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Besonnen in Minderheit und Mehrheit unterwegs: Hans Heinrich Christensen wird 70

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Hans Heinrich Christensen ist nicht nur als Mitglied der deutschen Minderheit im Raum Tingleff ein bekannter Zeitgenosse.

Er ist in der deutschen Minderheit verwurzelt und aktiv, engagiert sich als Vorsitzender des örtlichen Seniorenverbandes aber auch für die Mehrheitsbevölkerung. Am 14. Januar vollendet der gebürtige Wippeler Hans Heinrich Christensen das 70. Lebensjahr. Der Jubilar nimmt das neue Jahrzehnt gelassen.

„Es ist letztlich nur eine Zahl. Ich mache mir da keine großen Gedanken.“ Ohne große Umschweife antwortet Hans Heinrich Christensen auf die Frage, was die Vollendung des 70. Lebensjahres für ihn bedeutet. Nämlich nichts. Am 14. Januar leitet er jenes neue Jahrzehnt ein.

Der Minderheitendeutsche ist für seine bescheidene und zurückhaltende Art bekannt. Er ist ein Mann der leisen Töne, der Meinungen und Empfindungen, etwa zu einem 70. Geburtstag, kurz, unaufgeregt und präzise auf den Punkt bringt.

Hans Heinrich ist aber auch ein engagierter Zeitgenosse. Jahrzehntelang war der ehemalige Schüler der Deutschen Schule und des Landwirtschaftszweiges der Nachschule Tingleff im BDN-Ortsverein Tingleff (Bund Deutscher Nordschleswiger) aktiv und früher Vorsitzender des Kindergartenvereins. Als begeisterter Skatspieler leitet er seit geraumer Zeit die Skatturniere der BDN-Ortsvereine in Tingleff (Tinglev) und Renz-Jündewatt (Rens-Jyndevad).

An der Seite von Ehefrau Marianne, einer geborenen Klindt aus Quernholt (Kværnholt) und ebenfalls Volksgruppenangehörige, betrieb er viele Jahre den elterlichen Hof in Wippel (Vippel) vor den Toren Tingleffs.

Umzug ins beschauliche Gaardeby

Vor rund drei Jahren erfolgte der Ortswechsel. Marianne und Hans Heinrich Christensen zogen von Wippel nach Gaardeby an den Gårdebyvej, wo sie von der Stube aus den Blick zum Bach Bjerndrup Mølleå schweifen lassen können.

Das Anwesen in Wippel ist in der Familie geblieben, denn dem Ortswechsel ist ein Tausch vorangegangen. Das Haus in Gaardeby, einst im Besitz der Minderheitenfamilie Andresen, hatte einem Vetter von Hans Heinrich gehört. Dessen Sohn übernahm schließlich den landwirtschaftlichen Ackerbaubetrieb in Wippel, und das Ehepaar Christensen zog an den Gårdebyvej, wo es seinen noch jungen Ruhestand genießt.

Marianne und Hans Heinrich Christensen sind von Wippel nach Gaardeby gezogen.

Viele Eisen im Feuer

Zu den ehrenamtlichen Tätigkeiten von Hans Heinrich Christensen gesellte sich 2023 ein Posten im Tingleffer Komitee des Seniorenverbandes „Ældre Sagen“. Christensen hat dort den Vorsitz übernommen und setzt sich nun für die Belange aller älteren Bürgerinnen und Bürger aus Tingleff und Umgebung ein.

„Mein Nachbar hier in Gaardeby sprach mich an und legte mir ans Herz, im Vorstand mitzuarbeiten, da noch Leute gesucht werden. Ich erklärte mich dazu bereit. Kurz darauf war der Vorsitz vakant. Ich ließ mich dann auch überreden, diesen Posten zu übernehmen“, erzählt Heinrich Christensen – erneut ohne große Umschweife und ohne Allüren.

Es besonders ins Licht zu rücken oder gar sensationell zu nennen, dass ein Minderheitendeutscher das Vertrauen geschenkt bekommen hat, einem Verein für alle vorzustehen, davon hält Hans Heinrich überhaupt nichts. „Nach 100 Jahren sollte man gern so weit sein, und das ist längst auch der Fall“, so Christensen in Anlehnung an die Abstimmung von 1920, als Nordschleswig an Dänemark angegliedert wurde, und es seitdem die deutsche Minderheit in dem Landesteil gibt.

Die Zeiten haben sich geändert

Auch die dunkle Zeit des Zweiten Weltkrieges mit der Besetzung Dänemarks durch Hitlerdeutschland wirkt im Verhältnis von Dänen und Deutschnordschleswiger längst nicht mehr so nach, wie es einst der Fall war. Und das nicht nur seit gestern. Auch vor 20 Jahren wäre er womöglich als Vorsitzender im Ældre Sagen eingesprungen, sagt der bald 70-Jährige.

Für Christensen gibt es kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Als Minderheitendeutscher könne man die deutsche Sprache und Kultur pflegen und sich darüber hinaus für das gesamtgesellschaftliche Miteinander engagieren, so das Credo des Neu-Gaardebyers. „Darüber muss man eigentlich gar nicht mehr reden.“

Reden muss man auch nicht darüber, wer sich im und am neuen Zuhause der Christensens um den Garten kümmert. „Das macht nicht Hans Heinrich. Er macht andere Sachen“, erwähnt Marianne mit einem Lachen in Richtung ihres Gatten, der dem Einwand lächelnd zustimmt.

Als ehemaliger Landwirt ist Heinrich allerdings für den Gemüseanbau zuständig und erledigt praktische Aufgaben am Haus und Nebengebäude. Generell machen Marianne und Hans Heinrich vieles zusammen.

Ob als Grillmeister bei der Jahresversammlung der Nordschleswigschen Gemeinde oder bei anderen Anlässen innerhalb oder außerhalb der deutschen Minderheit: Hans Heinrich Christensen (r.) ist immer wieder als Helfer zu gewinnen (Archivfoto).

Ob Reisen oder Veranstaltungen des Sozialdienstes oder des BDN-Ortsvereins, Karten spielen im privaten Kartenklub, Aufenthalte im Sommerhaus auf Röm (Rømø), spazieren gehen oder radeln: Für Freizeitaktivitäten ist gesorgt. Hinzu kommen jene Skatabende in Tingleff und Jündewatt mit Chefkoordinator und Mitspieler Hans Heinrich.

Feiern mit Familie und Freunden

Der runde Geburtstag wird demnächst im Saxburger Krug mit Familie, Freunden und Nachbarn groß nachgefeiert. Mit dabei sind dann auch die beiden Töchter mit ihren Familien. Karina arbeitet als Sozial- und Gesundheitsassistentin in der kommunalen Heimpflege in Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) und wohnt in Jolderup (Hjolderup). Sie ist zweifache Stiefmutter und hat vor etwas mehr als einem Jahr selbst ein Kind zur Welt gebracht.

Tanja wohnt in Rothenkrug (Rødekro), arbeitet als Tierärztin in den Niederlassungen in Rothenkrug und Tingleff und ist Mutter eines zweijährigen Kindes.