Handball

Vertragspoker startet: Knorr spricht sich für Gislason aus

Juri Knorr setzt weiterhin auf Nationaltrainer Alfred Gislason.

Befindet sich Handball-Bundestrainer Alfred Gislason auf seiner Abschiedstournee oder geht es nach der Heim-WM weiter? Was für eine Vertragsverlängerung spricht - und was nicht.

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Zusammenfassung

  • Nach zwei Testspielsiegen gegen Ägypten beginnt beim DHB der Vertragspoker um Bundestrainer Alfred Gislason nach der Heim-WM 2027.
  • Spielmacher Juri Knorr und Kapitän Johannes Golla loben Gislasons Arbeit und sehen großes Potenzial im verjüngten Team, während sich viele Mitspieler nicht klar äußern.
  • Im Verband gibt es noch keine eindeutige Tendenz für eine Verlängerung, obwohl der EM-Silberlauf Gislasons Position nach früherer Kritik deutlich gestärkt hat.

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Nicht nur mit zwei Siegen, sondern auch mit einer offenen Zukunftsfrage im Gepäck trat Bundestrainer Alfred Gislason die Heimreise an. Nach dem erfolgreichen Lehrgang inklusive zwei Testspielsiegen gegen Ägypten rückt beim Deutschen Handballbund bereits die Zeit nach der Heim-WM 2027 in den Fokus. Das Arbeitspapier des Isländers läuft nach dem Turnier aus - der Vertragspoker beginnt jetzt. 

«Ich hoffe, dass es noch weitergeht mit ihm. Ich kenne nur Alfred als Bundestrainer und bin ihm sehr dankbar für alles, was er mir ermöglicht hat. Er hat mich in sehr jungen Jahren dazugeholt und mir auch immer wieder Vertrauen geschenkt», sagte Spielmacher Juri Knorr und traute sich als einer der wenigen Nationalspieler aus der Deckung. 

Uscins: «Da werde ich keine Antwort geben»

Der Großteil seiner Teamkollegen wollte sich in der brisanten Trainerfrage nicht äußern. Er könne sich zwar absolut vorstellen, weiter unter Gislason zu spielen, «aber das ist sicherlich nicht meine Entscheidung», befand etwa Rückraumspieler Miro Schluroff. Renars Uscins sagte: «Da werde ich keine Antwort geben».

Der DHB will definitiv noch vor der Heim-WM Klarheit schaffen. «Der Prozess wird jetzt in Gang gesetzt», hatte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes angekündigt und «spannende Monate» prophezeit. Eine feste Frist nannte Meckes nicht - «aber es muss eine gute WM-Vorbereitung möglich sein.»

Gislason will Bundestrainer bleiben

Dass der ganz große Gold-Coup auch unter Gislason bislang nicht gelang und Dänemark weiter vorauseilt, könnte ein Argument der Kritiker sein. Auch, dass es nach wie vor Leistungseinbrüche wie bei der EM gegen Serbien gibt. 

Befürworter könnten dagegen halten, dass die deutsche Riege unter dem 66-Jährigen eine äußerst erfolgreiche Ära erlebt. Der Isländer, der seit Februar 2020 im Amt ist, führte seine Wahlheimat sensationell zu Olympia- und EM-Silber. Der Traum von Gold soll sich dann bei der Heim-WM erfüllen.

«Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich erst einmal nicht aufhören möchte mit Handball nach der Weltmeisterschaft und gerne mit dieser Mannschaft weiterarbeiten würde», sagte Gislason, der einen Umbruch im Team vor Jahren nicht nur eingeleitet, sondern auch erfolgreich vollendet hat. 

Kapitän Golla: «Das spricht für eine gute Zusammenarbeit»

Spieler wie Knorr, Miro Schluroff, Julian Köster und Renars Uscins feierten unter dem oft etwas mürrisch wirkenden Nordeuropäer ihr Debüt. Inzwischen sind sie aus dem Kader nicht mehr wegzudenken.

«Es ist eine Mannschaft, die unheimlich viel Potenzial hat und wir kommen dem Ausschöpfen des Potenzials immer näher», befand Kapitän Johannes Golla und betonte Gislasons großen Anteil an dieser Entwicklung. «Wir haben zwei Spiele gegen Ägypten gewonnen mit einer durchwachsenen Leistung, mit der wir nicht ganz zufrieden sind. Das zeigt schon, dass wir mittlerweile ein anderes Selbstverständnis haben. Das spricht für eine gute Zusammenarbeit.»

Gislason stand schon im Januar vor dem Aus

Dass nicht jeder der Spieler oder Mitglieder der Führungsriege eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit über den Winter hinaus wollen, ist bekannt - auch wenn das öffentlich niemand bestätigen würde. Eine klare Tendenz im Verband pro Gislason scheint es Stand jetzt nicht zu geben. Der Bundestrainer dürfte sich noch ein paar Monate mit einer Position in der Warteschleife abfinden müssen.

«Wir versuchen, aus der Zeit mit Alfred das Beste zu machen. Wir versuchen den Weg, den wir jetzt gemeinsam eingeschlagen haben, so lange wie möglich und so erfolgreich wie möglich weiterzugehen», erklärte Golla und bemühte dann die Floskel einiger Teamkollegen: «Es ist keine Spielerentscheidung».

Schon bei der EM im Januar stand Gislason kurz vor dem Aus. Nach der Niederlage gegen Serbien und dem drohenden Vorrunden-Aus hatten ihn viele bereits abgeschrieben. Der anschließende Silberlauf der deutschen Mannschaft war jedoch ein klares Signal an seine Kritiker.