Flensburger Förde

Muschelfischerei: Bundesregierung schaltet sich ein

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Der Fischkutter „Thyra“ war in den vergangenen Wochen mehrmals auf der Flensburger Förde unterwegs.

Die Schleppnetzfischerei zerstört den ökologisch wertvollen Grund der Förde, warnen Naturschützende. Eine internationale Kommission soll nun über Maßnahmen beraten.

Die Muschelfischerei mit Schleppnetzen auf dem Grund der Flensburger Förde beschäftigt jetzt die Landwirtschaftsministerien in Berlin und Kopenhagen. Das Ziel ist ein einheitliches Verbot der umstrittenen Fangtechnik sowohl im deutschen als auch im dänischen Teil des Gewässers.

In den vergangenen Wochen war das dänische Fischereiboot „Thyra“ von Ekensund (Egernsund) aus mehrmals im Bereich zwischen Krusau (Kruså) und den Ochseninseln unterwegs. Naturschützende weisen auf die Bedeutung der Muschelbänke auf dem Fördegrund hin, weil sie das Wasser filtern.

Nach einem Beschluss der Ratsversammlung erteilt die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Flensburg (Flensborg) deshalb schon seit Jahren keine Genehmigungen für die Muschelfischerei im Flensburger Teil der Förde mehr. Beim Kreis Schleswig-Flensburg wurden seither keine entsprechenden Anträge mehr gestellt. Ein grundsätzliches Verbot der Muschelfischerei im deutschen Teil der Förde besteht jedoch nicht.

Dänemark hat Verbot angekündigt

In Dänemark hatte die Regierung bereits 2023 ein Verbot angekündigt. Zuletzt hieß es, es solle noch in diesem Jahr in Kraft treten, sobald Entschädigungsfragen für die betroffenen Fischenden geklärt sind.

Der Landtag in Kiel hatte Ende Januar auf Antrag des SSW die Landesregierung aufgefordert, ein Verbot der Muschelfischerei in die Wege zu leiten. Während der Beratung hatte das Landwirtschaftsministerium auf ein Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Dänemark hingewiesen, das einheitliche Fangregeln für die gesamte Flensburger Förde vorsieht. Das Verbot muss deshalb von einer gemeinsamen deutsch-dänischen Kommission vorbereitet werden.

Stefan Seidler drängt auf mehr Tempo

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt auf Nachfrage des Flensburger SSW-Bundestagsabgeordneten Stefan Seidler mitteilt, will die Bundesregierung nun den dänischen Fischereiminister Jacob Jensen (Venstre)bitten, eine entsprechende Kommission einzusetzen. Den weiteren Verlauf der Beratungen sollen dann die zuständigen Behörden in Schleswig-Holstein in eigener Verantwortung begleiten. Bisher deutet nichts darauf hin, dass der bevorstehende Regierungswechsel in Berlin an dem Verfahren etwas ändern wird.

Stefan Seidler drängt auf mehr Tempo. „Die Lage in der Flensburger Förde ist alarmierend, und Dänemark hat längst Handlungswillen gezeigt“, sagt er. „Jetzt muss Deutschland nachziehen, damit die Verhandlungen für ein Muschelfischereiverbot endlich beginnen.“