Digitalisierung

Presseverein: „Was für ein Jahr!“

Presseverein: „Was für ein Jahr!“

Presseverein: „Was für ein Jahr!“

Apenrade/Aabenraa
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Elin Marquardsen
Elin Marquardsen lobte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Nordschleswigers“. Foto: Cornelius von Tiedemann

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Digital statt Papier: Die Pressevereins-Vorsitzende und der Chefredakteur des „Nordschleswigers“ blickten auf der Generalversammlung auf große Veränderungen und Erfolge zurück. Jetzt sollen noch mehr aus der Minderheit mit ins Boot geholt werden.

Dies ist die Zusammenfassung der Veranstaltung. Den ausführlichen Bericht gibt es hier.

„Ach ja, und dann hatten wir auch noch eine Corona-Pandemie.“ Chefredakteur Gwyn Nissen hat auf der Generalversammlung des Deutschen Pressevereins Bilanz eines außerordentlichen Jahres für das Medienhaus der deutschen Minderheit in Nordschleswig gezogen.

Damit meinte er die Digitalisierung der Tageszeitung der deutschen Minderheit in Dänemark – und die war auch zentrales Thema der Rede von Elin Marquardsen, Vorsitzende des Kontrollorgans des „Nordschleswigers“, dem Deutschen Presseverein, am Montagabend im Apenrader Medienhaus. Sie bezeichnete den Umbruch als „Erfolg“.

„Ihr rennt offene Türen ein“

Auf der Generalversammlung des Pressevereins ging sie besonders auch auf Kritik ein, die es daran gegeben hatte, dass die tägliche Papierzeitung im Februar 2021 durch ein rein digitales Angebot abgelöst wurde. Es scheine aber, so Marquardsen, als habe sich die anfänglich auch heftige Kritik „gemildert“ und in vielen Fällen sogar in Zusammenarbeit gewandelt.

„,Der Nordschleswiger' ist eure Tageszeitung, euer Nachrichtenmedium, und ihr seid im Recht, uns mit euren Ideen und eurer Kritik zu bereichern. Ihr rennt damit offene Türen ein“, so die Vorsitzende.

„Möchten euch an der Vielfalt unseres Mediums teilhaben lassen“

Leider sei es aufgrund der Corona-Restriktionen lange nicht möglich gewesen, die versprochenen digitalen Einführungs-Kurse für Leserinnen und Leser durchzuführen, denn „Corona hat dem einen Strich durch die Rechnung“ gemacht. Doch sie verwies auf eine eigens eingerichtete Hotline und erste nachgezogene Veranstaltungen in den deutschen Büchereien.

Marquardsen lobte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Nordschleswigers“ für ihren Einsatz in einem Jahr, in dem neben der übergangsweisen „Doppelbelastung“, weil zugleich die Tageszeitung und das digitale Angebot bedient werden mussten, auch noch die Corona-Krise für mehr Arbeit unter außergewöhnlichen Umständen gesorgt hat.

Sie versicherte angesichts des absehbaren Endes der Restriktionen auch jenen, die den digitalen „Nordschleswiger“ noch nicht nutzen: „Wir werden im Laufe des Jahres viele weitere Kurse anbieten. Ich kann nur hoffen, dass ihr nicht resigniert habt und weiter offen und bereit sein. Nehmt bitte teil, Übung macht den Meister. Ihr schafft das – wir möchten euch so gerne dabeihaben und euch an der Vielfalt unseres Mediums teilhaben lassen.“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Foto: Cornelius von Tiedemann

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Sowohl Marquardsen als auch Nissen verwiesen auf die Zahlen. So würden derzeit rund 12.000 Menschen täglich das digitale Angebot des „Nordschleswigers“ nutzen. Zehnmal so viele wie vor noch fünf Jahren und deutlich mehr, als zuletzt noch die Papierausgabe abonniert hatten – laut Nissen waren dies im Landesteil weniger als 1.000 Personen.

Marquardsen rief auch die Älteren in der Minderheit dazu auf, weiter am neu aufgestellten „Nordschleswiger“ teilzuhaben: „Meldet euch für den Newsletter an – ihr bekommt jeden Nachmittag um 17 Uhr eine Mail, so könnt ihr sicherstellen, dass ihr jeden Tag die Zeitung gelesen bekommt – und man wird nicht nass, wenn man ihn holen geht!“

„Der Nordschleswiger“ erscheint seit Februar 2021 digital und für alle kostenlos auf „Nordschleswiger.dk“ und in einer App für Android und Apple-Geräte. Zudem erscheint eine kostenpflichtige vierzehntägliche Papierzeitung als Angebot an Leserinnen und Leser, die mit den digitalen Angeboten nicht zurechtkommen. Derzeit machen davon 300 Personen Gebrauch.

Nissen: Professionell und immer besser

Chefredakteur Gwyn Nissen dankte in seinem Beitrag über das „historische Jahr 2020“, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Verlag und Redaktion und machte anhand von Zahlen und Reaktionen deutlich, wie sehr sich die Reichweite des „Nordschleswigers“ im Zuge der Digitalisierung vergrößert habe. So werde der „Nordschleswiger“ von vielen Medien im In- und Ausland zitiert, von Medienforschenden gelobt und vom Medienverband Danske Medier ausgezeichnet.

„Ich finde, wir machen einen guten und professionellen Job – und wir machen ihn immer besser. Und wenn andere außerhalb der Minderheit Anerkennung für uns finden, dann hoffe ich auch, dass wir in der Minderheit gut ankommen“, so Nissen.

„Für die, die immer noch der Zeitung nachweinen – ich kann es nachvollziehen, kann es verstehen. Aber bitte: Probiert es einfach mal aus, bis es eine gute Gewohnheit geworden ist.“

Anneliese Bucka
Anneliese Bucka Foto: Cornelius von Tiedemann

Ältere haben zum Teil noch Verständnis-Schwierigkeiten

Als Stimme älterer Leserinnen und Leser meldete sich unter anderem Anneliese Bucka zu Wort. „Viele haben Schwierigkeiten, aber ich bin jetzt drin“, sagte sie. „Unsere Älteren haben aber wirklich Probleme auch mit den Fremdwörtern“, so Bucka, die Begriffe wie „App“ und „Web“ als Beispiele nannte.

Chefredakteur Nissen versicherte, dass genau deshalb die Schulungen wieder angekurbelt worden seien – „und wir kommen wieder raus. Die Reaktion ist, dass wir vielen Älteren die Angst genommen haben – und das werden wir nicht nur dieses Jahr, sondern auch in den kommenden Jahren machen.“

Christian Andresen
Christian Andresen Foto: Cornelius von Tiedemann

Neues Vorstandsmitglied gesucht

Auf der Generalversammlung wurden Elin Marquardsen und Hauke Grella, die turnusmäßig ausgeschieden wären, erneut und einvernehmlich wieder in den Vorstand gewählt. Zudem rief Elin Marquardsen dazu auf, sich für die Vorstandsarbeit zu bewerben – denn der Platz von Kerstin Hinrichsen ist abzugeben.

„Nordschleswiger“-Geschäftsführer Christian Andresen, der noch dieses Jahr in den Ruhestand geht, wusste schließlich in seinem letzten von nunmehr 26 Jahresberichten ein Minus von 178.000 Kronen zu vermelden – bei einer Bilanzsumme von rund 29 Millionen Kronen.

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