Vereinsarbeit

Nachwuchssorgen? – Nicht mehr beim Apenrader Ruderverein

Nachwuchssorgen? – Nicht mehr beim Apenrader Ruderverein

Nachwuchssorgen? – Nicht mehr beim Apenrader Ruderverein

Apenrade/Aabenraa
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Vor dem Start auf dem Wasser wird vorbereitet: Die Boote werden aus dem Bootshaus geholt und die Schwimmwesten übergestreift. Foto: Jan Peters

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Über 40 Kinder und Jugendliche tummeln sich inzwischen beim Training des Apenrader Rudervereins. Ein großer Erfolg für den Verein, der lange mit Nachwuchssorgen kämpfte. Der Vorsitzende Peter Asmussen erklärt, wie es zu dem Erfolg kam.

„Ihr müsst eine Klarmeldung machen“, sagt Peter Asmussen. Der Vorsitzende des Apenrader Rudervereins (ARV) steht auf der Brücke und gibt Marie und Noel Tipps. Die beiden sitzen schon im „Drilling“, einem der vielen ARV-Boote. „Eins klar“, kommt es vom Bugplatz, auf dem Noel sitzt. „Zwei klar“, schließt sich Marie an. Sie sitzt auf dem Mittelplatz. „Drei klar“ sagt dann Trainer Kim Schauer Boysen. Er vervollständigt das Dreier-Boot.
 

Langsam und vorsichtig rudern Noel, Marie und Trainer Kim vom Steg weg. Foto: Jan Peters

Dann geht es los. Langsam fährt der schlanke „Dreier-Ausleger“ vom Steg in Richtung offenes Wasser. Dort wird gewendet. „Backbord“, schallt es über das Wasser. Die drei Rudernden setzen gemeinsam die Ruder auf der Backbordseite ins Wasser und ziehen gleichzeitig. Das Boot dreht sich. Dann das Gleiche noch mal. „Steuerbord“, ist jetzt zu hören. Das Boot liegt in der gewünschten Fahrtrichtung auf dem Wasser der Apenrader Förde. Es geht nach Osten in Richtung Aubek (Åbæk). Schon recht routiniert setzen Marie und Noel die beiden Ruderblätter ins Wasser und ziehen sie durch. Trainer Kim ist der Schlag- und Steuermann. Schnell entfernen sie sich im „Drilling“.

Viele Jahre mangelte es dem Apenrader Ruderverein (ARV) an jungem Nachwuchs. Zwar gab es den einen oder anderen Erfolg, „doch ein Jugendtraining, wie ich es aus meiner Kindheit erinnere, gab es nicht“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Asmussen.

Es wurden Versuche unternommen, dem ARV wieder zu altem Erfolg zu verhelfen; bisher jedoch ohne einen Durchbruch zu erringen. Das hat sich jetzt geändert.

Die Boote für den Einsatz fertig machen ist Gemeinschaftsarbeit. Foto: Jan Peters

„Wir haben hier inzwischen 42 Mädchen und Jungen, die regelmäßig zum Training kommen, sodass wir mit knapp 20 Leuten trainieren“, berichtet Asmussen, und die Freude ist ihm anzusehen. Sechs Trainerinnen und Trainer haben sich inzwischen als Freiwillige gemeldet und bringen den Jungen und Mädchen das Ruden näher.

Doch wie erklärt er den Erfolg?

„Wir kommen den jungen Leuten entgegen. Das Training ist offen für alle. Man kann erscheinen, wenn man mag, es ist kein Muss“, sagt Peter Asmussen. Einige sind jedoch regelmäßig dabei. Zu ihnen gehört Noel. „Es macht Spaß gemeinsam mit anderen im Boot zu sitzen und die Natur zu genießen“, findet der Achtklässler der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA).

Magdalena, Noel und Marie sind bereit für das Training. Foto: Jan Peters

Die Zusammenarbeit mit der Schule macht einen großen Teil des Durchbruchs aus. Der Sportunterricht wurde in den ARV verlegt. Außerdem wurden die Rudergeräte an verschiedene Institutionen ausgeliehen, so unter anderem an die Schulfreizeitordnung der Deutschen Schule Rothenkrug, wo Magdalena den Rudersport für sich entdeckte. „Das hat solchen Spaß gemacht und jetzt, so richtig auf dem Wasser zu sein ist noch besser“, sagt die Drittklässlerin. DPA-Neuntklässlerin Marie hat durch den Sportunterricht Ruder-Feuer gefangen. „Man kann allein oder aber auch als Team rudern. Am meisten gefällt mir aber das gemeinsame Rudern“, berichtet sie.

Der Einstieg in das Boot Foto: Jan Peters

 

Peter Asmussen nutzt neben dem flexiblen Trainingsangebot „alte Methoden“, wie er sie nennt. Sport, Lernen, Spaß sind die drei Prinzipien, nach denen der ARV das Training betreibt. „Jeder wird hier akzeptiert, wird unterstützt und soll sich hier wohlfühlen“, sagt Asmussen. Das kennt er aus seiner Jugend im Ruderverein: „Lobende Pädagogik. Die habe ich in meiner Kindheit kennengelernt. Man hat uns Selbstbewusstsein eingeflößt“, erzählt er. Und das macht er jetzt auch bei den Ruder-Schützlingen.

Peter Asmussen freut sich über den Erfolg bei den jungen Leuten. Foto: Jan Peters

Er fordert jedoch auch Konzentration und Zuhören, denn „das kann auf dem Wasser lebenswichtig sein. Wir fahren zwar in recht sicheren Gewässern hier, doch wenn im Boot ein Befehl gegeben wird, dann muss man dem folgen“, erklärt der ARV-Vorsitzende.

Magdalena und Trainer Flemming Matthiesen setzen das Zweier-Boot gemeinsam ins Wasser. Sie bekommt an diesem Tag „Einzeltraining“. Foto: Jan Peters

Das Konzept kommt an. Zur Ruderregatta des Nordschleswigschen Ruder-Verbandes (NRV) schickt der Apenrader Verein 32 junge Leute. Für den ARV eine Leistung, von der Asmussen begeistert ist. Einzig der Transport lässt ihn die Stirn runzeln, denn die Ruderinnen und Ruderer müssen von Apenrade nach Gravenstein (Gråsten) gebracht werden, wo die Regatta am 1. Juni stattfindet. „Es wäre toll, wenn wir noch Eltern finden, die die restlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mitnehmen könnten“, hofft er.

Noch sind die jungen Menschen locker mit dem ARV verbunden, doch „wir hoffen, dass wir so einige feste neue Mitglieder gewinnen und für den Rudersport begeistern können“, sagt Peter Asmussen.

Neben Flemming Matthiesen, Kim Schauer Boysen und Peter Asmussen konnten noch Rüdiger Bartling, Eva Weitling und Hanne Weitling als ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer gewonnen werden.

Über die Trainerinnen freut sich Asmussen besonders, denn „so sind es nicht nur die alten Männer, die die Jungen und Mädchen als Trainer haben“, sagt er verschmitzt.

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