Analyse

„Kommunalwahl: Der politische Acker wird gezielt bestellt“

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Am Wahlabend 2021 verfolgten im Rathaus viele politisch Interessierte das spannende Geschehen (Archivfoto).

Vor vier Jahren nutzte SP-Politiker Jørgen Popp Petersen die Gunst der Stunde und sein persönliches Wahlergebnis, um mit breiter Unterstützung Bürgermeister zu werden. Nun setzt Venstre alles daran, um von der Vize-Position den Bürgermeisterstuhl zurückzuholen, kommentiert Monika Thomsen.

Das Jahr 2025 ist noch verhältnismäßig jung. Die Kommunalwahl im November wirft aber ohne Zweifel ihre Schatten voraus, und die politischen Felder in der Kommune Tondern werden zielgerecht bestellt. Während der ersten drei Monate sind schon mehrere einschneidende Furchen gepflügt worden. Da wittert allen voran wohl die Partei Venstre Frühlingsluft.

Statt acht verschiedenen Parteien im Kommunalrat gibt es jetzt nur noch sieben. Die 2017 gegründete Borgerlisten mit Frontfigur Thomas Ørting Jørgensen (2021: 552 Stimmen) sah Ende Januar ihre (grüne) Mission als erfüllt an und löste sich auf. Das Timing passte Venstre mit Vizebürgermeister und Bürgermeisterkandidat Martin Iversen (498 Stimmen) sehr gut ins Konzept, und man kam auf einen gemeinsamen Nenner. Nach der Auflösung gliederten sich die drei Ex-Vertreter von Borgerlisten bei Venstre an.

Diese Fraktion zählt nun neun Mitglieder und knüpft damit an den Stand von früheren Zeiten an. Ob die 1.509 Anhängerinnen und Anhänger von Borgerlisten quasi über Nacht auch zu Venstre-Leuten mutiert sind, wird sich zeigen.

In der ursprünglich 16-köpfigen Venstre-Fraktion, die sich nach dem Wechsel von Allan Skjøth zu Borgerlisten um einen Mann reduzierte, waren sich in der Legislaturperiode ab 2018 nicht alle grün. Das führte 2020 zur Spaltung und der Gründung von Tønder Listen mit dem damaligen Bürgermeister Henrik Frandsen an der Spitze.

Wo gehen die 3.763 persönlichen Stimmen von Frandsen hin?

Nachdem Frandsen sich inzwischen aus der Lokalpolitik verabschiedet hat, schwirren seine 3.763 persönliche Stimmen in der Luft. Schafft es Tønder Listen mit Bürgermeisterkandidatin Anita Uggerholt Eriksen, diese alle einzufangen?

Obgleich angeblich in beiden Fraktionen im Innersten ein Venstre-Herz schlägt, scheint es unwahrscheinlich, dass sich die früheren Brüder und Schwestern aus der ehemaligen großen Venstre-Familie wieder verbünden, um an die Macht zu kommen. Hat Venstre sich auch drei neue Leute ins Boot geholt, so muss die Partei nach der Wahl ohne die einzige Stadträtin in ihren Reihen – Mette Bossen Linnet (202 Stimmen) – auskommen, die sich voll auf ihren Sitz in der Region Süddänemark konzentrieren will.

Ex-Sozialdemokratin tanzt alleine

Einen Solotanz legt indes Barbara Krarup Hansen (582 Stimmen) derzeit aufs Parkett, nachdem sie bei der Sozialdemokratie ausstieg. Für die Bürgermeisterkandidatin anno 2021 war das Maß voll, nachdem der Parteivorstand ihr keinen Platz auf der Liste einräumte. Mit dem Fraktionssprecher Torben Struck (171 Stimmen) als Bürgermeisterkandidat gehen die Sozis seit dem vergangenen Jahr auf Nummer sicher. Krarup Hansen hatte damals abgewinkt, was die Bürgermeisterkandidatur anging.

Struck scheint betriebssicher und liegt im Gegensatz zu seiner Vorgängerin mit der Fraktion auf einer Wellenlänge. Vielleicht gab es beim „Casting“ von Barbara Krarup Hansen vor vier Jahren zu viele unbekannte Faktoren, und es entpuppte sich im Nachhinein als Wagnis, mit einem politisch unbeschriebenen Blatt an der Spitze sozialdemokratische Politik machen zu wollen.

Konservative ohne erfahrene Kräfte

Bei den Konservativen ist die Suche nach neuen Kräften abgeschlossen. Diese wurde erforderlich, nachdem Stadtratsmitglied Anette Abildgaard Larsen nach acht und ihr Kollege Hans Schmidt nach vier Jahren ihren Abschied aus der Politik bekannt gaben. Die Konservativen gewannen vor vier Jahren ein Mandat dazu.

Zu einem neuen Zugpferd soll sich Sonja Miltersen entwickeln, die auch 2021 kandidierte. Zum Team gehört außerdem Birgitte Klippert, die als Folketingskandidatin Erfahrung hat.

DF mit neuem Mann im Sattel

Stadtratspolitiker Allan Svendsen wechselte vor einem Jahr von den Neuen Bürgerlichen zur Dänischen Volkspartei. Nun ist er Spitzenkandidat der Partei, die vor vier Jahren mit drei Sitzen aus dem Kommunalrat flog. Mit ausschlaggebend waren wohl auch die Stimmen, die er damals für die Neuen Bürgerlichen holte. Svendsen scherte in mehreren Fragen – darunter dem Hotelprojekt auf Röm (Rømø) – aus der 31-köpfigen Runde aus. Gleiches macht sich für Einzelkämpfer Bjarne Lund Henneberg von der Sozialistischen Volkspartei geltend.

Die SP stellt sich breiter auf

Die Schleswigsche Partei mit ihren zwei Politikerinnen und zwei Politikern weiß, dass jede Stimme und ein persönlich gutes Wahlergebnis für Bürgermeister Jørgen Popp Petersen zählen, wenn beim höchsten politischen Amt die angestrebte Verlängerung erreicht werden soll. Popp Petersen erzielte 1.919 der 2.704 SP-Stimmen.

Die Partei stellt sich vier Jahre später breiter auf, und neues Mitglied im Team der Kandidatinnen und Kandidaten ist der seit einigen Monaten abtrünnige Venstre-Mann und erfahrene Politiker Mathias Knudsen aus Bedstedt (Bedsted). Seine 173 Stimmen reichten vor vier Jahren nicht für eine Wiederwahl. Er ist aber mehrfach als Nachrücker eingesprungen. Knudsen hat sich das erklärte Ziel auf die Fahne geschrieben, dafür zu arbeiten, dass Popp Petersen als Bürgermeister weitermachen kann.

Auf seine Wurzeln in der deutschen Minderheit hat sich Claus Hansen besonnen, der von 2017 bis 2021 erst für die Liberale Allianz und danach für Venstre im Kommunalrat war. Hansen (122 Stimmen) verpasste vor vier Jahren die Wiederwahl und kandidiert nun für die Liste S. Der SP ist es bislang nicht gelungen, ganz junge Leute ins Team zu holen.

So wirklich unzufrieden mit Jørgen Popp Petersen als Bürgermeister ist im Kommunalrat eigentlich niemand, und er hat mit diplomatischem Geschick einen anderen Ton in das früher zerstrittene Gremium gebracht. Das vermag aber nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Venstre den Boden intensiv beackert, um in der früheren V-Hochburg wieder in das Bürgermeisterbüro einzuziehen.

Ob die Saat der verschiedenen Parteien aufgeht, wird sich nach der Wachstumsperiode in knapp acht Monaten zeigen. Bis dahin gibt es ja noch reichlich Gelegenheit, die eine oder andere Konstruktion zu düngen oder neue Pflanzen anzubauen.

Am 18. November wird die Ernte mit dem entscheidenden Votum der Wählerinnen und Wähler eingefahren. Spannung ist vorprogrammiert.

Der Kommunalrat in Tondern

• Tønder Listen: 9 Mandate
• Venstre: 9 Mandate (seit Januar 2025 durch drei neue Mitglieder der aufgelösten Borgerlisten)
• Schleswigsche Partei: 4 Mandate
• Sozialdemokratie: 4 Mandate (seit dem Austritt von Barbara Krarup Hansen im März 2025)
• Konservative: 2 Mandate
• Sozialistische Volkspartei: 1 Mandat
• Dansk Folkeparti: 1 Mandat (Allan Svendsen wechselte im Februar 2024 von Neue Bürgerliche zu DF)
• Parteilos: Barbara Krarup Hansen (seit März 2025).