Kommentar

„Tondern: Die Kommunalwahl spukt hinter den Kulissen“

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Venstre-Politiker verfolgten am Wahlabend im November 2021 ungläubig die schlechten Resultate ihrer Partei (Archivfoto).

Die Selbstauflösung der Borgerliste zur Stärkung der Venstre-Fraktion kam in der vergangenen Woche für viele politisch Interessierte überraschend. Die Entscheidung ist ein Vorbote der Kommunalwahl im November 2025. Was bedeutet dies für die Wiedereroberung des Bürgermeisteramts von Jørgen Popp Petersen?

Hinter den Kulissen stecken die Parteien in Tondern schon ihre Köpfe zusammen. Sie bereiten sich auf die Kommunalwahl im November dieses Jahres vor.

Die Aufgabe der Einheitsliste mit dem unermüdlichen Baltser Andersen als Spitzenkandidat sorgte für die erste kleine Überraschung im Vorfeld der Wahl.

Größer war das Erstaunen zur proklamierten Auflösung der Borgerliste mit Thomas Ørting Jørgensen als stärkster Trumpf. Lange hat er sich Zeit gelassen mit der Bekanntgabe, ob er auch bei dieser Wahl wieder kandidiert. Er wollte damit auch ein bisschen Spannung aufbauen. Dahinter hat etwas ganz anderes gesteckt: die Verhandlungen über die Auflösung und den Anschluss an die Venstre-Fraktion zur Bündelung der Kräfte.

Damit findet die bei der Wahl 2021 arg gebeutelte Venstre zu alter Stärke mit neun Mandaten zurück. Die mit dem Bruch des geschassten damals amtierenden Bürgermeisters Henrik Frandsen wieder auf sechs Mandate schrumpfte.

Ob Venstre bei der kommenden Wahl die neun Mandate halten kann, wird erst der 18. November zeigen.

Die Machtverhältnisse zwischen dem linken und dem bürgerlichen Block des Tonderner Stadtrats sind bis zur Wahl unverändert. Die fünf Sozialdemokraten und der unermüdliche Einzelkämpfer Bjarne Lund Henneberg im linken Parteienspektrum stehen 25 bürgerlichen Politikerinnen und Politikern gegenüber.

Wer bekommt Frandsens Stimmen?

Interessant wird das Abschneiden der Tønder Liste bei ihrer zweiten Kandidatur. Holt sie erneut die neun Mandate auch ohne ihren Stimmenmagneten Henrik Frandsen? Er eroberte von den insgesamt 5.906 Stimmen 3.763 persönliche Stimmen. Wohin wandern seine Stimmen, und kann Bürgermeisterkandidatin Anita Uggerholt Eriksen davon profitieren?

Was bedeutet die neue Konstellation für die Schleswigsche Partei und besonders für eine mögliche Wiederwahl von Jørgen Popp Petersen als Bürgermeister, der vor drei Jahren mit 1.919 Stimmen das zweitbeste Ergebnis aller Kandidaten erzielte?

Seiner Partei wird ein Gewinn von mindestens einem Mandat zugetraut. Bei der Konstituierung reichen wie heute vier SP-Mandate bei Weitem nicht aus.

Vor drei Jahren standen Ørting und Co. sowie Venstre Seite an Seite mit den anderen Parteien (ausgenommen war zunächst die von Frandsen gegründete Liste), Popp zum neuen Bürgermeister zu küren. Bei diesem Manöver gelang es, dieses Ziel hinter verschlossenen Türen zu erreichen. Für die Frandsen-Liste wurde keine Tür geöffnet.

Wahlschlappe für Venstre

Henrik Frandsen (l.) und Anita Uggerholt Eriksen (Mitte) erzielten mit der Tønder Liste ein großartiges Ergebnis. Bürgermeister wurde Frandsen dennoch nicht (Archivfoto).

Venstre-Bürgermeisterkandidat Martin Iversen gab vor drei Jahren bei der Wahlschlappe seiner Partei eigene Ambitionen auf, um einen Machtwechsel herbeizuführen. Seine auf sechs Mandate geschrumpfte Partei stimmte für Jørgen Popp Petersen.

Bei einer unveränderten Mandatsverteilung könnte Popp Petersen vielleicht nicht mehr auf die Unterstützung von Venstre bauen. Doch auch die Liste V müsste Bündnispartner finden, bevor Martin Iversen zum neuen Stadtoberhaupt ausgerufen werden kann.

Torben Struck aus der sozialdemokratischen Fraktion hat die undankbare Rolle übernommen, für seine Partei als Bürgermeisteranwärter zu kandidieren. Er wird es aller Voraussicht nach nicht schaffen, diesen Posten zu erobern. Das tat nicht einmal der populäre ehemalige Bürgermeister von Hoyer, Peter Christensen, der ein Stimmenmagnet war und auch bürgerliche Stimmen zog.

Reif für die erste Bürgermeisterin

Schließlich überwiegen die Wählerinnen und Wähler von bürgerlichen Parteien in der Kommune Tondern als frühere Venstre-Hochburg. Unmittelbar werden die kleineren Parteien den Ausschlag geben und Farbe bekennen, wem sie ihre Stimme geben.

Jetzt, wo Henrik Frandsen als Reizfigur nur noch hinter den Kulissen agiert, weil er für die Moderaten im Folketing genug an der Hacke hat, könnten die anderen Parteien auch Uggerholt Eriksen das Vertrauen schenken. Aber ist man in Tondern reif für die erste Frau im Bürgermeisteramt?

Im November sitzen in der Wahlnacht auch andere Spielerinnen und Spieler und vielleicht auch neue Parteien am Tisch. Vielleicht schaffen die Dänemarkdemokraten von Inger Støjberg oder/und die Moderaten den Sprung in den Stadtrat.

Es wird wieder einmal ein Krimi aus dem Westen.