Deutsche Minderheit

Erste Reaktionen zur Bundestagswahl aus der deutschen Minderheit

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Hinrich Jürgensen 2024
Der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen hofft auf eine stabile Regierung, die wieder mehr Verantwortung in Europa übernimmt (Archivfoto).

Deutschland hat gewählt. Kurz nach den ersten Prognosen stehen Hinrich Jürgensen als Repräsentant der deutschen Minderheit und der Vorsitzende der Minderheiten-Partei SP, Rainer Naujeck, dem „Nordschleswiger“ für ein Interview bereit.

Seit 18 Uhr am Sonntag, 23. Februar, sind die Wahllokale in Deutschland geschlossen. Fast 60 Millionen Menschen waren dazu aufgerufen, ihren neuen Bundestag zu wählen.

Kurz nach 18 Uhr bestätigen die Prognosen im Großen und Ganzen die Tendenzen aus den Umfragen der Vortage.

Als Hauptvorsitzender des Dachverbandes der Minderheit, dem Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), betont Hinrich Jürgensen, es sei nun das Wichtigste, dass die etablierten demokratischen Parteien Verantwortung übernehmen und sich auf eine stabile Regierung einigen.

„Europa braucht ein starkes Deutschland“

Mit Blick auf die nach der Wahl anstehenden Wochen richtet der Gaardebyer seinen Blick auf die nun zu bildende Regierung und hebt die Bedeutung Deutschlands in der EU hervor: „Von der neuen Regierung erhoffe ich mir, dass sie mehr Mut als in den vergangenen Jahren hat, sich für Europa starkzumachen.“

„Für Europa ist es derzeit von immenser Bedeutung, dass Deutschland wieder eine stabile und starke Regierung bekommt“, so der BDN-Hauptvorsitzende. „Die neue Regierung muss bereit sein, innerhalb der EU eine führende Position einzunehmen.“

Stimmen für die AfD sind „erschreckend“

Zum Abschneiden der rechtspopulistischen Partei AfD sagt Jürgensen: „Erschreckend. Aber nicht überraschend.“ Denn alle Umfragen hatten im Vorfeld darauf hingedeutet, dass die AfD als zweitstärkste Kraft in den Bundestag ziehen wird. Es sei Aufgabe der etablierten Parteien, die Menschen zurückzugewinnen, die ihre Fragen, Ängste und Sorgen aktuell am besten bei der AfD aufgehoben sehen.

Aber den Blick wieder hin zum Positiven. Diese Bundestagswahl hat die stärkste Wahlbeteiligung in der Geschichte der wiedervereinigten Bundesrepublik hervorgebracht. Am frühen Wahlabend sagten erste Prognosen eine Beteiligung von 83 bis 84 Prozent voraus. „Das finde ich toll“, sagt Hinrich Jürgensen. „Je mehr Menschen wählen, umso besser repräsentiert der Bundestag die Stimmen der Bevölkerung.“

SP betont demokratische Verantwortung

Auch in der Schleswigschen Partei (SP) freut sich der Vorsitzende Rainer Naujeck über die vielen Stimmenabgaben. „Die beste Nachricht des Tages ist für mich, dass die Wahlbeteiligung so enorm angestiegen ist.“ Er findet: „Die deutsche Bevölkerung hat erkannt, dass sie ihre demokratische Verantwortung ernst nehmen muss.“

„Im Augenblick sieht es danach aus, als käme eine stabile Mehrheit zustande“, sagt Naujeck kurz nach der ersten Prognose. Egal, ob CDU und SPD oder auch gemeinsam mit der FDP, wenn sie es noch in den Bundestag schafft: „Die Parteien müssen nun Verantwortung übernehmen und eine stabile Regierung bilden.“

SP-Vorsitzender Rainer Naujeck freut sich, dass so viele Menschen in Deutschland ihr demokratisches Recht zu wählen wahrgenommen haben (Archivfoto).

Freude für den SSW

Besonders freue er sich auch für seine Partei-Kollegen vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW), der Partei der dänischen Minderheit. „Es ist schön und wichtig, dass der SSW wieder durch Stefan Seidler vertreten sein wird.“ Am frühen Abend war noch unklar, ob es auch für ein zweites SSW-Mandat reichen wird. „Wenn Maylis Roßberg auch reinkommt, wäre das natürlich umso besser.“