Natur und Umwelt

Für Schnäpel, Lachs und Co: Startschuss für die Faunapassage

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Beim ersten Spatenstich für den neuen Flussverlauf in Jündewatt kam schweres Gerät zum Einsatz.

Was lange währt, wird endlich gut: In Scharen kamen Interessierte nach Jündewatt, um den ersten Spatenstich für einen neuen Flusslauf um die Wassermühle mitzuverfolgen. Er soll Fischen eine freie Passage in Laichgebiete ermöglichen. Für Biologe Torben Hansen ist das Projekt etwas ganz Besonderes.

Seit mehr als 20 Jahren steht in der Kommune Apenrade (Aabenraa) eine freie Passage für Fische an der Jündewatter Mühle auf der Wunschliste. Entsprechend viele kamen am Dienstagnachmittag nach Jündewatt, um den ersten Spatenstich für den neuen Verlauf der Süderau mitzubekommen und mitzufeiern.

Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik, der Verwaltung, des Naturschutzverbandes, der Landwirtschaft und der örtlichen Sportangelvereine wollten sich den symbolischen Akt nicht entgehen lassen.

„Wenn jeder eine Schaufel mitgebracht hätte, könnten wir das Projekt ja fast fertig machen“, meinte Stadtratspolitiker Erwin Andresen von der Schleswigschen Partei scherzhaft zum „Nordschleswiger“.

Da es sich um ein großes Naturprojekt handelt, kam kein Handspaten und auch keine Schaufel beim ersten Spatenstich zum Einsatz, sondern ein großer Bagger.

Zum ersten Spatenstich wurde eine Infotafel über das Naturprojekt in Jündewatt mitgebracht.

Erik Uldall Hansen (Sozialdemokraten), Vorsitzender des Ausschusses für nachhaltige Entwicklung, war es vorbehalten, den Bagger für den ersten Bodenaushub zu bedienen. Zur Erleichterung der vielen Gäste hatte er sich kurz vorher einweisen lassen.

Zuvor hatte er seine Freude zum Ausdruck gebracht, dass die Passage für Fische und insbesondere für den bedrohten Schnäpel endlich geschaffen wird. Über 100 Kilometer Gewässer seien nun zusätzlich für Laichfische erreichbar, sagte Uldall.

Letzte Amtshandlung für Biologe Torben

Ausschussvorsitzender Erik Uldall Hansen (l.) freute sich in seiner Spatenstich-Ansprache, dass für Fische endlich bald an der Jündewatter Mühle vorbeikönnen.

Aufmerksamer Beobachter des Treibens und Ansprechpartner bei der Zeremonie war Torben Hansen, Biologe der Kommune Apenrade.

Für den Gewässerexperten ist die Faunapassage in Jündewatt eine Herzensangelegenheit und Punktlandung zugleich. Hansen wechselt im August beruflich zum dänischen Sportanglerverband, wo er sein Wissen einbringen wird.

„Ich hoffe, das Projekt in Jündewatt noch mit abschließen oder zumindest noch lange begleiten zu können. Die Arbeiten könnten sich bis Oktober hinziehen, aber vielleicht sind wir auch im August schon durch. Das würde ja gut passen“, so der Biologe.

Die größten Teiletappen seien das Anbringen von Spund-Trennwänden am Mühlensee, der erhalten bleibt, und der Bau einer Brückenkonstruktion am neuen Flusslauf am Julianehåbvej.

Torben Hansen, Biologe und Gewässerexperte bei der Kommune, ist treibende Kraft bei der Planung und Umsetzung des Projekts in Jündewatt.

Die Investitionssumme liegt bei rund 20 Millionen Kronen. Der Löwenanteil kommt vom europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds und vom dänischen Staat. Die Kommune Apenrade „steuert in erster Linie praktische und administrative Hilfe bei“, so der Ausschussvorsitzende Erik Uldall Hansen am Rande des Spatenstichs.

Das Stauwerk an der Süderau in Jündewatt ist in den Gewässerregionsplan (vandområdeplan) 2021–2027 zur Verbesserung der dänischen Gewässer eingearbeitet worden. Der Aufstau stellt eine Barriere für die im Bach lebenden Tierarten dar, darunter auch für den stark gefährdeten Fisch Schnäpel. Ziel des Projekts ist es daher, allen Wanderfischen und anderen Arten im Fluss eine freie Passage zu ermöglichen.

Das Projekt umfasst im Wesentlichen folgende Prozesse:
• Aushub eines neuen Laufs der Süderau (ca. 1.300 Meter)
• Erosionsschutz in einem neuen Wasserlauf verlegen
• Ablage von Laichkies und -steinen
• Errichtung eines Damms gegen den Mühlensee
• Errichtung eines neuen Wasserzulaufs zum Mühlensee
• Anlegen eines neuen Sees
• Errichtung eines Überlaufbauwerks am Auslauf des Mühlenteiches (Stahlspundwände)
• Schließung des Turbinenzulaufs und des Gegenstrombereichs
• Verteilung von ca. 70.000 Kubikmetern überschüssiger Erde auf dem Gebiet nördlich der neuen Trasse
• Errichtung einer neuen Brücke am Julianehåbvej über die Süderau
• Erhöhung des Julianehåbvej und der angrenzenden Grundstückseinfahrten
• Bau einer neuen Zufahrt zum Außenbereich der Mühle

Bei dem Vorhaben wird zudem ein ca. 20 Hektar großes Naturgebiet nördlich des neuen Flusslaufs geschaffen.

Quelle: Aabenraa Kommune