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Trendwende: Jugendliche engagieren sich vermehrt ehrenamtlich in Sportvereinen

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Viele Jugendliche suchen die Gemeinschaft im Sportverein (Symbolfoto).

Die Anzahl der Ehrenamtlichen ist über viele Jahre immer weiter gesunken. In den vergangenen vier Jahren hat sich diese Entwicklung umgekehrt. Besonders die 16- bis 20-Jährigen arbeiten vermehrt freiwillig.

Die Zahl der Ehrenamtlichen in den dänischen Sportvereinen wächst. Besonders unter den Jüngsten ist eine Trendwende zu beobachten.

Neue Zahlen aus der landesweiten Freiwilligenstudie 2024 des Forschungsinstituts „Vive“ zeigen: Immer mehr Däninnen und Dänen engagieren sich ehrenamtlich im Sport. Vor allem junge Menschen melden sich vermehrt.

Dachverband ist begeistert

So stieg der Anteil der 16- bis 20-Jährigen, die sich im Sport ehrenamtlich betätigen, von 12 Prozent im Jahr 2020 auf 18 Prozent im Jahr 2024.

„Wir erleben eine neue Form der Freiwilligenarbeit“, sagt Thomas Bach, Vizepräsident des Dänischen Sportverbands DIF.

Flexiblere Angebote bringen Erfolg

2022 berichteten die Vorsitzenden der Vereine unter DIF laut einer Studie noch von einem Rückgang bei den Ehrenamtlichen. Insbesondere machten sie sich Sorgen um das Engagement der Jugendlichen.

Die damalige Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Vereine Möglichkeiten für flexiblere ehrenamtliche Arbeit schaffen sollten. So könnten sich auch Menschen engagieren, die weniger Zeit dafür haben.

„Die Motivation ist groß, doch der Alltag ist voller Verpflichtungen, sodass die Einzelnen weniger Stunden leisten können. Das verlangt nach neuen Wegen in der Mitgliedergewinnung“, so Bach.

Die einzelnen haben weniger Zeit

Die Vive-Studie zeigt, dass die durchschnittliche Zeit, die die einzelnen Personen investieren, sinkt. Bach sieht das nicht unbedingt als ein Problem.

„Wir freuen uns über alle, die viel Herzblut investieren. Aber wir müssen auch diejenigen berücksichtigen, die sich nur für eine begrenzte Zeit engagieren wollen.“

Durch den wachsenden Anteil junger Ehrenamtlicher sinkt das Durchschnittsalter der Engagierten erstmals seit Jahrzehnten – von 51 Jahren im Jahr 2020 auf 48 Jahre im Jahr 2024.

Maja wurde als 15-Jährige Trainerin

Ein Beispiel ist die 16-jährige Maja Hjorth Jensen aus Lystrup bei Aarhus. Sie ist seit ihrem 13. Lebensjahr als Gymnastiktrainerin im Verein Lystrup IF aktiv.

„Ich habe damals als Assistentin angefangen, weil man mich gefragt hat, ob ich Lust hätte“, erzählt sie.

Seit ihrem 15. Lebensjahr ist sie als Trainerin aktiv – gemeinsam mit Gleichaltrigen.

„Es ist super, Verantwortung zu übernehmen und das Training selbst zu planen. Unter den Trainerinnen und Trainern haben wir ein tolles Gemeinschaftsgefühl – und im Notfall ist immer ein Erwachsener da.“

Maja besucht derzeit die 2G am Gymnasium, möchte dem Ehrenamt jedoch treu bleiben.

„Ich investiere etwa zwei Stunden pro Woche plus etwas Planung. Aber es ist sehr flexibel: Wenn ich wegen der Schule einmal keine Zeit habe, übernehmen andere.“

Mehr Jugendliche würden sich engagieren, wenn man sie anspricht

In der Studie verbirgt sich eine weitere positive Nachricht für die Sportvereine. Die Möglichkeiten, Ehrenamtliche zu gewinnen, sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Fast die Hälfte der Menschen, die bisher nicht freiwillig tätig sind, würde sich engagieren, wenn man sie gezielt ansprechen würde.

Auch hier haben sie Jugendlichen die Nase vorn. Unter den 16- bis 35-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent.

Dieses Potenzial müsse genutzt werden, fordern DIF und der Breitensportverband DGI, die gemeinsam die Initiative „Bevæg dig for livet“betreiben.

„Freiwilliges Engagement ist ein großes Geschenk – sowohl für die jungen Menschen selbst als auch für die Gemeinschaft. Etwas für andere zu tun und gemeinsam aktiv zu sein, trägt entscheidend zu einem guten Jugendleben bei. Darauf hat auch die nationale Trivsel-Kommission hingewiesen“, sagt DGI-Präsidentin Charlotte Bach Thomassen.

16-Jähriger im Vorstand

Auch Konrad Crusell, 16 Jahre alt, hat früh Verantwortung übernommen: Bereits als Jugendlicher wurde er in den Vorstand des Dragør Rugbyklubs gewählt.

„Der Vorstand wollte jemanden aus der Jugend dabeihaben. Der Vorsitzende hat uns gefragt – und ich wurde gewählt. Am Anfang hat er mir sehr geholfen, weil vieles noch neu für mich war“, berichtet Konrad. Drei Jahre lang war er Teil des Gremiums, nun hört er auf, weil er ein Auslandsjahr an einer Efterskole plant.

„Es war spannend, den Verein auch außerhalb des Spielfelds mitgestalten zu können. Ich habe das Gefühl, dass meine Stimme gehört wurde – etwa als ich eine Jugendvertretung vorgeschlagen habe, die schließlich umgesetzt wurde.“

DIF-Vizepräsident Thomas Bach sieht die Sportvereine gut aufgestellt: „Junge Menschen von heute suchen nach Sinn und Gemeinschaft – und genau das bieten die Sportvereine.“