Medizinische Versorgung

Tondern einziger Standort eines neuen Nahhospitals in Nordschleswig

Nordschleswig: Nur Tondern erhält ein neues Nahhospital

Nordschleswig: Nur Tondern erhält ein neues Nahhospital

Kopenhagen/Tondern
Zuletzt aktualisiert um:
Das Tonderner Krankenhaus dient seit Jahren nur noch ambulanten Behandlungen. Mit dem Status Nahkrankenhaus werden dort voraussichtlich wieder zusätzliche medizinische Leistungen angesiedelt. Foto: Sygehus Sønderjylland

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Sozialdemokraten) präsentiert ein neues Konzept gegen zu starke Zentralisierung des dänischen Gesundheitwesens: Das Wohlfahrtssystem soll den Bürgerinnen und Bürgern näher kommen – unabhängig vom Wohnort in der Stadt oder auf dem Lande.

Der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Sozialdemokraten) hat einen Kurswechsel in der dänischen Krankenhausversorgung und Gesundheitspolitik angekündigt.

Gesundheitsminister will lange Anfahrten vermeiden

Er gab die Einrichtung von landesweit 20 neuen Nahhospitälern („Nærhospitaler“) bekannt, um den Menschen bei oftmals weniger komplizierten Untersuchungen lange Anfahrten in Spezialkliniken zu ersparen.

Magnus Heunicke (Sozialdemokraten) hat die Neuigkeiten für mehr Gesundheitsversorgung im Nahbereich knapp drei Wochen vor den Kommunalwahlen verkündet. Foto: Claus Bech/Ritzau Scanpix

In Nordschleswig soll nach den Vorstellungen der Regierung allerdings nur Tondern (Tønder) Standort eines neuen Nahhospitals werden. Die Westküstenkommune hatte erst zum Wochenbeginn die gute Nachricht aus dem Regionsrat Süddänemark erhalten, dass in dem vor Jahren vor allem auf ambulante Behandlungen zusammengestutzten Krankenhaus ein neues Ambulatorium für Herzpatientinnen und -patienten angesiedelt wird. „Das dänische Gesundheitswesen ist in den vergangenen 20 Jahren rund um die großen Krankenhäuser spezialisiert worden. Nun ist es erforderlich, das Gesundheitswesen im Nahbereich zu stärken, zur Verbesserung der Gesundheitsangebote im Alltag“, erklärte Heunicke auf einer Pressekonferenz, die vermutlich nicht ganz zufällig in der heißen Phase des Kommunalwahlkampfs anberaumt worden ist.

Auch Akutbereitschaft soll verbessert werden

„Die Regierung will mit dieser Initiative die Wohlfahrt näher zu den Bürgerinnen und Bürgern bringen, sodass alle Däninnen und Dänen das spüren können, unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Lande leben“, so der Minister, der mit seiner Formulierung hoffentlich nicht zum Ausdruck bringen wollte, dass die Staatsbürgerschaft für die Inanspruchnahme der Wohlfahrtsleistungen eine Rolle spielen soll. Der Minister kündigte an, dass auch in den Bereichen Akutbereitschaft Verbesserungen kommen sollen.

Ebenfalls seien Maßnahmen vorgesehen, den Mangel an Hausärztinnen und -ärzten in einigen Regionen, Orten und Stadtteilen zu verringern. Vor zwei Wochen hatte die Regierung Pläne fallen gelasssen, neu ausgebildete Medizinerinnen und Mediziner jeweils für ein halbes Jahr dazu verpflichten, in einer Arztpraxis tätig zu sein. Stattdessen ist vorgesehen, dass die Nachwuchskräfte künftig längere Praktika in Arztpraxen statt in Krankenhäusern absolvieren müssen.

Im Tonderner Krankenhaus sind bereits mehrere ärztliche Praxen untergebracht Foto: Archivfoto Der Nordschleswiger

Für die Einrichtung der neuen Nahhospitäler will die Regierung zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen. In diesen sollen künftig verstärkt Hausarzt- und Facharztpraxen sowie physiotherapeutische Angebote angesiedelt werden.

In Tondern bereits viele Angebote im Krankenhaus

In Tondern ist das schon seit Jahren Alltag. Der Gesundheitsminister erklärte, dass es bei den jetzt zu dezentralisierenden Gesundheitsleistungen um Röntgendiagnostik, Kontrolluntersuchungen bei chronisch Kranken und der Entnahme von Blutproben gehen soll, die in den vergangenen Jahren für immer mehr Menschen im ländlichen Raum oft mit stundenlangen Anfahrten in Zentralkrankenhäusern verbunden waren.

In allen Regionen neue Nahkrankenhäuser

In der Region Süddänemark werden neben Tondern auch die Städte Fredericia und Nyborg Nahkrankenhausangebote bekommen. In Nordjütland werden Nykøbing/Mors und Skagen mit Nahkrankenhäusern versorgt, in Mitteljütland Skive, Grenaa und Tram. Auf Seeland und Lolland wird mit solchen Krankenhäusern in Kalundborg, Nakskov und Næstved dezentralisiert, ebenso im Bereich der Hauptstadt, wo Frederiksund und Helsingør in den Genuss einer verbesserten Krankenhausversorgung kommen.

Tondern begrüßt Entscheidung in Kopenhagen

Tonderns Bürgermeister Henrik Frandsen (Tønder Listen) begrüßt die Berücksichtigung der Westküstenkommune bei der Auswahl der Standorte für neue Nahkrankenhäuser. „Das ist in meinen Augen sehr sinnvoll“, so Frandsen und fährt fort: „Wir verfügen in Tondern ja seit Jahren über einen Gemeinschaftsbetrieb in Form eines gut funktionierenden Krankenhauses. Es bilden einen guten Ausgangspunkt für eine Erweiterung der existierenden Angebote."

Genaues erst im Frühjahr 2022

Details der Aufgaben, die in den neuen Nahkrankenhäusern übernommen werden, stehen noch nicht fest. Die staatliche Gesundheitsbehörde soll dafür ein bis Frühjahr 2022 Konzept erarbeiten. Es werden bis zu vier Milliarden Kronen zur Verfügung gestellt. Bei den Planungen sollen die Regionen, die Kommunen, die Ärzteschaft und andere Beteiligte Gehör finden. Es ist geplant, dass vorhandene Gebäude genutzt werden.

Mehr lesen