Grenzüberschreitendes

Deutsche Serie boostet Tourismus in Wassersleben und Flensburg

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Patrick Kalupa
Die dänische Schauspielerin Birte Berg und Hauptdarsteller Patrick Kalupa als Dr. Nice in der gleichnamigen „ZDF“-Serie.

Trotz wirtschaftlicher Krisenzeiten erlebt der Tourismus in Flensburg einen kleinen Aufschwung, obwohl die Fördestadt nicht das günstigste Urlaubsziel in Deutschland ist. Die populäre „ZDF“-Serie „Dr. Nice“ wirke positiv auf den Markt, sagt Tourismuschef Gorm Casper.

Die Folgen der TV-Serie „Dr. Nice“, die seit 2023 an der Flensburger Förde und um das Hotel in Wassersleben (Sosti) direkt hinter der deutsch-dänischen Grenze spielt, sehen regelmäßig rund vier Millionen Menschen im öffentlich-rechtlichen Sender „ZDF“.

Die Serie ist nicht nur ein Hit bei den Zuschauerinnen und Zuschauern, sondern ist auch gutes Marketing für Flensburg als Tourismusdestination. Laut Tourismuschef Gorm Casper könnte die Serie eine Ursache dafür sein, dass Flensburg im Vergleich zu vielen anderen Orten in Schleswig-Holstein mehr Touristinnen und Touristen anlockt.

„Wir haben einen Zuwachs beim Umsatz von 1,2 Prozent, was zwar im Vergleich zu früher nicht sonderlich beeindruckend ist, aber es ist besser als in den meisten anderen Tourismushochburgen in Schleswig-Holstein“, sagt er.

„Dr. Nice“ ist gutes Marketing

Gorm Casper nennt als Beispiel die Landeshauptstadt Kiel, die einen Rückgang von 4,2 Prozent zu verzeichnen hat, während die ebenfalls sehr populäre Hansestadt Lübeck nur einen Zuwachs von 0,8 Prozent verbuchen kann. Mit seinen Worten ist es „nicht so selten“, weil sowohl dänische als auch deutsche Feriengäste Zimmer erst im letzten Augenblick buchen würden und auch besonders darauf achten, ihren Geldbeutel nicht überzustrapazieren.

„Auch wenn Flensburg teurer ist als viele andere Orte, und unsere Hotelzimmer teurer sind, so haben wir eine richtig gute Werbung durch gute TV-Serien – insbesondere ‚Dr. Nice‘ – in ganz Deutschland. Das hilft uns natürlich. Wir haben außerdem einen Zuwachs bei der Anzahl der Ankünfte von 2,8 Prozent“, sagt er.

Auch die Krimiserie „Mordsschwestern“, die ebenfalls in Flensburg spielt, sorge für Aufmerksamkeit. „Die zeigt schöne Bilder von hier. Das hilft sehr“, sagt Gorm Casper.

Peter Karner, Direktor des „Hotel des Nordens“ an der Grenze bei Krusau (Kruså) und dem „Ramada“ in Flensburg, kann ebenfalls einen Anstieg bei den Übernachtungszahlen von 5 Prozent im August verbuchen. Er glaubt ebenfalls, dass dies mit der positiven Aufmerksamkeit zusammenhängt, die die TV-Serie erzeugt.

„Mit Blick auf die dänischen Gäste nutzt uns auch die geringere Mehrwertsteuer. Flensburg ist billiger zum Urlaub machen als Dänemark“, so Karner.

Harrebye-Brandt mit Nebenrolle

Die Serie wird es auch weiter geben. In diesem Jahr werden sechs neue Episoden gedreht, die dann 2026 gesendet werden sollen. Hauptdarsteller der Serie sind Dr. Moritz Neiss, gespielt von Patrick Kalupa, Charlie Winkler (Josefine Preuß), Dr. Florian Schmidtke (Maximilian Grill), Janne Andersen (Brigitte Zeh) und Lea Koch (Maj Borchardt).

In einer Nebenrolle ist der deutsch-dänische Schauspieler Mathias Harrebye-Brandt als Bürgermeister Stefan Hengstenberg zu sehen, der Wurzeln in der deutschen Minderheit in Nordschleswig hat. Seine Mutter stammt aus Hadersleben (Haderslev), der Vater aus Flensburg. Harrebye-Brandt hat unter anderem in der fünfsprachigen Krimikomödie „Der Krug an der Wiedau“ (auch Kroen ved Vidåen, Æ kro ve æ Virå, E krouf bai e Wiidou, De Krooch an de Wiedau) die Hauptrolle gespielt.

In einer weiteren Folge von „Dr. Nice“ (Federn lassen) ist die dänische Schauspielerin Birte Berg, Struer, zu sehen.

Darum geht es in „Dr. Nice“

In „Dr. Nice“ dreht sich alles um Dr. Moritz Neiss, gespielt von Patrick Kalupa. Der internationale „Starchirurg“ ist nach einem Unfall an der Hand verletzt und seine Karriere steht vor dem Aus. Die rettende OP bei einem Spezialisten in Australien muss er mehrfach verschieben, weil ihn unter anderem ein Notartermin in seine alte Heimat nach Flensburg zieht. Dort soll er der Adoption seiner Tochter Lea zustimmen, von der er erst seit kurzem weiß. Neben anderen „Altlasten“ aus seiner Jugend, tritt Neiss nach vielen Jahren auf den heutigen Chefarzt des „Förde-Klinikums“, dem er seinerzeit die Freundin ausgespannt hatte. Das Verhältnis beider ist nachhaltig belastet.