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92 Jahre und voll im digitalen Zeitalter angekommen

92 Jahre und voll im digitalen Zeitalter angekommen

92 Jahre und voll im digitalen Zeitalter angekommen

Tondern/Tønder
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Handy und I-Pad gehören für Lilli Thomsen im Alltag dazu. Foto: Monika Thomsen

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Lilli Thomsen hat ihre Freude an ihrem neuen I-Pad, mit dem sie sich über die Entwicklung ihrer zwölf Urenkel auf dem Laufenden hält. Schick findet die Tonderanerin, dass sie neuerdings auch das Kreuzworträtsel des „Nordschleswigers" digital lösen kann.

Ein lebhaftes Beispiel dafür, dass Alter nicht unbedingt vor Digitalisierung schützen muss, ist die Tonderanerin Lilli Thomsen.

Auf dem Wunschzettel zu ihrem 92. Geburtstag stand ein I-Pad. Ihre Familie erfüllte ihr den Wunsch schon im Vorfeld.

„Sie hatten mir schon lange gesagt, dass ich eins haben sollte. Dann habe ich mir das nun gewünscht“, so Lilli Thomsen. Dies hat sie ganz und gar nicht bereut.

„Ich lese jetzt viel mehr Artikel"

Sie war bereits vorher eine versierte Handy-Nutzerin. „Ich habe ja schon die Zeitung auf meinem Handy gelesen. Aber ich finde, ich lese jetzt viel mehr Artikel, seit ich das I-Pad habe“, so die Seniorin, die Pfingstsonntag im Kreis ihrer Familie gefeiert wurde.

Die Videos und Bilder von ihren Urenkeln bereiten ihr auf dem I-Pad noch mehr Freude als auf dem Handy.

„Ich bin so froh, dass ich auf die Art mitfolgen kann“, sagt die zwölffache Uroma, während sie auf dem I-Pad Bilder von ihrer Geburtstagsfeier und ihren Urenkeln zeigt.

Lilli Thomsen zeigt das Foto von dem Tag, als sie das I-Pad bekam. Foto: Monika Thomsen

Mit zwei ihrer Enkelkinder, die sie anlernen, hat sie ihre persönlichen IT-Berater. Sie freut sich, dass die Familie mit vier Kindern und zehn Enkeln in diesem Jahr um zwei weitere Urenkel wachsen wird.

Rätselraten digital

Total schick findet sie es auch, dass sie nun auf dem I-Pad das Kreuzworträtsel des „Nordschleswigers“ lösen kann.

„Dann brauche ich nicht immer den Stift zu suchen und kann gleich kontrollieren, ob es richtig ist“, sagt sie.

Auf ihre Bemerkung hin: „Ich habe ja immer noch die Papierzeitung, um das Kreuzworträtsel zu machen“, wurde sie bei einem Besuch in der Lokalredaktion auf die digitale Möglichkeit aufmerksam gemacht.

Das I-Pad wird nicht nur in der guten Stube von Lilli Thomsen genutzt, sondern sie nimmt „das goldene Stück" auch schon mal zu ihren Freundinnen mit. Foto: Monika Thomsen

Unlängst nahm sie auch das I-Pad zu ihrer Freundin mit, um ihr die „schönen Bilder“ vom Sozialdienstausflug nach Seth (Sæd) zu zeigen.

Lilli Thomsen ist nicht nur digital auf Draht, sondern auch sonst sehr agil. Sie kocht noch allein und manchmal mit Unterstützung einer ihrer Töchter, damit es Vorrat in der Gefriertruhe gibt.

Begeisterte Handarbeiterin

„Ich mache lieber Handarbeiten als dass ich koche“, verrät Lilli Thomsen mit einem Augenzwinkern, während sie Kaffee und ihre superdünne und überaus knusperige Version des nordschleswigschen Gebäcks „Goj Raj“ (Guter Rat) serviert.

In Sachen Stricken arbeitet sie derzeit an einer Prinzessin-Mary-Baby-Decke. „Von denen habe ich 15 oder 16 Stück gestrickt“, so Lilli Thomsen, die auch nicht vor neuen Stricktechniken zurückschreckt.

Eine Baby-Decke im Werden. Die 92-Jährige strickt jeden Tag. Foto: Monika Thomsen

„Manchmal bin ich ein bisschen ungeduldig, wenn es nicht gleich klappt“, sagt sie die Mutter von einem Sohn und drei Töchtern mit einem Lachen, während sie etwas auf dem I-Pad zeigen will.

Technische Geräte gab es in der Kindheit von Lilli Thomsen, als die digitale Welt ein noch weit entfernter Planet war, kaum.

Eine Kindheit ohne viel Technik

„Wir hatten zu Hause nur ein Radio. Aber kein Telefon. Wenn wir telefonieren wollten, liefen wir zu meinem Onkel. Der hatte das Geschäft Tonhalle in der Kupferstraße“, so die rüstige Dame, die in der Alleestraße mit ihren Eltern, ihrem Bruder, ihrer Oma, ihrem Opa und einer Tante aufgewachsen ist.

Berührungsängste gegenüber Handy und Co hat die 92-Jährige viele Jahrzehnte später aber nicht.

Sie hat in jungen Jahren in ihrer Heimatstadt bei Kaufmann S. C. Lorenzen eine Bürolehre gemacht.

Schnelle Auffassungsgabe

„Danach habe ich von 1949 bis 1954 bei Danfoss in Hagenberg gearbeitet, als dort noch Baracken waren. Dort bekamen wir eine ganz spezielle Rechenmaschine. Als ich kurze Zeit später zu meinem Chef hineinging und sagte, dass ich den Dreh raushatte, wollte er mir nicht glauben“, sagt Lilli Thomsen, die seit jeher ein Faible für Zahlen hat.

Tondern – Alsen – Beftoft – Tondern

Von Sonderburg ging es 1968 nach Beftoft (Bevtoft), wo Lilli Thomsen bereits 1972 verwitwete.
Drei Jahre später erfolgte die Rückkehr in die Wiedaustadt, wo sie zehn Jahre lang in der Westerstraße ein Garngeschäft führte.

Danach wirkte sie im alten Seminar im Büro des Erwachsenenausbildungscenters VUC, bevor der Ruhestand rief.

Erlebnisreiche Tage in Paris

Im Kielwasser ihres 90. Geburtstags 2019 führte es sie mit zwei ihrer Töchter nach Paris, um die dort lebende Enkeltochter zu besuchen.

Um einen Eindruck von diesem nachhaltigen Erlebnis zu vermitteln, greift die Seniorin nicht zum Fotoalbum, sondern wischt mal eben mit dem Finger über das I-Pad bis die Fotos aus Frankreich auftauchen.

Mittlerweile rätselt Lilli Thomsen am I-Pad, das sie mit schnellen Fingern bedient. Foto: Monika Thomsen

„Ich hatte meinen Rollator mit. Ich glaube, ich war der einzige Mensch in ganz Frankreich mit einem Rollator, ich habe dort niemand anderes gesehen“, erzählt Lilli mit einem fröhlichen Lachen. Dies Hilfsmittel sei etwas vom Besten, was sie jemals bekommen hätte.

Sie haben das so gemacht, dass ich nur mit dem Daumen touchen soll.

Lilli Thomsen

Positiv und aufgeschlossen

Lilli Thomsen ist neuen Sachen gegenüber aufgeschlossen. „Es ist gar kein Vergleich zum Handy. Ich spiele auch ein bisschen Karten“, sagt sie mit Blick auf das I-Pad.

Spielen tut sie auch einmal in der Woche mit ihrer Freundin Marie Haagensen. Dann aber nicht digital, sondern Yatzy mit richtigen Würfeln. Mit ihrer Freundin Adeline Lund lässt sie ebenfalls regelmäßig die Stricknadeln klimpern.

Zurück zum I-Pad: „Sie haben es so eingestellt, dass ich nur mit dem Daumen touchen soll“, veranschaulicht Lilli in ihrer Wohnung im ersten Stock mit Blick auf die Fußgängerzone, wo sie seit 15 Jahren wohnt.

Zum Geburtstag gab es auch neue Gartenmöbel und Blumen. Foto: Monika Thomsen

Schrittzähler auf dem Handy

„Ja, ich bin immer mit der Zeit gegangen, ich habe nicht stillgestanden“, beantwortet sie die entsprechende Frage.

Sollte sie mal zu lange stillstehen, genügt ein Blick auf das Handy, das sie aus der Hosentasche fischt, da es ihren Schrittzähler zeigt.

Erst mal geht sie die 18 Treppenstufen aus ihrer Wohnung und dann weitere vier vor der Haustür hinab, um den Gast zu verabschieden.

Auf zur Modenschau

Verlockt der regnerische Mittwoch unseres Besuchs nicht zu vielen Schritten unter freiem Himmel, so geht Lilli Thomsen am Tag danach zur Modenschau im Betty-Barclay-Laden in der Fußgängerzone.

Wer weiß, vielleicht gibt es ja inzwischen Bilder davon auf dem I-Pad.

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Sara Wasmund
Sara Wasmund Lokalredaktion Sonderburg
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