Klimakonferenz

Wie kann Dänemark das Weltklima retten, Dan Jørgensen?

Wie kann Dänemark das Weltklima retten, Dan Jørgensen?

Wie kann Dänemark das Weltklima retten, Dan Jørgensen?

Sonderburg/Sønderborg
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Die Schüler Andreas Johansson, Umut Attermann und Noa Lykkegaard (v. l.) stellten Klimaminister Dan Jørgensen ihre Fragen. Foto: Sara Eskildsen

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Drei Schüler und ein Minister – zum Auftakt der Sonderburger Klimakonferenz gab es eine besondere Diskussionsrunde am Stadthafen.

An Wind zur nachhaltigen Energiegewinnung mangelt es Dänemark jedenfalls nicht. Das stand schon mal fest, als Andreas Johansson, Umut Attermann und Noa Lykkegaard von der Sønderskov-Schule am Dienstagnachmittag auf Klimaminister Dan Jørgensen (Soz.) trafen. Das weiße Diskussionszelt am Hafen schwankte im Wind – hielt der Diskussionsrunde und den Böen aber stand.

Die drei Schüler durften dem Klimaminister am Rande der Konferenz der Internationalen Energie Agentur (IEA) ihre Fragen stellen.

Während Politikerinnen und Politiker aus aller Welt zusammen mit Organisationen und Unternehmen am ersten Konferenz-Tag dieser Woche die Klimapolitik von heute diskutierten, stellte sich Dänemarks Klimaminister den Fragen der 14-jährigen Umweltschützer.

Sind wir in Dänemark klimabewusst genug?

„Das würde ich nicht sagen. Ich will es so ausdrücken: Einerseits machen wir richtig viel, und darauf dürfen wir auch immer wieder stolz sein. Zum Beispiel darauf, dass wir hier in Sonderburg stehen, mit Ministerinnen und Ministern aus der ganzen Welt, um zu zeigen, wie gut wir es in Dänemark machen. Aber wir müssen uns auch immer wieder sagen, dass wir es besser machen können. Einige werden sagen: Wie könnt ihr es euch in Dänemark herausnehmen und behaupten, dass ihr ein Vorreiter seid, wenn ihr so viel mehr verbraucht als normale Menschen in anderen Teilen der Welt. All die schicke Kleidung, die ihr anhabt, und wir stehen hier in einem Plastikzelt und trinken Kaffee aus Plastikbechern und all das. Ein ganz normaler Einwohner in Indien wird wohl der Meinung sein, dass wir im Überfluss leben. Verglichen damit verursachen wir weitaus mehr CO₂ mit unserem Lebensstil. Ich finde: Wir sollten weitermachen und gute Lösungen finden, die dem Rest der Welt helfen. Aber wir müssen auch etwas an unserem eigenen Verbrauch ändern. Auf jeden Fall muss er nachhaltiger werden, wenn wir weiterhin sagen wollen, dass wir es gut genug machen.“

Die Gesprächsrunde im Debattenzelt am Stadthafen war eine der ersten Veranstaltungen im Rahmen der Klimatage, die in dieser Woche in Sonderburg stattfinden. Foto: Sara Eskildsen

Was tust du persönlich in deinem Zuhause für Klima und Umweltschutz?

„Ich arbeite so viel, dass ich fast nie zu Hause bin. Aber wenn ich eine Sache nennen soll, wo ich wirklich einen Unterschied bemerke, dann ist es, dass ich weitaus weniger Essen wegschmeiße als noch vor ein paar Jahren. Ich denke besser nach, wenn ich einkaufe, anstatt einfach alles zu kaufen, worauf man Lust hat. Am Ende schafft man es doch nicht zu kochen, und schmeißt Dinge weg. Wir werfen alle unglaublich viel Nahrung weg, und das ist eine große Klimabelastung. Man könnte 30 bis 40 Prozent unserer Lebensmittelproduktion einsparen! Ich esse außerdem sehr viel weniger Fleisch – und ich habe kein eigenes Auto. Mein Ministerauto ist elektrisch betrieben.“

Was ist dein Traumszenario für Dänemark?

„Mein Traumszenario wäre, dass wir weiterhin ein Land sind, von dem sich andere Länder auf der ganzen Welt Lösungen abschauen. Dass beispielsweise ein Gouverneur eines großen Staates in Indien sagt: Jetzt muss ich grundlegend unser Energiesystem verändern. Wer kann uns dabei helfen? Und wir müssen uns daran erinnern, dass ein kleiner Staat in Indien vielleicht zehnmal so viele Einwohnerinnen und Einwohner hat wie Dänemark. Und dass diese Verantwortlichen dann nach Dänemark schauen und von dänischen Unternehmen und Verwaltungen beraten werden. Dass sie Lösungen nutzen, die wir entwickelt haben.“

Glaubst du, dass Sonderburg es schaffen kann, bis 2029 CO₂-neutral zu sein?

„Ja, das glaube ich. Das, was hier in Gang gesetzt wurde – schon lange bevor alle um Klimaschutz geredet haben – ist wirklich beeindruckend. Dass man so eine gute Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Lokalpolitik und die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger hat, das ist meiner Ansicht nach ganz und gar fantastisch. Daher glaube ich ganz bestimmt, dass es klappt.“

Aber es kann auch sein, dass man – um unabhängig vom russischen Gas zu werden – auf andere nicht nachhaltige Energieformen setzt. Beispielsweise auf Öl, und das ist noch schlimmer als Gas. Das wird auf dieser Konferenz eines der Hauptthemen sein: Dass diese Krise nicht dazu führt, verkehrte Investitionen zu tätigen, sondern die richtigen.

Dan Jørgensen, Klimaminister

Wie genau kann das gelingen? „Als erstes: man braucht ein Ziel. Es kann banal klingen, aber in der Politik ist es oft so, dass die Politikerinnen und Politiker ein klein bisschen Angst davor haben, sich feste Ziele zu setzen, die zu ehrgeizig sind. Denn wenn man sich ein Ziel setzt und nicht genau weiß, wie man es erreichen kann, riskiert man, es nicht zu erreichen. Wenn Sonderburg es nun bis 2029 nicht schafft, CO₂-neutral zu werden, dann muss man mit Kritik rechnen. Und niemand mag Kritik. Daher hat man in der Politik die Tendenz dazu, sich Ziele zu setzen, die man ganz bestimmt erreichen kann. Aber das funktioniert beim Klima nicht. Die Zeit drängt und es ist so wichtig für den Planeten, dass wir sehr schnell handeln. Wir müssen Dinge versprechen, auch wenn sie unmöglich erscheinen. Und dann müssen wir uns dafür einsetzen, bis es gelingt.“

Im Rahmen der Klimatage und der Klimakonferenz der IEA finden im Debattenzelt am Hafen diverse Gesprächsrunden statt. Foto: Sara Eskildsen

Hat der Krieg in der Ukraine Einfluss auf das Klima in Dänemark? „Ja, das hat er. Indirekt. Der Krieg hat die Priese für Öl und Gas in die Höhe getrieben. Das hat einerseits einen positiven Effekt auf das Klima: Es macht sich mehr denn je bezahlt, auf alternative Energie zu setzen. Dass man erneuerbare Energie nutzt, statt Gas und Öl. Viele sind auch darauf aufmerksam geworden, dass es am billigsten ist, schlicht und ergreifend Energie zu sparen. Allein wenn man die Raumtemperatur um nur ein Grad senkt, lässt sich sparen – und die meisten werden es noch nicht mal bemerken. Aber es kann auch sein, dass man – um unabhängig vom russischen Gas zu werden – auf andere, nicht nachhaltige Energieformen setzt, beispielsweise auf Öl. Und das ist noch schlimmer als Gas. Das wird auf dieser Konferenz eines der Hauptthemen sein: Dass diese Krise nicht dazu führt, verkehrte Investitionen zu tätigen, sondern die richtigen.“

Minister Dan Jørgensen wird in dieser Woche in Sonderburg die Klimapolitik der kommenden Jahre mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt besprechen und dänische Lösungen aufzeigen. Foto: Sara Eskildsen

Wird diese Konferenz die Sicht der Menschen auf das Klima verändern?

„Ich hoffe, dass es die Sicht auf die Lösungen verändert. Übermorgen fahren die Politiker, Gesandten und Wirtschaftsleute mit Bussen raus in die Kommune, um konkrete Lösungen zu erleben. Diese Lösungen können sie mit nach Hause in ihre Länder nehmen und dort umsetzen. Ebenso wie ich hoffe, dass wir am Donnerstag ein gemeinsames Abkommen treffen. Eine Art Fahrplan für uns alle, wie die Lösungen genutzt werden können.“

Was willst du in deiner Zeit als Minister erreichen? „Jetzt habe ich noch rund 12 bis 15 Jahr vor mir, da muss ich mich beeilen. Spaß beiseite, wir werden sehen, was nach dieser Wahlperiode passiert. Wir müssen all die wichtigen Entscheidungen treffen, um 2030 wie geplant CO₂-neutral werden können. Wir brauchen eine entsprechende Gesetzgebung, wir brauchen die finanziellen Rahmen, eine Steuerreform, die Unternehmen zeigt, dass es sich lohnt, sich umzustellen. Und dass es sich ganz bestimmt nicht lohnt, es sein zu lassen. All die Dinge.“

Umut Attermann, Noa Lykkegaard und Andreas Johansson (v. l.) sind von der Energiepatrullie der Sønderskov-Schule. Ihr Klassenlehrer hatte das Klimaministerium kontaktiert und um eine Diskussionsrunde mit den Schülern gebeten – mit Erfolg. Foto: Sara Eskildsen
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