Deutsch-dänische Veranstaltungsreihe

Smalltalk in der Bücherei mit zwei Urgesteinen aus Nord- und Südschleswig

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Kommen zu einer Plauderstunde in die Deutsche Bücherei Tingleff: Doris Ravn aus Nordschleswig und Flemming Meyer aus Südschleswig (Archivfotos).

Die Veranstaltungsreihe „Die Fremden – die fremmede“ über Begegnungen und das Leben im deutsch-dänischen Grenzland macht am 20. Mai Halt in der Bücherei Tingleff. Gäste können sich auf eine Unterhaltung mit Flemming Meyer aus Südschleswig und Doris Ravn aus Nordschleswig freuen und dürfen sich gern beteiligen.

Wie war es, nach dem Zweiten Weltkrieg als Mitglied der deutschen Minderheit in Dänemark zu leben? Wie war der Weg der dänischen Minderheit auf deutscher Seite?

Darüber werden die Deutsch-Nordschleswigerin Doris Ravn aus Sonderburg (Sønderborg) und der Südschleswiger Flemming Meyer bei einer Talkrunde in der Bücherei Tingleff plaudern.

Die Veranstaltung findet am 20. Mai ab 19 Uhr statt und ist Teil der mit Interreg-Mitteln geförderten Veranstaltungsreihe „Die Fremden – de fremmede“, die das Leben und Zusammenleben im deutsch-dänischen Grenzland thematisiert.

Doris Ravn ist als engagierte Frau innerhalb der Minderheitenverbände bekannt. Der 73-jährige Flemming Meyer ist eine führende Persönlichkeit des SSW (Südschleswigscher Wählerverband) und war langjähriges Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtags. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters Karl Otto, der sich als Landtagsabgeordneter und Vertreter der dänischen Minderheit ebenfalls einen Namen machte.

Kooperation der Büchereien

Partner der Veranstaltungsreihe sind das deutsche und dänische Büchereiwesen im Grenzland. Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist es, den Austausch der Bevölkerungsgruppen über die Grenze hinaus zu fördern und zu stärken.

Die Gäste sind herzlich eingeladen, sich mit Fragen, gerne aber auch eigenen Erinnerungen an diesem Gespräch zu beteiligen, heißt es in der Einladung.

Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung in der Bücherei Tingleff gebeten. Der Eintritt kostet 30 Kronen.

Wie ist Doris Ravn zu ihrer Referentinnen-Rolle gekommen?

„Claudia Knauer (Direktorin der deutschen Büchereien in Nordschleswig, red. Anm. ) hat mich gefragt, ob ich über mich etwas erzählen würde und darüber, wie es war, nach Kriegsende Teil der deutschen Minderheit gewesen zu sein. Ich habe mich gerne bereiterklärt“, so die aktive Sonderburgerin am Telefon.

Bei Kriegsende noch mit deutschem Pass und einem Vater, der Soldat der Wehrmacht gewesen ist, „war es natürlich nicht einfach für uns in Dänemark“, so die 84-Jährige.

Zum Glück habe sich das Verhältnis von Mehr- und Minderheit völlig geändert, wie sie ergänzt.

Bekanntschaft mit dem Vater von Flemming Meyer gemacht

Sie habe sich mit Flemming Meyer für die Talkrunde nicht abgestimmt und sie kenne ihn auch nicht persönlich. Er sei ihr aber ein Begriff. „Mit seinem Vater war ich vor vielen Jahren als nordschleswigsche Vertreterin der FUEN bei einer Veranstaltung in Genf“, erzählt Ravn über die damalige Tour zum FUEN-Treffen (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten).

Die 84-Jährige hat als Bürgerin und als Angehörige der deutschen Minderheit viel erlebt und kann viel erzählen. Da habe es sich angeboten, sie für die Veranstaltung ins Boot zu holen, sagt Büchereidirektorin Claudia Knauer auf Anfrage.

Sich groß vorbereiten und sich mit Gesprächspartner Flemming Meyer absprechen, musste Doris Ravn nicht. „Es soll eine lockere Runde werden, bei der die beiden ganz einfach nur über sich und ihr Leben zwischen Mehr- und Minderheit erzählen“, sagt Knauer, die bei der Plauderstunde als Moderatorin agieren wird.

Mitreden erwünscht

„Schön wäre es, wenn Teilnehmende sich in die Gesprächsrunde einklinken und aus ihrer Sicht ebenfalls erzählen“, betont die Büchereidirektorin.

Bei der Veranstaltungsreihe waren von März bis Mai zehn Veranstaltungen südlich und nördlich der Grenze angesetzt. Die Veranstaltung in Tingleff ist das dritte Event unter Federführung der Deutschen Büchereien in Nordschleswig. Im Herbst folgt Teil 2 der grenzüberschreitenden Reihe.

Interreg-Projekt „Die Fremden“

Projektbeschreibung: Das Interreg-Projekt „Die Fremden“ („De Fremmede“) ist eine grenzüberschreitende Initiative, die das Zusammenleben von Mehr- und Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzgebiet thematisiert.

Beteiligte: Deutsche und dänische Büchereien aus dem deutsch-dänischen Grenzland. Darunter sind kommunale Bibliotheken, Stadtbüchereien sowie die Büchereien der deutschen und der dänischen Minderheit.

Veranstaltungen: Im Jahr 2025 werden rund 22 Veranstaltungen organisiert, davon die Hälfte im Frühjahr, die andere Hälfte im Herbst.

Standorte: Die Veranstaltungen finden in Tondern (Tønder), Apenrade (Aabenraa), Sonderburg (Sønderborg), Schleswig (Slesvig), Flensburg (Flensborg) und Niebüll (Nibøl) statt.

Finanzierung: Das Projekt erhält 380.000 Kronen aus dem Interreg-Topf für Bürgerprojekte.

Ziel: Förderung des interkulturellen Dialogs und Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Bevölkerungsgruppen in der Region.