Gesellschaft

Zwischen Bürgernähe und digitaler Debatte: Erwin Andresen über Politik im Wandel

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Erwin Andresen blickt gerne auf seine Wirkenszeit zurück.

Seit über 20 Jahren mischt der SPler in der Politik mit. Warum er erneut kandidiert und was sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat, erzählt er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

2002 wurde Erwin Andresen erstmals in die Kommunalvertretung gewählt – damals noch in der eigenständigen Kommune Tingleff. Zwei Jahre später begann mit der Zusammenlegung zu größeren Einheiten eine neue Ära. „Eine spannende Zeit“, erinnert sich der Politiker der Schleswigschen Partei (SP).

Von den Anfängen bis heute: Ein Leben für die Politik

Gleich zu Beginn seiner politischen Laufbahn übernahm Andresen den Vorsitz des technischen Ausschusses. „Viel Arbeit“, sagt er rückblickend, vor allem, da er sich erst einarbeiten musste. Die Erfahrung wachse mit den Jahren, heute falle vieles leichter.

Auch der familiäre Rückhalt spielte eine Rolle: Vor dem Einstieg in die Politik sprach Andresen mit seiner Frau Hella. „Sie ist Politikertochter und wusste, was auf uns zukommt.“

Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern – damals und heute

Der enge Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern war ihm von Anfang an wichtig. Früher fanden zahlreiche Bürgertreffen statt – heute ermöglichen soziale Medien eine noch direktere, aber auch zeitintensivere Kommunikation. Andresen warnt jedoch vor den Risiken: Fakten könnten verdreht, Stimmungen schnell aufgeheizt werden. „Deshalb führe ich politische Diskussionen lieber direkt.“ Auch in der Politik selbst sieht er Nachholbedarf: „Es werden zu oft über Social Media Meinungen verbreitet, ohne vorher eine fundierte Diskussion zu führen.“

Trotzdem erkennt er die Vorteile digitaler Vernetzung: Informationen über lokale Entwicklungen – etwa in Stübbeck oder Loit – gelangen schneller zu den Menschen. Die Kommune leiste hier eine gute Arbeit.

Politik und Medien: Entscheidungsprozesse unter Druck

Andresen kritisiert, dass politische Entscheidungen oft bereits im Vorfeld öffentlich diskutiert werden. „Medien berichten über Ausschussinhalte, bevor sie beschlossen sind – das verändert die Diskussion.“ Besonders bei Projekten wie der alternativen Energiegewinnung sei der Austausch mit den Menschen vor Ort entscheidend. „Wir hören zu, nehmen Einwände auf und setzen sie, wo möglich, um.“

Apenrade müsse seinen Beitrag zur Energiewende leisten, ist er überzeugt. Die Stadt solle mehr liefern, als sie selbst verbraucht.

Haushaltsfragen und strategische Entwicklung

In seinen frühen Jahren stand die Kommune unter finanziellem Druck – eine Zeit, die Andresen rückblickend fast einfacher fand als heute: „Es ist leichter zu sparen, als vorhandene Mittel zu verteilen.“ Trotz Herausforderungen sei der Stadtrat bislang stets zu guten Lösungen gekommen.

Langfristige Planung fasziniert ihn besonders. Der Visionsplan „Fremtidens Aabenraa“ oder die Stadterneuerung seien Beispiele für strategische Projekte, die nachhaltige Entwicklungen anstoßen.

Besonders stolz ist er auf die Erhaltung der lokalen Pflegeheime. Die Entwicklung ländlicher Räume könne nur Hand in Hand mit der Stärkung Apenrades und Rothenkrugs gelingen.

Leidenschaft für die Politik

Neben seiner Tätigkeit im Stadtrat ist Andresen Vorsitzender des Apenrader Hafens – eine weitere spannende Aufgabe. Seit seinem 15. Lebensjahr engagiert er sich ehrenamtlich, war in zahlreichen Gremien aktiv. „Ich bin ein Mensch, der sich gerne einbringt.“

Den Aufwand der Politik habe er anfangs unterschätzt, gibt er zu. Doch er sei dabei geblieben, weil ihn die Möglichkeit, Dinge zu bewegen, antreibe. „Es geht um Prioritäten – und Politik macht man nicht nebenbei.“