Klimaziele

Nur mal kurz die Welt retten – Brians Job geht alle an

Nur mal kurz die Welt retten – Brians Job geht alle an

Nur mal kurz die Welt retten – Brians Job geht alle an

Sonderburg/Sønderborg
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Brian Seeberg leitet seit dem 1. Juni das Sekretariat für kommunale Klimaziele, ProjectZero. Foto: Karin Riggelsen

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Brian Seeberg ist der neue Direktor von ProjectZero. Wie will er die Menschen und Unternehmen in der Kommune dazu bringen, Energie zu sparen? Ein Antrittsinterview.

Es weht ein neuer Wind im Klimasekretariat ProjectZero, nachhaltig ist er immer noch: Brian Seeberg ist seit dem 1. Juni neuer Direktor des kommunalen Energieprojektes. Sein neuer Arbeitsplatz liegt direkt am Alsensund, im Haus des Wissens („Videnshus“) am Norderhafen. Das ProjectZero selbst ist Anfang Juni aus dem Alsion ins Gebäude gegenüber gezogen.

Beim Antrittsbesuch verrät der 59-Jährige, was ihn dazu bewogen hat, seinen Arbeitsplatz als Abteilungsleiter für Energie und Versorgung bei der Versorgungsgesellschaft Verdo in Randers aufzugeben, um nach Sonderburg zu pendeln.

Woher kanntest du Sonderburg und ProjectZero und wie kamst du dazu, dich auf den Posten zu bewerben? „Ich habe während meiner gesamten Karriere für die Beraterfirma Cowi gearbeitet. Als ProjectZero 2007 seine Arbeit aufnahm, hat Cowi Beratungsaufgaben übernommen. Wir waren auch Ratgeber für die Kommune Sonderburg und für Sønderborg Varme. Außerdem habe ich viel mit Danfoss zusammengearbeitet. Teilweise über Fernwärmeprojekte in China, wo wir Masterpläne für die Energiesysteme ganzer Städte erarbeitet haben.“

Über diverse Vorstandsposten in der Energiebranche kannte er außerdem den damaligen Danfoss-Chef Jørgen Mads Clausen – und dessen Vision einer energiesparenden und CO₂-neutralen Welt.

Brian Seeberg an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Haus des Wissens am Sonderburger Stadthafen Foto: Karin Riggelsen

Es gibt in Deutschland ein Lied in dem heißt es: „Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg' ich zu dir. Noch 148 Mails checken. Wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel.“ Hast du manchmal dieses Gefühl, dass du eine wirklich große Verantwortung trägst?
„Ich brenne auf jeden Fall dafür, in Sachen Klima einen Unterschied zu machen. Ich will Städten, Unternehmen und Leitungsebenen dabei helfen, die Möglichkeiten in der grünen Umstellung zu nutzen. Zu mehr Wachstum, Entwicklung und Geschäften. Dass wir uns fragen: Was haben wir als Gesellschaft davon? Es geht darum, die Möglichkeiten auszunutzen. Dass konkret etwas passiert.“

Mit der deutschen Sprache kam Brian Seeberg bereits als Kind in Berührung. „Ich bin im Dreiecksbereich im deutschen Sendebereich aufgewachsen“, verrät Brian Seeberg. „Als ich in die erste Klasse kam, konnte ich ZDF-Deutsch sprechen. Alle Filme wurden synchronisiert, wir sahen Winnetou und Old Shatterhand auf Deutsch.“

Brian Seeberg pendelt von Vejle nach Sonderburg

Er lebt mit seiner Familie in Vejle – und pendelt nach Sonderburg. „Ich bin elf Jahre lang nach Kopenhagen gependelt, verglichen damit ist es nicht weit nach Sonderburg. Wir haben als Familie unsere Basis in Vejle – und fahren zu unserer Arbeit. Aber ich muss schon sagen, dass es hier fantastisch schön ist.“

Wenn wir das Klima noch retten wollen – wie viel Zeit bleibt der Gesellschaft noch, sich umzustellen?
„Ich denke es ist uns allen klar geworden, dass wir jetzt und hier etwas tun müssen. Derzeit sehen wir an unseren Energierechnungen, dass es an der Zeit ist. Licht aus und weniger Wärme, das erleben wir gerade alle. Und die Ukraine-Krise zeigt uns, dass wir weg vom Gas müssen. Die Sonderburger Fernwärmeanbieter tun derzeit beispielsweise alles, um die große Nachfrage zu stillen. Jetzt kann man sehen: Die grüne Umstellung wird uns Bürgerinnen und Bürger in unserem Alltag beeinflussen. Es wird mehr Solarparks geben. Es wird mehr Windräder geben. Wir brauchen grüne Energie und das sind Windparks, Solaranlagen und Biogasanlagen. Die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger ist absolut entscheidend.“

Proteste gab es immer. Ich will mich dafür einsetzen, die Dinge zu erklären. Alle müssen einbezogen werden. Wir müssen Dinge in eine größere Perspektive setzen. Wer sich eine Wärmepumpe anschafft, braucht Strom. Dieser Strom muss irgendwo herkommen – das führt Windkraftanlagen und Solarparks mit sich.

Brian Seeberg, Direktor von ProjectZero
Brian Seeberg sagt: „Wir müssen die grüne Umstellung so erklären, dass sie verstanden wird. Ohne abstrakte Worte zu benutzen.“ Foto: Sara Eskildsen

Aber jedes Mal, wenn irgendwo Windkraftanlagen an Land oder eine Biogasanlage gebaut werden sollen, gibt es große lokale Widerstände. Wie soll das funktionieren?
„Proteste gab es immer. Ich will mich dafür einsetzen, die Dinge zu erklären. Alle müssen einbezogen werden. Wir müssen Dinge in eine größere Perspektive setzen. Wer sich eine Wärmepumpe anschafft, braucht Strom. Dieser Strom muss irgendwo herkommen – das führt Windkraftanlagen und Solarparks mit sich. Genau hier liegt eine Kommunikationsaufgabe. Wir brauchen die erneuerbare Energie. Wir brauchen mehr Biogasanlagen, Solaranlagen und Windkraftanlagen – die müssen irgendwo stehen, und zwar bald.“

Wie schnell könnten sich alle Bürgerinnen und Bürger des Landes mit nachhaltiger Energie versorgen?
„Das ist schwer zu sagen, denn es ist eine gigantische Umstellung unseres Energiesystems.“

Rein technisch wäre es jetzt schon möglich, dass jeder Haushalt eine kleine private Windmühle im Garten stehen hat. Wann dürfen Haushalte ihre eigene kleine Windkraftanlage aufstellen, um selbstversorgend zu sein? „Das weiß ich nicht. Wenn man selbstversorgend ist und dann noch Strom verkaufen kann – im Prinzip kann man das wohl. Aber ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass das ProjectZero einzigartig ist und an neuen Lösungen arbeitet. Und zwar alle zusammen. Mit Unterstützung des gesamten Stadtrat und den Unternehmen, die das unterstützen. Ich verstehe meine Aufgabe so: Ich habe nicht alle Antworten. Ich komme nicht mit einem fertigen Plan für alle. Aber wir alle haben den Wunsch, mehr aus der grünen Umstellung herauszuholen. Meine Aufgabe ist, das zu kommunizieren. Und die nächsten Schritte zu planen.“

Darüber nachdenken, wann die die Spülmaschine läuft

Derzeit trinke er „viele Tassen Kaffee“, um die Bürgerinnen und Bürger und die Entscheidungsträger der Kommune kennenzulernen. Ein Treffen mit dem Bürgermeister hier, eine Besprechung mit einem Unternehmen dort – derzeit steht das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm.

Als Berater für Stadtentwicklungen und Mitentwickler der Energiebranche sei er gut auf die Aufgabe vorbereitet. Er war im Energiesektor verantwortlich für die Geschäftsbereiche Windmühlen, Fernwärme und Kraftwerke und hat mit Kommunen und der Industriebranche zusammengearbeitet.

Was tust du selbst, um Energie – und Geld – zu sparen?
„Tatsächlich habe ich begonnen darüber nachzudenken, wann ich die Spülmaschine laufen lasse“, sagt Brian Seeberg. „Denn nachts ist der Strom günstiger.“ Aktuell steige er vom Verbrennungsmotor auf ein E-Auto um.

Wenn nun alle Autofahrenden in Dänemark innerhalb von fünf Jahren auf ein E-Auto umsteigen – gäbe es genug Ladestationen, beispielsweise wenn sie durch Deutschland reisen?
„Ich weiß nicht, wie es damit in Deutschland aussehen würde. Derzeit ist es schwer zu sagen, da der Markt noch etwas unausgegoren ist. Als Ausgangspunkt müssen wir alle zu Hause unsere Ladestationen haben und so weit wie möglich nachts aufladen. Wenn man in einer Wohnung lebt, müssen die Wohngenossenschaften für Ladestationen sorgen. Und es müsste Ladestationen an den Arbeitsplätzen geben.“

Die meisten Deutschen heizen immer noch mit Erdgas oder Heizöl. Ich hoffe, dass wir mit der neuen Regierung in Deutschland in einen Dialog treten können, um Lösungswege aufzuzeigen.

Brian Seeberg, Direktor von ProjectZero

Damit die grüne Umstellung nicht an der Grenze Halt macht, wünscht sich Brian Seeberg eine Kooperation mit einer Stadt in Norddeutschland.

„Ich träume von einer Partnerschaft mit einer Stadt in Schleswig-Holstein. Wir haben in Dänemark viel Wissen, das wir weitergeben können. Deutschland hat eine enorme Herausforderung in Sachen Gas. Das Land ist weitaus abhängiger vom Gas als wir. Mit einer Partnerschaft könnten wir Wissen austauschen. Denn alle Städte und Bürgermeister stehen derzeit vor der Frage, wie sie umstellen. Hier in Sonderburg können wir Lösungen vorweisen, die angewendet werden können. Die meisten Deutschen heizen immer noch mit Erdgas oder Heizöl. Ich hoffe, dass wir mit der neuen Regierung in Deutschland in Dialog treten können, um Lösungswege aufzuzeigen.“

In Dänemark habe man in den vergangenen zehn Jahren von Kohle auf Biomasse umgestellt und nutze heute eine Mischung aus Biomasse, Windenergie und Strom aus dem Süden.

Glaubst du daran, dass Dänemark bis 2030 planmäßig unabhängig von fossilen Brennstoffen ist?
„Es wird schwer, aber man muss ehrgeizig sein. Diese Energiekrise, die wir derzeit erleben, die wird mit dazu beitragen, um den Wandel voranzutreiben. Wir brauchen mehr Wind- und Sonnenenergie.“

Brian Seeberg freut sich auf ein erstes Gespräch mit Deutschlands Umweltminister Robert Habeck, der im September für einen Vortrag an die Uni nach Sonderburg kommt. „Da hoffe ich auf eine Unterhaltung mit ihm.“ Auch wenn Habeck Dänisch spricht – Brian Seeberg könnte die Unterhaltung auch auf Deutsch führen.

Mitte der 1990er Jahren lebte er ein Jahr lang in Deutschland – um als Projektleiter eine Energiestadt in Deutschland aufzubauen, in Rheinsberg bei Neuruppin. „Es ist eine Stadt mit 5.000 bis 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Wir haben alle Wohnblöcke der Stadt renoviert und für Fernwärme aus einem Kraftwerk gesorgt. Damals habe ich ein Jahr in Deutschland gelebt. Ich arbeite richtig gerne mit Deutschland zusammen.“

In erster Linie gelte es aber, die Sonderburgerinnen und Sonderburger weiter zu animieren, bei der grünen Umstellung mitzumachen. „Wir müssen die grüne Umstellung so erklären, dass sie verstanden wird. Ohne abstrakte Worte zu benutzen.“

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