Freizeit

Kuchenfestival: Sort-Sol-Torte aus Apenrade schmeckte der Jury am besten

Veröffentlicht Geändert
Rikke Thomsen serviert die Gewinnertorte.

Nordseeluft mit Sahne: Tondern wurde am Sonntag zum Paradies für Leckermäuler. Die Starenschwärme (sort sol) waren das beliebteste Motiv, ein Fernsehmoderator verstand kein Wort von der Rede des Bürgermeisters und ein junger Kuchenfreund aus Stuttgart kam voll auf seine Kosten.

Ein Hauch von Wattenmeer lag über allen sieben Torten, die am Sonnabend beim fünften Kuchenfestival in Tondern bei strahlendem Sonnenschein präsentiert wurden.

Die Jury entschied, dass Anne Nielsen aus Apenrade (Aabenraa) mit ihrer Sort-Sol-Kreation den Titel als Dänemarks Tortenmeisterin oder -meister mit nach Hause nehmen durfte. Ihre Mitstreiterinnen kamen aus Tondern, Hoyer (Højer), Apenrade, Scherrebek (Skærbæk) und Bülderup-Bau (Bylderup Bov).

Die Titelanwärterinnen waren neben Anne Nielsen Lillian Harboe, Inger Marie Jeppesen, Kristina Bendtsen, Lana Jakobsen (sie siegte 2023), Debby Hargeerds-Reiker und Jane Boes mit Tochter Marie. Auf gleich drei Torten waren die fliegenden Starschwärme mit Schokokrümeln auf der Deckschicht abgebildet.

Besonders begeistert war die Jury vom Tortenboden von Anne Nielsen. Dafür hatte sie einen Mix aus Cashew- und Haselnüssen, Puffreis, Honig und Salzkaramell gewählt.

Auf gewohnt muntere und fachkundige Art moderierte der aus der dänischen Fernsehsendung Den Store Bagedyst (Das große Backen) bekannte Markus Grigo das Geschehen auf der Bühne. Er fragte auch zwei Jungen, die ganz vorn standen, woher sie kommen. Aus Sonderburg, meinte einer der Knirpse keck, worauf Grigo sich quasi selbst zum Kaffeetrinken mit den Eltern einlud, da er am Sonntag in Sonderburg war. Das war dem jungen Sonderburger jedoch nicht ganz geheuer (Det ved jeg nu ikke), entgegnete er.

„Wassertorte“ mit den Tiefen der Nordsee und Queller als essbare, salzige Dekoration
Torte in Erinnerung an den verstorbenen Jens Rosendal

Grigo trat bereits zum dritten Mal als Moderator auf. „Ich finde es super gemütlich hier. Das Wetter ist noch besser als 2024. Ihr werdet mich also nicht los“.

Sein Deutsch sei aber nach 30 Jahren in Dänemark kaum so gut mehr wie früher. Von der von Bürgermeister Jørgen Popp Petersen auf Sønderjysk vorgetragenen Begrüßung habe er auch nicht viel verstanden, räumte Grigo ein.

Die Jury

Die Jury 2025 mit Moderator Markus Grigo (2. v. l.): Steffen Snitgaard, Jørgen Popp Petersen, Johan Kulmbach, Mie Grydholt Andersen und Oberschiedsrichterin Rosa Kildahl, die einen Tag länger in Tondern übernachtete und sich ein Hotelzimmer gemietet hatte (v. l.). „Ich will ja schließlich Spaß haben, wenn ich schon mal da bin“, meinte sie gut gelaunt.

Das Stadtoberhaupt bezeichnete den Tag des Backfestivals wohl als den süßesten in Tondern. Er dauerte nur einen Tag, das Musikfestival vier. Umgekehrt wäre es wohl im Hinblick auf die schlanke Figur weniger gut gewesen.

Der gertenschlanke und durchtrainierte Politiker verzichtete aufgrund seines Amts als Juror bei der Tortenschlacht an einer 120 Kilometer langen Radtour entlang der Westküste teilzunehmen. Popp Petersen geht wie im Vorjahr erneut beim Wohltätigkeit-Fahrradwettbewerb an den Start und ist Teil der Rynkeby-Teams, das von Dänemark nach Paris für einen guten Zweck radelt. Am Sonntag hat er vermutlich seine Kaloriereneinnahme vom Vortag bei einem halben Marathon wieder wettgemacht.

Die Torten musste auch Bürgermeister Jørgen Popp Petersen fotografieren.

Als Kuchenarchäologe in die Torte graben

Juror beim Kuchenfestival zu sein, sei eine sehr angenehme Aufgabe. „Man gelangt fast ins Paradies und fühlt sich als Kuchenarchäologe, wenn man sich durch die Torten gräbt“, lachte er, bevor mit der Kuchengabel als Werkzeug gegraben wurde.

„Die Teilnehmerinnen haben Torten von sehr hohem Niveau kreiert. Das scheint so, als wenn ihr richtig oft Den store Bagedyst gesehen habt“, lobte Grigo. Als Garnituren und Zutaten waren unter anderem die Wattenmeer-Pflanze Queller, Sanddorn und Hagebutte gewählt worden. Damit wurde die Bedingung nach einem Hauch vom Wattenmeer erfüllt. Die Torten glichen gemalten Kunstwerken von der Westküstennatur.

Mit Kalorien gut gesättigt war nicht nur das Schiedsgericht. In der Fußgängerzone sah man viele Passantinnen und Passanten mit Frischhalteboxen gefüllt mit Kuchen bei strahlendem Sonnenschein flanieren. Sie hatten sich einen Gutschein gekauft, mit dem sie sich mit Kostproben der bekannten nordschleswigschen Kaffeetafel (sønderjyske kagebord) eindecken konnten.

Dieses hat auch eine fünfköpfige Gruppe aus Stuttgart, Hamburg und Nordfriesland getan. Mutter Wiebke, Tochter Levke und Sohn Carsten sowie die Schwiegerkinder Kim und Melina besuchten das Kuchenfestival. Die beiden Pärchen hielten sich zu verlängerten Osterferien bei der Mutter bzw. Schwiegermutter in Horsbüll (Horsbøl) auf.

Schwiegersohn Kim aus Stuttgart hat schon seit drei Jahren davon gesprochen, bei einem Familienbesuch auch zum Kuchenfestival zu fahren. Er esse gerne süße Sachen, verriet er. „In diesem Jahr haute es hin und ich bin positiv überrascht“.

Anne Nielsen (Bildmitte) machte mit ihrer Tortenkreation das Rennen. Links die Oberschiedsrichterin Rosa Kildahl und rechts: Moderator Markus Grigo
Die Familie aus Hamburg, Horsbüll und Stuttgart: Kim und Levke (r.) aus Stuttgart, Carsten (vorne) und Melina aus Hamburg und Wiebke aus Nordfriesland

Genug Kuchen auch für die Heimreise

Die Familie begnügte sich nicht mit einem Gutschein. Jeder füllte seine Boxen. „Wir mussten sogar Dosen dafür kaufen, so viel Kuchen gab es“, strahlte Kim. So habe man genug für die Heimreise nach Stuttgart und für das andere Paar nach Hamburg. Einen Favoriten könne er noch nicht ausmachen, meinte Kim. Das konnte dafür seine Schwiegermutter: das dänische Wienerbrot.