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Filmvorpremiere in Tondern: Das Leben ist eine Achterbahn

Filmvorpremiere in Tondern: Das Leben ist eine Achterbahn

Filmvorpremiere in Tondern: Das Leben ist eine Achterbahn

Tondern/Tønder
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Die Hauptdarsteller Lasse Lorenzen, Jette Søndergaard (dahinter Eskil Tonnesen), Mette Munk Plum und Ole Sørensen (v. l.) sowie Regisseur Frelle Petersen. Fotografiert werden sie von Ole Caspersen aus Lügumkloster, pensionierter Tierarzt und Mitwirkender im Film. Foto: Jane Rahbek Ohlsen

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Am Freitag wurde Frelle Petersens „Resten af Livet“ bei Sturzregen, Hagel, Blitz und Donner präsentiert. Zwei Onkel, eine Tante und eine Oma standen mit Jette Søndergaard vor der Kamera. Das Publikum war benommen und begeistert.

Über den Verlust eines nahestehenden Menschen kommt keiner so ganz hinweg und nimmt die Trauer mit ins eigene Grab. Doch Trauer kann auf verschiedene Weise bearbeitet werden und taucht nach dem Verlust zeitlich zu verschiedenen Zeitpunkten auf. Das zeigt der neue Film von Regisseur Frelle Petersen in aller Deutlichkeit, der am Freitag Vorpremiere im Tonderner Kino hatte.

Der eine fällt nach dem Verlust eines lieben Menschen sofort in tiefe Trauer und lebt diese aus, rappelt sich dann aber doch schneller wieder auf, als diejenige Person, die über den Verlust nicht reden will und den Tod verdrängt. Entsprechend benommen und beklommen folgte das Publikum eine Stunde und 50 Minuten dem Geschehen auf der Leinwand, das in nur ganz wenigen und kurzen Augenblicken zum Lächeln veranlasste. Der Schluss zeigte im wahrsten Sinne des Wortes, dass das Leben einer Achterbahn ist.

Ole Sørensen und Mette Munk Plum Foto: Jane Rahbek Ohlsen

„Das Leben geht auf und ab“, meinte Schauspieler Ole Sørensen, der als Vater eines umgekommenen Sohns in einer der Hauptrollen zu sehen ist. „Die Trauer begleite einen bis ans Lebensende“, meinte seine Filmehefrau, dargestellt von Mette Munk Plum. Sie waren zwei von vier Hauptdarstellern, die vor der Kamera ihren Lebensunterhalt verdienen. Die restlichen Rollen wurden von Laiendarstellern aus der Tonderner Umgebung besetzt. In Petersens erstem Nordschleswig-Film „Onkel“ waren quasi alle Amateure.

Familienzusammenkunft

Die Trauer ist auch groß bei der Filmschwester Line, dargestellt von Jette Søndergaard, die schon in „Onkel“ mitspielte. Sie durchlebt eine Krise, da sie nicht schwanger werden kann. Für sie wurde der Film zu einem großen Familientreffen. Denn ihr „echter“ Onkel Peter Hansen Tygesen (er spielt auch im Film ihren Onkel), sein Bruder Henning und dessen Frau Tove sowie ihre 88-jährige Großmutter Karen Tygesen standen mit ihr in „Resten af livet“ vor der Kamera. In beiden Filmen spielt Nutella eine kleine Nebenrolle.

Ein Foto fürs Familienalbum: Jette Søndergaard mit ihrer Tante Tove, Oma Karen, Onkel Peter H. und Onkel Henning Tygesen auf dem roten Läufer. Alle fünf stehen vor der Kamera. Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Jette Søndergaard ist Tierärztin und stammt aus Lügumkloster (Løgumkloster). Sie hat sich als Autodidaktin zur professionellen Schauspielerin entwickelt. Sie sei sehr stolz, dass Frelle Petersen sie zum zweiten Mal in sein Team geholt hat. „Das ist herrlich. Ich hatte die Wahl zwischen Tierärztin oder Schauspielerin. Ich entschied mich für Letzteres“, strahlt Jette Søndergaard vor der Vorpremiere, die nicht „nordschleswig-liker“ sein konnte. Es gab keine feinen Kanapees, sondern Hotdogs vom Tonderner Würstchenbudenbesitzer René Jørgensen, die er bei Sturzregen, Gewitter, Donner und Hagel servierte.

Würstchen oder Hotdags gab es bei der Vorpremiere. Foto: Jane Rahbek Ohlsen
Filmmama Mette Munk Plum und Filmtochter Jette Søndergaard Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Im authentischen Film wird ausschließlich sønderjysk geredet. Diesem Dialekt bediente sich der überzeugte Nordschleswiger Frelle Petersen bei der Begrüßung des Publikums und auch in seiner späteren Dankesrede. In Tondern wurden wir sofort unterstützt, sowohl von der Kommune als auch von Den Vestdanske Filmpulje. Mitglied ist dort die Kommune Tondern. Sie unterstützte uns, obwohl ich zu dem Zeitpunkt nur als verrückter Filmmann aus Nordschleswig bekannt war. Daher danke ich für das Vertrauen“, freute sich Petersen.

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen als Fotograf. Rechts Filmregisseur Frelle Petersen Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Er sei vor den Dreharbeiten zum preisgekrönten Film Onkel noch ein Unbekannter gewesen. Dieser Film wurde ebenfalls in der Kommune Tondern aufgenommen. „Wir dachten an 2.500 verkaufte Tickets. Es wurden 46.000“, so der Regisseur. Für ihn sei die Präsentation in Tondern ein ganz besonderer Tag. Schließlich dürfe man seine Wurzeln nicht vergessen. Bei seinen Produktionen, die oft 2 bis 3 Jahre dauern können, sei er bemüht, die Mentalität, den Dialekt und die Natur in Nordschleswig zu erhalten.

Frelle Petersen bürgt für Qualität. Auch dieser Film ist wieder eine gute Werbung für die Kommune Tondern.

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen

Inhaltlich sei die Handlung universell, denn jeder Mensch würde zu irgendeinem Zeitpunkt und irgendwo mit dem Tod konfrontiert. In seinem Film trifft dieser Schicksalsschlag eine stinknormale, waschechte Familie aus Nordschleswig. Diese droht am Tod des Sohnes und Bruders ganz zu zerbrechen. Die anfänglich unbeschwerten und lockeren Dialoge weichen entweder Totenstille oder gegenseitigen Beschimpfungen.

Film geht unter die Haut

Der Film geht unter die Haut. Das bestätigte auch Bürgermeister Jørgen Popp Petersen. „Ich fühlte, dass ich Mensch bin. Der Film spricht die Gefühle an. Es ist ein außergewöhnlicher Film, nicht wegen der Filmsprache, sondern wegen des Inhalts. Wir spiegeln uns in den Darstellenden. Am Filmende fehlten mir die Worte“, erklärte das stets sønderjysk redende Stadtoberhaupt. „Frelle Petersen bürgt für Qualität. Auch dieser Film ist wieder eine gute Werbung für die Kommune Tondern. Die Kritiker und das Publikum werden begeistert sein“, war sich Popp Petersen sicher.

Louise Thomsen Terp und ihre drei Kinder Frida, Johan und Ditte Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Auch seine Stadtrats- und Parteikollegin Louise Thomsen Terp zählte zu den Gästen der Vorpremiere. Sie, ihre elfjährige Tochter Frida und der achtjährige Sohn Johan spielten bei einem Fahrradringreiten eine kleine Rolle. „Und es war so schrecklich warm. Gefilmt wurde im Sommer, wir mussten aber Winterklamotten anhaben“, erzählt die Schülerin der Ludwig-Andresen-Schule.

Søren Clausen neben Bürgermeister Jørgen Popp Petersen und seinen Eltern. Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Ein bisschen mehr als Statist war Søren Clausen aus Rapstedt (Ravsted). Er sei sehr stolz über den Film und dass er mitspielen durfte. Er räumte ein, dass er sich ein wenig in seine Filmpartnerin Jette Søndergaard verliebt habe.

Der Film „Resten af livet“ ist der zweite Film in Frelle Petersens Nordschleswig-Trilogie. Er kommt am 7. Juli in die dänischen Kinos – auch in Tondern! Ein Besuch lohnt sich.

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