Coronavirus

Nerze können auch an Covid-19 erkranken

Nerze können auch an Covid-19 erkranken

Nerze können auch an Covid-19 erkranken

Paul Sehstedt/Anke Haagensen
Kitschelund/Kiskelund
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Pelztierzüchter Jens Wistoft hat in seinem Betrieb schon seit dem Covid-19-Ausbruch die verschärften Sicherheits- und Hygieneregeln befolgt. Als Vorsitzender der nordschleswigschen Pelztierzüchter verfolgt er die nationale sowie internationale Entwicklung genauestens. Foto: Paul Sehstedt

Der nordschleswigsche Pelztierzüchter Jens Wistoft beobachtet seine Tiere seit dem Coronaausbruch intensiv. In Nordjütland steht ein Betrieb unter Quarantäne.

Können Pelztiere, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, Menschen anstecken?

Diese Frage beschäftigt die internationale Pelztierzuchtbranche augenblicklich, nachdem in den Niederlanden an Covid-19 erkrankte Nerze in einem Betrieb entdeckt wurden. Die dortigen Behörden haben resolut gehandelt und 13 Pelztierhöfe unter Quarantäne gestellt sowie 400.000 Tiere getötet.

Ein aktueller Fall in Nordjütland

Der Verdacht, dass das Coronavirus von Tier auf Mensch übertragen werden kann, erhärtet sich durch einen aktuellen Fall aus Nordjütland. Dort konnte am Wochenende ein an Covid-19 erkrankter Patient mit einer Nerzfarm in Verbindung gebracht werden.

Vorsorglicherweise wurde der Betrieb unter Quarantäne gestellt. Ein Bluttest hat ergeben, dass 34 Tiere dieser Farm tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert sind. Die Behörden haben deshalb am Mittwoch, 17. Juni, angeordnet, dass alle Tiere der betroffenen Nerzfarm getötet werden müssen. Darüber hinaus wird an einer Teststrategie gearbeitet, um herausfinden zu können, ob weitere Pelztierzuchten in der Umgebung betroffen sind.

Strenge Einhaltung der Hygieneregeln

Wie verhält sich die Branche in Nordschleswig? Diese Frage stellte „Der Nordschleswiger“ dem Pelztierzüchter und Verbandsvorsitzender für Nordschleswig, Jens Wistoft, Mulmark bei Kitschelund.
„In unserem Betrieb haben wir die Sicherheits- und Hygieneregeln streng eingehalten und haben seit dem Coronaausbruch die Tiere intensiv beobachtet“, erklärt der 60-Jährige, der seit 1986 Pelztiere züchtet.

Auch Nerze können sich mit dem Coronavirus infizieren. In den Niederlanden wurden bereits 400.000 Tiere vorsichtshalber getötet, weil in einigen Betrieben der Coronavirus festgestellt wurde. Foto: Paul Sehstedt

„Genau wie Menschen können auch Nerze an Influenza erkranken, obwohl das selten ist. In Holland wurden einige Tiere in einer Zucht von Mitarbeitern angesteckt, da dort die Coronaschutzempfehlungen nicht befolgt wurden. Die niederländischen Behörden vermuten, dass eine Tier-zu-Mensch-Ansteckung möglich ist und haben daraufhin reagiert.“

Politische Aktivitäten eingeschränkt

„Der Nordschleswiger": „Werdet ihr jetzt verschärft die Schutzempfehlungen durchführen?“
„Schon beim Ausbruch haben wir alle Gruppenbesuche abgesagt, ich habe meine politischen Aktivitäten wesentlich eingeschränkt; meine Mitarbeiter und ich schauen nicht nur die Tiere, sondern uns auch gegenseitig an, ob jemand Symptome zeigt“, schildert Wistoft die Lage in seinem Betrieb, der jährlich rund 20.000 Felle produziert.

Dänemark ist weltweit der größte Nerzproduzent und eines der 24 Länder, in denen die Zucht erlaubt ist.
„Wir sorgen dafür, so wenig Kontakt mit anderen zu haben und befinden uns sozusagen in einer freiwilligen Isolation“, sagt Wistoft, der außer als Verbandsvorsitzender der Pelztierzüchter auch als Stadtratsmitglied in Apenrade politisch aktiv ist.

Jens Wistoft hat zurzeit seine politischen Aktivitäten wegen der aktuellen Situation ein wenig zurückgeschraubt. Foto: Paul Sehstedt

Ist Corona von Tier auf Mensch übertragbar?

„Der Nordschleswiger“: „Die Lebensmittelbehörde (dän.: Fødevarestyrelsen, red. Anm.) hat einen Betrieb in Nordjütland unter Quarantäne gestellt. Befürchtet die Behörde eine Ansteckung?“
„Das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, da wir bisher nicht wissen, ob die Nerze Menschen anstecken können“, erläutert der Züchter.

Die zuständigen dänischen Behörden nehmen die vorläufigen Untersuchungen und die Ansteckungen in niederländischen Betrieben zum Anlass, eine Warnung an die rund 1.400 dänischen Nerzzüchter herauszugeben: „Nerze und andere Tiere der Mardergattung können möglicherweise mit dem Virus infiziert sein und daher sollten Personen, die mit angesteckten Tieren arbeiten, zu Hause bleiben.“

Die Lebensmittelbehörde empfiehlt einen Tierarzt zurate zu ziehen, falls der Gesundheitszustand der Nerze sich verschlechtern sollte.

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