Kommunales

Schließung: Historisches Pflegeheim in Tondern ist in die Jahre gekommen

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Einige Gebäude des Pflegeheims an der Leosallé sind renovierungsbedürftig.

Weniger Nachfrage nach einem traditionellen Platz im Heim, hohe Ausgaben für die Instandhaltung des alten Gemäuers, das nicht mehr modernen Anforderungen entspricht, werden vermutlich zur Schließung von Leos Plejecenter Ende des Jahres führen. Es gibt einen neuen Verwendungszweck, der auch älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern zugutekommt.

Das Hauptgebäude von Leos Plejecenter, Baujahr um 1930, ist fast 100 Jahre alt und entspricht mit den Nebengebäuden nicht mehr den Anforderungen einer modernen Pflegeeinrichtung für ältere und kranke Menschen. Daher soll die Einrichtung am Bargumsvej Ende des Jahres geschlossen werden.

Der Gesundheitsausschuss der Kommune Tondern hat zumindest auf seiner jüngsten Sitzung entschieden, dass die Verwaltung an den Plänen weiterarbeiten kann. Ein Käufer ist bereits in Sicht: Tønder Boligforening will mit Salus Administration die Gebäude kaufen und die Immobilie sowie die freien Grünflächen, wo einst zwei Wohnblöcke von Tønder Andelsboligforening standen, auf unterschiedliche Weise nutzen, die auch älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern zugutekommt. Auch jüngere Generationen werden dort leben können.

Geplant sind der Bau und die Einrichtung von unter anderem Seniorenwohnungen. Aber auch für Familien und junge Leute soll Wohnraum und Gemeinschaftsräume in dem neuen Komplex geschaffen werden, der auch aus gesundheitlicher Sicht gut ausgestattet sein wird.

Vor einigen Wochen wurde das Jugendhaus direkt bei Leos Pflegeheim eröffnet (Archivfoto).

Drei Ärztinnen planen, dort eine Gemeinschaftspraxis zu eröffnen. Diese Projektart wird einzigartig sein. „Wir erhoffen uns davon einen dynamischen Schub“, erklärt die Ausschussvorsitzende Anette Abildgaard Larsen (Kons.). Auch der Bau eines sogenannten Ollekolle-Hauses für mehrere Seniorinnen und Senioren unter einem Dach ist angedacht.

Damit gibt die Platzierung des neuen Jugendhauses als direkter Nachbar zum Pflegeheim Sinn, wenn auf dem Heimgelände auch Jugendwohnungen entstehen sollen.

In der Kommune spricht man schon seit drei Jahren über die Struktur in der Altenpflege und über die dafür zur Verfügung stehenden Häuser. Trotz der demografischen Entwicklung mit einem höheren Anteil von älteren Menschen sei eine Schließung kein Problem, sagt Abildgaard Larsen. „Wir haben keine Wartelisten für Plätze in den Pflegeheimen. Es gibt sogar Leerstand. Zudem ist die Nachfrage nach seniorengerechten Wohnungen größer als das Angebot. Das gilt auch für Wohnraum für jüngere Menschen.“

Keine Neuaufnahmen seit Sommer 2024

In Leos Plejecenter sind seit Sommer 2024 keine neuen Bewohnerinnen und Bewohner mehr aufgenommen worden – also ein bewusst in Kauf genommener Leerstand. „Die Nachfrage nach einem traditionellen Pflegeheimplatz hat im Laufe der Jahre stark nachgelassen. Der Anteil der älteren Mitmenschen steigt zwar, da wir länger und gesünder leben und länger in unserem Zuhause bleiben möchten, wäre die Schließung des Pflegeheims kein Problem. Wir haben im Stadtbereich noch Richtsens Plejecenter und in den größeren Städten der Kommune gibt es ebenfalls Pflegeeinrichtungen“, erklärt Anette Abildgaard Larsen weiter.

Freie Plätze gebe es in Richtsens Plejecenter und in den anderen Heimen der Kommune. Für die Angehörigen derjenigen aus Tondern, die auf auswärtige Einrichtungen verwiesen werden, müsse die Kommune für eine Transportmöglichkeit sorgen, unterstreicht die Politikerin.

Auf andere Heime müssten nur noch wenige in Leos Plejecenter verbliebene Bürgerinnen und Bürger bei einer Schließung verwiesen werden. Der Trend zeige auch, dass ältere Mitbürgerinnen und -bürger, für die ein Pflegeheimplatz beantragt wurde, vermehrt einen Rückzieher machen, da sie Alternativen gefunden haben.

Heute kommen kaum mehr Mitarbeiter der Kommune (sogenannte Visitatoren) in die Häuser, die die Ausstattung der Häuser und Wohnungen und den körperlichen Zustand des Bürgers bewerten, um zu entscheiden, ob die Seniorin oder der Senior für einen Platz im Pflegeheim berechtigt ist, so die Ausschussvorsitzende.

Wer umziehen will, sucht eine Seniorenwohnung oder betreutes Wohnen.

Anette Abildgaard Larsen

„Heute berät unser Personal vielmehr und zeigt Hilfsmöglichkeiten, wie man länger im eigenen Zuhause bleiben kann. Das machen wir nicht, um Geld zu sparen, denn die Bürgerinnen und Bürger wünschen zu bleiben, sofern ihnen das Haus oder die große Wohnung über den Kopf wächst. Wer umziehen möchte, sucht eine seniorengerecht eingerichtete Wohnung, betreutes Wohnen. In Toftlund und Bredebro seien bereits neue Seniorenwohnungen gebaut worden, die schnell vergriffen waren.“

Weiterbeschäftigung des Personals möglich

Im Zuge der Pflegeheimschließung würde das Personal auch weiter beschäftigt werden können. Beispielsweise für die vorbeugenden Besuche im Zuhause der älteren Mitmenschen.

Die Ausschussvorsitzende freut sich, dass Salus beim Besuch der Räumlichkeiten im Pflegeheim über den guten baulichen Zustand positiv überrascht sei. „Das wirkt sich natürlich zugunsten der Kommune positiv auf den Preis aus. Schließlich müssen wir auch die 23 Millionen Kronen Schulden im Haus begleichen können“, so die Ausschussvorsitzende.

Der Gesundheitsausschuss hat die Entscheidung getroffen, dass die Verwaltung prinzipiell mit den Plänen weiterarbeiten kann. Die Politikerinnen und Politiker fordern aber eine Übersicht über die finanziellen Konsequenzen für die Kommune bei der Umsetzung des Projekts und über die Wartelisten.

Anette Abildgaard Larsen wird die Umsetzung des Projektes nicht mehr als Ausschussvorsitzende miterleben. Sie gibt ihr politisches Amt Ende des Jahres ab (Archivfoto).

Wo kommt der Name her?

Die Leosallé und Leos Plejecenter sind nach dem Kaufmann und Kräuterhändler Hans Friedrich Leo benannt, der von 1730 bis 1812 lebte. Er war Tonderaner und verblieb bis zu seinem Tod Junggeselle. In seinem Testament bedachte er die Armen. Er schenkte der Stadt 30 Hektar große Fennen (sog. Legatfennen) im Friedrichen Koog bei Hoyer, als er seine Stiftung 1808 gründete. Das kam dem Krankenhaus zugute und der Lebensstandard für Arme konnte verbessert werden. Zudem überließ er 3.000 Reichstaler in Obligationen in der Verwaltung des Magistrats. Die Rendite ging an Notbedürftige und Kranke. Mit einem Darlehen aus dem Legat konnte das Pflegeheim gebaut werden.