Schädlingsbekämpfung

Die Ratten sind da: Boris beißt die Schadnager tot

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Boris ist der einzige offizielle Rattenhund der Kommune Sonderburg. Fürs Foto stellt er mit einer Plüschratte nach, wie er mit den Schadnagern verfährt.

3.036-mal haben Bürgerinnen und Bürger in diesem Jahr schon die Rattenfänger der Kommune Sonderburg zur Hilfe gerufen. Wie die Verwaltung mit der aktuellen Rattensituation umgeht und welche Rolle ein tierischer Jäger spielt.

Es ist noch früh am Vormittag, als Rattenfänger Boris mit einem gezielten Biss in den Nacken des Schadnagers den ersten Erfolg des Tages verbucht: Der Haushalt am I P Nielsensvej in Broacker (Broager) hat eine Ratte weniger.

Mit aufgeregtem Fiepen hatte der dänisch-schwedische Hofhund seinem Herrchen Sven Bro Lund zuvor den Weg zur Ratte angezeigt. Im Waschraum hinter dem Trockner hatte sich die Ratte eingenistet.

Fünf Zweibeiner und ein Hund

Über das Lüftungsrohr spazierte sie rein und raus und ließ sich zudem das Katzenfutter in der Waschküche schmecken. All das konnte Boris seinem Chef anzeigen, und noch dazu hatte er Dienstagmorgen Glück: Boris stöberte die Ratte auf und biss sie tot.

Um der vielen Ratten Herr zu werden, hat die Kommune aktuell zwei zusätzliche Angestellte sowie einen privaten Schädlingsbekämpfer hinzugezogen. Der achtjährige Boris ist derzeit der einzige Rattenhund der Kommune Sonderburg. Fünf feste, zweibeinige, Mitarbeiter hat die Abteilung für Rattenbekämpfung im Normalfall.

In diesem Jahr haben Haushalte der Kommune Sonderburg bislang 3.036-mal einen Rattenbefall gemeldet.

Die Rattenbeauftragte der kommunalen Abteilung für Umwelt und Abfall, Lisa Nielsen, sagt: „Die Kommune hat das Glück, dass Sven privat einen Hund hat, den er zum Rattenspürhund ausgebildet hat. Das können wir natürlich nicht von allen Mitarbeitern verlangen. Dass Boris mit im Team ist, stärkt den Einsatz gegen Ratten, ohne Frage. Und zudem müssen wir dadurch auch weniger Gift auslegen.“

Boris zeigt ein Rattenloch am Hühnerauslauf an. Der Hühnerstall ist jedoch auch nach unten hin mit Maschendraht gesichert, daher kann die Ratte nicht ins Innere zum Hühnerfutter vordringen.
Sven Bro Lund und sein Hund Boris sind nicht nur privat ein Team, sie arbeiten auch beruflich zusammen.

Um Boris auf Ratten abzurichten, hat Sven dem Hund von klein auf Tücher ins Körbchen gelegt, die zuvor um Ratten gewickelt waren. Unter anderem sorgte diese Geruchskonditionierung dafür, dass Boris buchstäblich auf Ratten abfährt.

Boris weiß, wo die Ratten hausen

„Dass er von den Ratten auch mal gebissen wurde, hat seinen Jagdtrieb noch besser gemacht. Insgesamt ist er in den acht Jahren 18-mal gebissen worden“, sagt Herrchen Sven Bro Lund.

Ist Boris bei einem Termin dabei, kann er dem Rattenbekämpfer sofort anzeigen, ob eine Ratte vor Ort anwesend ist – oder wo genau sie aktiv gewesen ist.

Bei Boris zweitem Einsatz an diesem Tag an der Sundgade in Ekensund erschnüffelt der Hund unter anderem ein Rattenloch im Hochbeet und er zeigt an, dass die Ratte großes Interesse am Schuppen mit Hühnerfutter gezeigt hat.

Die Anwohnenden der Häuser an der Sundgade hatten die Rattenbekämpfer gerufen, da Spuren eines Schadnagers auf dem Dachboden eines Anbaus zu sehen waren. Zusammen mit einem Kollegen inspizieren Boris und Sven das Außengelände. Sie übergeben eine schriftliche Aufforderung, den Schuppen mit Metallleisten abzusichern und die Öffnungen zwischen Dach und Hauswand zu schließen. Außerdem hinterlassen sie mehrere Schnappfallen mit Giftködern, die nach Erdnuss riechen.

In den Schuppen mit dem Hühnerfutter ist noch keine Ratte vorgedrungen, doch Boris zeigt an, dass die Ratte außen rum geschlichen ist und versucht hat, nach Innen vorzudringen.
Boris` Nase ist auf den Geruch von Ratten abgerichtet. Von klein auf ist er positiv darauf konditioniert. Hier am Schuppen kann er riechen, dass eine Ratte in der Nähe war.

„Wir hinterlassen zudem einen sogenannten Denkzettel. Mit Änderungsvorschlägen, die umgesetzt werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger müssen ihr Haus gegen Ratten sichern“, stellt Lisa Nielsen fest. „Und es ist wichtig, dass sie uns umgehend hinzurufen, wenn ein Verdacht auf Ratten besteht. Nur so können wir wirkungsvoll handeln."

Allein im November sind der Kommune Sonderburg 433 Fälle gemeldet worden.

Wer nichts unternimmt, um Eigentum gegen Ratten zu sichern, wird erneut dazu aufgefordert. Werden keine Änderungen vorgenommen, kann die Kommune auf Kosten des Hausbesitzenden Handwerker beauftragen, um etwa kaputte Rohre zu ersetzen oder Futterlagerplätze zu sichern. Zu dieser Maßnahme musste die Kommune im vergangenen Jahr rund zehnmal greifen.

Diesen „Denkzettel“ übergeben die Rattenbekämpfer an betroffene Haushalte.
Lars Andresen untersucht den Weg der Ratte rein in den Dachstuhl. Vermutlich ist sie über die Öffnung zwischen Dach und Hauswand eingedrungen.

„Wir erhalten deutlich mehr Rattenmeldungen als normal“

Auch bei Vogelfutterstellen gilt es, aufmerksam zu sein: „Die Frage ist, ob man die Vögel oder die Ratten füttert. Wenn ein Rattenbestand vorhanden ist, muss die Futterstelle abgebaut werden“, sagt die Rattenbeauftragte.

Für Boris und seine Zweibeiner von der Rattenbekämpfung gibt es in diesem Jahr viel zu tun. „Wir erhalten deutlich mehr Rattenmeldungen als normal“, sagt Lisa Nielsen. Ihre Erklärung: „Ein milder Herbst und viel Regen, der einige Nester unter der Erde unterspült hat. Daher mussten sich viele Ratten ein neues Quartier suchen.“

Neben der bissigen Waffe auf vier Pfoten setzt die Kommune bei größeren Gebäuden und Rattenbeständen, beispielsweise auf Bauernhöfen, auch auf den Abschuss der Tiere.

Hier im Hochbeet hat Boris ein Rattenloch an einer Karottenwurzel entdeckt.
Riecht nach Erdnuss: Das Anwesen an der Sundgade in Ekensund ist nun mit einigen Giftköder-Fallen ausgestattet, die täglich kontrolliert werden müssen.
Lisa Nielsen mit einem Infoblatt der Kommune, das anzeigt, wie sich Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer Ratten vorbeugen können.

Sein zweiter Einsatz des Tages endet für Boris ohne gefangene Ratte. Also springt er erwartungsvoll auf den Beifahrersitz des weißen Einsatzfahrzeugs. Vielleicht hat er ja beim nächsten Gebäude wieder das Glück, auf eine unerwünschte Ratte zu stoßen.

Wer Boris auf Facebook folgen will, kann das hier tun.

Wie man sein Haus gegen Schadnager sichert, erklärt die Kommune hier.

Weiter geht es zur nächsten Rattenmeldung: Die Arbeitsfreude ist Boris deutlich anzumerken.
Einer von fünf Angestellten: Lars Andresen fährt im Auftrag der Kommune zu jenen Adressen, wo die Anwohnenden eine oder mehrere Ratten gemeldet haben.