Kommentar

„Visionsloses Spielverderben oder rechtzeitig auf die Bremse getreten?“

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Zwei Ausschüsse der Kommune Tondern haben in dieser Woche ein geplantes Schießzentrum bei Seth vom Tisch gefegt. Sie wollen keine weitere Planung des Projekts, das in der Bevölkerung auf großen Widerstand gestoßen ist. Die Politiker haben der Kritik Gehör geschenkt, meint Lokalredakteurin Brigitta Lassen.

Die Idee, ein modernes Schießzentrum nach internationalem Standard am Vindtvedkanal östlich von Seth zu bauen, ist nach hinten losgegangen.

Nach fast eineinhalbjähriger Diskussion hat die Kommune Stellung zum Projekt bezogen. Sowohl der Ausschuss für Klima, Wachstum und Entwicklung als auch der Ausschuss für Technik und Umwelt haben in dieser Woche entschieden, dass die Kommune die weitere Planung einstellt.

Damit haben die beiden Ausschüsse den in Seth und den benachbarten Orten auf beiden Seiten der Grenze geäußerten Widerstand nicht nur zur Kenntnis genommen. Sie haben entsprechend gehandelt und die Pläne vom Tisch gefegt.

Der in Leck wohnhafte Däne Dennis Andersen stellte im Oktober 2023 vor Bürgerinnen und Bürgern in Seth das Projekt vor. Schon damals war mehr Skepsis als Zustimmung zu verspüren, was Andersen als gesundes Zeichen wertete und mit den Plänen weiterarbeitete.

Widerstand formierte sich in 401 Unterschriften

Indes formierte sich in Seth und Umgebung der Widerstand. Unterschriften gegen das Projekt wurden gesammelt. 401 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich. Sie fürchten ein steigendes Verkehrsaufkommen, wenn Lastwagen 300.000 Kubikmeter Erde als Schutzwälle an den Vindtvedkanal karren sollen. Auch das Risiko für eine mögliche Umweltverschmutzung durch diese verunreinigte, aber vielleicht nicht hinreichend gesäuberten 300.000 Tonnen Erde und Lärmbelästigungen wurde als Argumente herangezogen.

Als Gegenaktion votierten 76 Personen für das Schießzentrum (45 Bürgerinnen und Bürger aus der Kommune Tondern und 34 Auswärtige).

Damit hat die Politik den eigenen Einwohnenden nicht nur Gehör verliehen, sondern auch unter anderem wegen des großen Widerstands eine Abfuhr erteilt.

Wird so auch in anderen Fällen verfahren, beispielsweise wenn sich ein Heer von Sommerhausbesitzenden gegen ein Badehotel in Lakolk auf Röm (Rømø) aufbäumt? Oder wiegen wirtschaftliche Aspekte höher?

Es ist verständlich, wenn sich die Feriengäste auf Röm – auch viele Auswärtige – von einem solchen Riesenbauwerk in ihrer Ruhe gestört fühlen. Sie verbringen auf der Insel aber „nur“ ihre Freizeit. Die Setherinnen und Sether sowie ihre Nachbarschaft wohnen das ganze Jahr hindurch dort, wo sie ihre Häuser gekauft oder gebaut haben.

Gute Initiative im Keim erstickt?

Den Mitgliedern der beiden Ausschüsse werden prompt Visionsarmut in der öffentlichen Diskussion vorgeworfen, da sie eine gute Initiative schon im Keim ersticken, bevor das Projekt gründlich untersucht und Fragen geklärt worden sind. Dabei hat die Kommune Tondern neue Vorschläge nötig.

Diesem Vorwurf kann frei nach dem geflügelten Wort von Dänemarks berühmten Schiffsreeder Mærsk Mc-Kinney Møller begegnet werden: rechtzeitige Vorkehrung (rettidig omhu). Warum beide Seiten unnötig lange auf die Folter spannen?

Die Gegnerinnen und Gegner, die um die Lebensqualität ihrer Dörfer fürchten oder Projektmacher Dennis Andersen, dem unmissverständlich zu verstehen gegeben worden ist, dass die Kommune den gewählten Standort nicht will. Aber es wird auch darauf hingewiesen, dass es innerhalb der Kommune Tondern für Tønder Skydecenter vielleicht eine geeignetere Lage geben könnte.

Ein Bebauungsplan hätte vielleicht mehr Licht ins Dunkel gebracht. Für diese Option hätten sich die Ausschüsse auch entscheiden können. An der Haltung der Bevölkerung hätte dies aber vermutlich nicht viel geändert.