Kommunalpolitik

Tondern: Borgerlisten löst sich auf und steigt bei Venstre ein

Veröffentlicht Geändert
Bei der Kommunalwahl 2021 war Thomas Ørting Jørgensen der Bürgermeisterkandidat von Borgerlisten (Archivfoto).

Parteigründer Thomas Ørting Jørgensen und seine Gefolgsleute verstärken die Venstre-Fraktion um Bürgermeisterkandidat Martin Iversen. Damit kehren frühere Venstre-Mitglieder in den Heimathafen zurück.

Die politische Landschaft in der Kommune Tondern hat sich über Nacht schlagartig verändert. Borgerlisten mit Gründer Thomas Ørting Jørgensen an der Spitze hat sich aufgelöst und schließt sich der Venstre-Fraktion an.

Zählte Venstre bei der Kommunalratssitzung am Dienstagabend noch sechs Mitglieder, sind es am Mittwoch neun. Das entspricht der Anzahl der Sitze vor der Kommunalwahl 2021. Mit dem Zuwachs von drei Politikern ist die Venstre-Fraktion ebenso groß wie Tønder Listen.

Die Auflösung wird damit begründet, dass die 2017 gegründete Partei ihre Ziele erreicht hat und die Zeit für das Bündeln von politischen Kräften reif sei.

„Wir können mit Stolz und Freude sagen, dass unsere Mission erfüllt ist. Wir haben den ganzen Kommunalrat bezüglich der grünen Agenda bewegt. Unser Abdruck ist in der geführten Politik und der Priorisierung deutlich“, teilt Ørting Jørgensen in einer Pressemitteilung mit.

Zurück zu den Partei-Wurzeln

Die Entwicklung von Borgerlisten

• Die Parteibezeichnung Borgerlisten stand im November 2017 das erste Mal auf den Wahlzetteln.
• Die Liste bekam 939 Stimmen, und Thomas Ørting Jørgensen wurde gewählt.
• Im April 2021 wechselte Venstre-Mann Allan Skjøth zu Borgerlisten.
• Bei der Kommunalwahl 2021 erzielte die Partei 1.509 Stimmen.
• Außer Ørting Jørgensen und Skjøth wurde als landesweit jüngstes Stadtratsmitglied Ørtings Sohn, Carl Thier Ørting Jørgensen, gewählt.
• Er verließ den Kommunalrat Ende August 2024, um in Kopenhagen zu studieren.
• Für ihn rückte Anton Schulz nach. Schulz kandidiert nicht wieder.
• Anton Schulz vertrat in den 1990er-Jahren im damaligen Stadtrat in Lügumkloster (Løgumkloster) Venstre.

Venstre-Bürgermeisterkandidat Martin Iversen (2. v. l.) freut sich über den Zuwachs von Borgerlisten mit Thomas Ørting Jørgensen, Allan Skjøth und Anton Schulz. Unterstützung gibt es auch von der Stellvertreterin von Borgerlisten, Neel Rudebeck.

Die Zeit würde das Bündeln von Kräften und Zusammenarbeit erfordern. „Weder in Tondern oder Dänemark noch in Europa ist es mit mehreren Fraktionen zweckmäßig“, so Ørting Jørgensen. Ørting, der im Herbst wieder kandidiert, unterstützt die Bürgermeisterkandidatur von Venstre-Mann Martin Iversen.

Stadtratspolitiker Iversen freut sich, dass frühere Venstre-Leute zu ihren politischen Wurzeln zurückkehren. Sowohl Allan Skjøth als auch Anton Schulz haben eine Vergangenheit bei Venstre.

„Ich bin im Geiste von Venstre aufgewachsen, und nun kehre ich nach Hause zurück“, sagt die Stellvertreterin von Borgerlisten, Neel Rudebeck. Für sie sei in der Lokalpolitik das persönliche Vertrauen entscheidend.

Die Kandidatin von Borgerlisten, Neel Rudebeck, am Wahlabend im November 2017 mit Thomas Ørting Jørgensen und dem Stadtratsvertreter der Schleswigschen Partei, Jørgen Popp Petersen. Popp wurde wiedergewählt, und Ørting schaffte den Sprung in den Stadtrat (Archivfoto).

„Als ich mich vor acht Jahren Borgerlisten anschloss, ging es um mein Vertrauen in Thomas Ørting als möglichen neuen Bürgermeister. Und auch um die Kernthemen“, so Neel Rudebeck.

Ørting sei jetzt nicht mehr Bürgermeisterkandidat, und Borgerlisten habe das Ziel erreicht. Die Tochter des im Mai 2016 verstorbenen Venstre-Bürgermeisters Laurids Rudebeck strebt im Herbst ein Stadtrats-Mandat an.

Venstre und Tønder Listen

• Die sechsköpfige Tønder Listen mit Bürgermeister Henrik Frandsen an der Spitze entstand im Oktober 2020.
• Die Spaltung erfolgte im Kielwasser von internen Differenzen in der damaligen 16-köpfigen Venstre-Fraktion.
• Bis April 2021 hatte Tønder Listen sechs Mitglieder und Venstre zehn Mitglieder im Stadtrat.
• Dann verlor Venstre ein Mandat, da Allan Skjøth zu Borgerlisten wechselte.
• Bei der Kommunalwahl 2021 erzielte Tønder Listen mit Stimmenmagnet Frandsen 5.906 Stimmen.
• Am 1. Februar 2024 zog sich Frandsen aus der Lokalpolitik zurück und konzentriert sich seither ausschließlich auf sein Folketingsmandat für die Moderaten.
• Ruben Baagøe Jacobsen rückte für ihn nach.
• Für Venstre entwickelte sich die Wahl 2021 mit einem Rückgang um 5.958 Stimmen auf 3.472 Stimmen zu einem Desaster.
• Die Gruppe mit Bürgermeisterkandidat Martin Iversen an der Spitze reduzierte sich von neun auf sechs Mandate.