Wirtschaft und Corona

Die Lage in der Nerzbranche spitzt sich weiter zu

Die Lage in der Nerzbranche spitzt sich weiter zu

Die Lage in der Nerzbranche spitzt sich weiter zu

Kitschelund/Kiskelund
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Das Corona-Virus macht auch vor Nerzfarmen nicht halt. Foto: Friedrich Hartung (Archiv)

Immer mehr Nerzbestände sind mit dem Corona-Virus infiziert und werden gekeult. Zunächst war es nur im Norden ein Problem, mittlerweile kommt das Virus auch hiesigen Farmen immer näher. Dass Möwen als mutmaßliche Überträger gelten, macht die Situation nicht leichter, weiß Züchter Jens Wistoft aus Kitschelund.

183 mit Corona infizierte Nerzfarmen sind in Dänemark ermittelt worden, darunter auch ein Betrieb in der Kommune Vejle. In mittlerweile mehr als 60 Betrieben sind sämtliche Tiere getötet worden.

Das waren die Daten der Lebensmittelbehörde „Fødevarestyrelsen“ am Wochenende.

Die Corona-Welle in dänischen Nerzfarmen mit der Tötung ganzer Besatzungen rückt immer weiter gen Süden.

Auch Nerz-Bestände, die keinen Virus haben, aber in einem Umkreis von 7,8 Kilometern zu einem betroffenen Hof liegen, müssen getötet werden.

Dadurch erhöht sich die Zahl der betroffenen Betriebe auf rund 400, so die Angaben der Behörde. Das ist rund ein Drittel aller dänischen Nerzhöfe.

Farmen ohne Infektion bekommen bei einer Tötung der Tiere volle Entschädigung für den Betriebsausfall, während Unternehmen mit Corona-Virus laut Behörde etwa 18 Prozent weniger erstattet bekommen. Die Sätze variieren zwischen 141 und 258 Kronen pro Tier.

Jens Wistoft, Nerzzüchter aus Kitschelund bei Krusau (Kruså), hatte sich Anfang Oktober noch optimistisch gezeigt, dass die Betriebe im südlichen Landesteil von der Corona-Pandemie verschont bleiben und ihnen dadurch das Keulen sämtlicher Tiere erspart bleibt.

Dass die Lebensmittelbehörde Möwen als mögliche Überträger von Farm zu Farm ausgemacht hat, sei ein schwacher Trost, denn Möwen sind kaum von Betrieben komplett fernzuhalten.

„Wenn man mit den Futtermitteln umsichtig umgeht und überschüssige Mengen verhindert – und das finde ich, tun wir bei uns – dann kann man das Möwenaufkommen zumindest minimieren“, so Jens Wistoft.

Möwen gelten als potenzielle Überträger des Corona-Virus in Nerzfarmen. Foto: Karin Riggelsen

Hoffen auf eine neue Ausgangslage

Trotz der prekären Lage sei er immer noch optimistisch, dass sich die Lage wieder entspannt. Seine Hoffnung stützt sich dabei auf ein Umdenken in der Reaktion auf Corona in Nerzfarmen.

„Der Übertragungsweg von den Nerzen auf den Mensch scheint nicht das Problem zu sein. Es sind kaum Infektionen bei Mitarbeitern in der Branche bekannt. Es gibt Überlegungen, der Corona-Infektion in den Betrieben ihren Lauf zu lassen. Der Anteil durch das Virus gestorbener Nerze in betroffenen Farmen soll lediglich ein Promille ausmachen. Das ist sehr wenig“, so Wistoft zu der Variante, bei einer Corona-Infektion nicht gleich zu einer Tötung aller Tier überzugehen. Ob diese Variante tatsächlich greifen wird, bleibe abzuwarten.

Die Behörde hatte das Keulen fortgesetzt und betroffene Nerzfarmen auch zu einem freiwilligen Handeln aufgefordert, zumal es volle Entschädigung gibt.

Die Corona-Pandemie bereitet Nerzzüchter Jens Wistoft und Kollegen Sorgen. Foto: Paul Sehstedt

Die Nerze einfach jetzt schon zu töten, um die Pelze quasi vor der sich nähernden Pandemie für den Handel in Sicherheit zu bringen, ist für Jens Wistoft und Kollegen keine Option.

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wistoft: „Das Winterfell ist noch nicht voll ausgeprägt. Die Pelze wären jetzt nichts wert. Erst um den 8. und 9. November ist es so weit.“

Kommt Corona dazwischen, dann dürfen die Pelze nicht in den Handel.

Existenzberechtigung

Mit der Corona-Infektion in Nerzfarmen ist die Grundsatzdiskussion neu aufgeflammt, ob man diese Art der Tierhaltung nicht besser ganz abschaffen sollte, wie es jüngst in anderen europäischen Ländern beschlossen wurde.

Auch hier gibt sich Jens Wistoft relativ gelassen. „Ich habe 1987 angefangen, Nerze zu züchten. Es hat seitdem immer Menschen gegeben, die dagegen sind, dass man Tiere züchtet, die nicht verzehrt werden. Diese Gegner gibt es auch heute, und sie wird es in Zukunft geben“, so Wistoft.

Wohl wissend, dass Nerze keine Nutztiere wie Schweine oder Rinder sind, heftet er sich an die hohen Tierhaltungsnormen, die in der Nerzbranche in Dänemark gelten.

„Es sind hohe Standards“, betont der Nerzzüchter.

In Dänemark gibt es laut der dänischen Nahrungsmittelbehörde 1.138 Betriebe mit Nerzhaltung.

Kritik wird mittlerweile am praktischen Vorgehen der Lebensmittelbehörde bei der Tötung in Nerzbetrieben laut. Züchter bemängeln unter anderem, dass keine ausreichenden Behälter für den Abtransport getöteter Nerze vorhanden sind und Kadaver unter freiem Himmel zwischengelagert werden.

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