Die Woche am Alsensund

„Zum Kaffee-Klatsch ins Rathaus“

Zum Kaffee-Klatsch ins Rathaus

Zum Kaffee-Klatsch ins Rathaus

Sonderburg/Sønderborg
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Nachdem der Ökonomieausschuss im Rathaus getagt hat, werden wir Journalisten zum Pressegespräch eingeladen. Foto: Karin Riggelsen

Holz ist das neue Gold, findet Journalistin Sara Wasmund in ihrer neuen Kolumne „Die Woche am Alsensund“. Nach einer Fahrt durch einen Eiskanal stellt sie im Sonderburger Rathaus fest: Manchmal muss man seine eigenen Fragen auch mal infrage stellen.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eis zum Beispiel. Kostet nichts, liegt derzeit überall rum, ist wahnsinnig zerbrechlich und verschwindet am Ende im Nichts. Aber was will man auch mit Gold. Im Moment scheint mir Brennholz weitaus wertvoller. Hält auch nicht ewig, spendet aber immerhin Wärme.

Mit Blick auf meinen Holzvorrat in der Scheune hege ich eine vorsichtige Hoffnung, dass wir diese kleine Eiszeit in Süddänemark überleben werden.

Ich Narr hatte vor Kurzem und nach mehreren schneefreien Wintern noch vollmundig verkündet, auf Alljahres-Autoreifen umstellen zu wollen, um mir das Rumgewechsel im Frühjahr und im Herbst zu sparen. Aktuell spiele ich mit dem Gedanken, mir via Amazon Schneeketten zu bestellen. Anders ist der Schneewehen ja gar nicht mehr Herr zu werden!

Berufsbezeichnung mit R: Räuber

Ich hatte in dieser Woche den ein oder anderen Interviewtermin außerhalb meiner eigenen vier Homeoffice-Wände. Ein Mordprozess und ein Haftprüfungstermin wegen eines Raubüberfalls führten mich ins Sonderburger Gericht, wo ich bei dem vor mir auf dem Anklagestuhl sitzenden Mann an meine alte Schulfreundin Johanna denken musste. Die hatte bei unseren unzähligen Stadt-Land-Fluss-Runden im Chemieunterricht unter Berufsbezeichnung mit R einmal überraschend mit „Räuber“ gepunktet. Und wir haben sie damals noch ausgelacht …

Außerdem hatte der Bürgermeister am Mittwoch zu 13 Uhr zum Presse-Gespräch ins Sonderburger Rathaus eingeladen, und so galt es mehrfach, den Weg in die Stadt am Alsensund zu finden. Buchstäblich.

Schnee von gestern Foto: Sara Wasmund

Da der kleine asphaltierte Weg hinauf ins Dorf Blans von meterhohen, ackerbraun angewehten Schneewänden umgeben ist, die der Schneepflug aufgetürmt hat, ist der Vergleich mit einer Bobbahn nicht weit hergeholt. Der Eiskanal ist nur breit genug für ein Fahrzeug. So gilt es, vor dem Schwungholen den Blick über den Horizont schweifen zu lassen, um unnötige Zusammenstöße mit dem Postauto zu vermeiden.

Mit Schwung und einem guten Gefühl für die Kurven kommt man weit. Am Gutshof mit ganzem Gewicht nach links auf die Fahrertür gelegt und ein gewisses Spiel mit der Handbremse, schon ist man links hinauf in den Ort geschlittert und auf einer geräumten, schneefreien Straße. Durch Glück und etwas Geschick auch noch mit beiden Seitenspiegeln.

Kaffee und eine Schale voller Süßigkeiten: Der Bürgermeister füttert uns Journalisten einmal im Monat mit Informationen und Celebrations. Foto: Sara Wasmund

Kurz darauf hielt ich anstatt des Lenkrads einen Kuli in der Hand, um einige Aussagen des Bürgermeisters auf den Notizblock zu kritzeln. Der Grund: Einmal im Monat tagt der kommunale Ökonomieausschuss, um über die Finanzen oder diverse Bau- und Großprojekte der Kommune Sonderburg zu entscheiden.

Um zu vermeiden, dass der Bürgermeister meinen Kollegen der dänischen Lokalzeitungen und mir von der deutschen Digitalzeitung kurz nach Sitzungsende alles dreimal erzählen muss, lädt der Bürgermeister seit geraumer Zeit zum anschließenden Pressegespräch ins Rathaus ein. Er schlägt quasi drei Fragende mit einer Tagesordnung.

Fragen ist Silber und Schweigen ist Gold

Der so zustande kommende Kaffee-Klatsch im Bürgermeisterbüro ist immer eine außerordentlich gute Gelegenheit, mit klugen Fragen zu punkten und einen glänzenden Eindruck zu hinterlassen. „Wo sind denn alle Snickers hin?“, mag sich als Frage beim Blick in die auf dem Konferenztisch stehende Schale mit Celebrations-Mix aufdrängen. Beantwortet sich durch das kauende Kommunaloberhaupt aber von selbst.

In solchen Situationen gilt: Fragen ist Silber, und Schweigen ist Gold.

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