen Angaben hat das UC Syd etwa 5.000 Studierende an seinen fünf Niederlassungen.

Am „University College Syd“ in Hadersleben herrscht Krisenstimmung. Mitarbeitende kritisieren in einer Umfrage mangelndes Vertrauen in die Direktion, intransparente Kommunikation und fehlende Einbeziehung. Brisant: Die Probleme spiegeln just jene Schwächen wider, die UC-Syd-Rektor Alexander von Oettingen in seinem Buch „Pissedårlig Ledelse“ analysiert hat.

Die Ergebnisse der Arbeitsplatzbewertung (APV) am „University College Syd“, der größten Bildungseinrichtung Südjütlands, mit Schwerpunkt auf der Lehrerausbildung in Hadersleben, verdeutlichen grundlegende Defizite in der Führungskultur.
Gerade einmal 18 Prozent der Befragten äußerten Vertrauen in die Direktion, während 44 Prozent ausdrücklich das Gegenteil angaben.

Alarmierend ist die Bewertung der 34 befragten Mitarbeitenden, wenn es um Zusammenarbeit, Vertrauen und Respekt geht: In Hadersleben vergaben sie lediglich 1,6 bis 1,8 von 5 möglichen Punkten bei den verschiedenen Parametern.

Diese Kritikpunkte decken sich auffällig mit Themen, die Alexander von Oettingen, Rektor des UC Syd, als Co-Autor in der Streitschrift „Pissedårlig Ledelse“ (Grottenschlechter Führungsstil) thematisiert. Darin plädiert Mitautor von Oettingen dafür, schlechten Leitungsstil nicht zu tabuisieren. Mehr noch: Er ruft Führungskräfte zur Selbstreflexion und Kritikfähigkeit auf.

Kollision zwischen Theorie und Realität

Alexander von Oettingen ist Rektor des UC Syd und hat 2020 als Co-Autor ein Buch veröffentlicht, in dem es um grottenschlechte Führung geht – und was man dagegen tun könnte.

Soweit die Theorie. Während das Buch ambitionierte Ansätze für eine bessere Führungskultur liefert, offenbart sich in der Praxis ein anderes Bild, wie der aktuelle APV-Rapport mit Fokus auf der Haderslebener Lehrerausbildung offenbart.

Aus den Antworten der dort Beschäftigten geht hervor, dass der Rektor und seine Direktion die konstruktiven Ansätze von „Pissedårlig Ledelse“ längst nicht zur Zufriedenheit aller vor Ort umgesetzt haben. Im Gegenteil. So bewerten gerade einmal 26 Prozent die Kommunikation der Führungsetage als verständlich.

Vertrauen in Hadersleben erreicht Tiefpunkt

Mit Blick auf die direkten Vorgesetzten der Befragten sieht es nicht besser aus: Nur 24 Prozent stimmen der Aussage zu, dass diese eine Vertrauenskultur und Zusammenarbeit fördern.

Sowohl das UC Syd im Allgemeinen als auch Hadersleben im Besonderen haben mit Herausforderungen wie hohem Arbeitsdruck, mangelnder Transparenz bei Entscheidungen und einer Vertrauenskrise gegenüber der Direktion zu kämpfen.

Relativ hohe Zufriedenheit herrscht indes in den Bereichen Gleichberechtigung, physische Gegebenheiten am Arbeitsplatz und mit Blick darauf, sich fachlich einzubringen.

Weichenstellung im März

Während UC Syd mit Hauptsitz in Esbjerg insgesamt eine relativ hohe Zufriedenheit der Mitarbeitenden aufweist, ist die Situation in Hadersleben besorgniserregend: Das Vertrauen in die Führung hat laut der aktuellen APV in der Domstadt einen Tiefpunkt erreicht.

Ob es gelingen wird, das Vertrauen der Mitarbeitenden zurückzugewinnen, wird entscheidend für die Zukunft des Campus Hadersleben sein – erste Weichen könnten auf der Vorstandssitzung im März gestellt werden.