Bevölkerung

Zuzügler an andere Zugezogene: Integriert euch!

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Mit dem Job in der Tønder Sparekasse hat Mathias Güthe das Gefühl, in Dänemark angekommen zu sein.

Als Mathias Güthe vor drei Jahren von Eutin in die Nähe von Tondern gezogen ist, hat er sich vorgenommen, so schnell wie möglich Dänisch zu lernen. Er hat erlebt, dass das bei der Mehrheitsbevölkerung gut ankommt. Jetzt möchte er seine Erfahrungen an neue Zugezogene aus Deutschland weitergeben.

Für Mathias Güthe erfüllte sich ein jahrelanger Traum, als er mit seiner Frau und deren Tochter 2022 von Eutin nach Seth (Sæd) zog. Er konnte ein wenig Dänisch, aber für ihn war von Anfang an klar, dass er die Sprache richtig lernen wollte.

„Für mich ist es unter anderem eine Frage des Respektes“, sagt er im Telefonat mit dem „Nordschleswiger“.

Doch es geht noch etwas tiefer. Er hatte sich von Anfang an vorgenommen, Teil der dänischen Gesellschaft, der Gemeinschaft zu werden.

„Es soll ein richtiges Auswandern sein, und nicht nur so ein halbes“, meint Güthe.

Für dieses richtige Auswandern hatte er sich ein Ziel gesetzt, auf das er systematisch hingearbeitet hat. Der Bankangestellte wollte in einem dänischen Betrieb arbeiten. Am 1. April hat er dieses Ziel erreicht.

Erste dänische Gehversuche als Tourist

Doch bevor wir näher darauf eingehen, muss erst erklärt werden, warum er bereits beim Umzug ein wenig Dänisch beherrschte. Die regelmäßigen Urlaube in Dänemark hatten ihn dazu angeregt, erste Sprachkurse zu belegen.

„Ich empfand es als regelrecht abstoßend, wenn Touristinnen und Touristen mit der Erwartungshaltung irgendwo hineingingen, dass jeder Deutsch sprechen muss.“

Dänisch auf der Arbeit

Nach dem Umzug bewarb Güthe sich für die kostenlosen Dänischkurse, die allen Menschen, die nach Dänemark ziehen, zustehen.

„Mir fiel es leicht, Dänisch zu lernen, meine Frau tat sich etwas schwerer.“

Der Grund dafür, dass es ihm leichter fiel: Güthe hatte gezielt seinen deutschen Arbeitgeber gewechselt und arbeitete jetzt für die Unionbank, wo die Hälfte seiner Kundschaft Däninnen und Dänen waren. So konnte er die Sprache in der Praxis üben.

„Es ist schwierig, eine Sprache zu lernen, wenn man es nur in der Schule macht.“

Güthe ging in dänische Vereine

Auch in seiner Freizeit war und ist er bestrebt, die Sprache und Kultur seiner neuen Heimat kennenzulernen. Er ist in dänischen Vereinen aktiv.

Seine Erfahrungen sind, dass es positiv ankommt, wenn man einfach Dänisch mit den Leuten spricht. Man brauche sich keine Sorgen zu machen, wenn die Grammatik ein wenig verrutscht und der Akzent die Herkunft verrät.

„Man wird nicht ausgelacht. Ich habe das zumindest nie erlebt, nur Freude darüber, dass man es versucht.“

Am Ziel mit dem Job in der Sparkasse

Bereits kurz nach seinem Umzug hat er versucht, sein Ziel von einem dänischen Arbeitgeber zu erreichen. Er hat sich bei der Tønder Sparekasse beworben. Damals hat er die Stelle nicht bekommen. Im Rückblick ist Güthe klar, dass seine Sprachkenntnisse nicht ausgereicht haben, um Telefonate mit Kundinnen und Kunden zu führen.

Er ist selbst Kunde in der Sparkasse. Zum Jahreswechsel erhielt er einen Brief, dass sein Kundenberater nicht mehr in der Bank sei, und man sich bemühen würde, einen neuen zu finden. Güthe bewarb sich – und seit 1. April kann er „Privatrådgiver, Tønder Sparekasse“ auf seine Visitenkarte schreiben.

„Als feststand, dass die Stelle mir gehört, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Für mich gehört es zusammen: hierherziehen, die Sprache lernen, in Vereine eintreten und am Ende auch hier arbeiten.“

Mathias Güthe mit seiner Kollegin Ulla Svane, die ihm hilft, sich einzuarbeiten.

Erfahrungen weitergeben

Jetzt möchte er seine Erfahrungen an andere weitergeben. Er ist am 1. Juni beim jährlichen Zuzüglerbrunch der Kommune Tondern dabei. An Tischen sitzend, können frisch Zugezogene eine Person befragen, die bereits länger in Dänemark wohnt.

„Ich möchte ihnen erzählen, dass sie versuchen sollen, Teil des Ganzen zu werden, und nicht nur herziehen sollen, weil die Häuser billig sind.“

Mit seiner Aufforderung, sich zu integrieren, liegt er auf der gleichen Linie wie Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Minderheit in Nordschleswig. So hat auch Tonderns Bürgermeister, Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei, betont, dass Dänisch-Kenntnisse „die Türen zur Gesellschaft“ öffnen würden.

Güthe wird sich im September auch in Apenrade (Aabenraa) an einer Veranstaltung für Zugezogene beteiligen. Dem Zuzüglerservice der Kommune Tondern hat er mitgeteilt, dass sie ihn gerne einsetzen können. Denn, wie er gelernt hat, die freiwillige Arbeit ist Teil der dänischen Kultur.

„Man ist ja hier, weil man das Land gewählt hat, und dann gehört es einfach dazu, dass man sich integriert.“

Mathias Güthe lebt jetzt mit seiner Familie in Hoyer (Højer).