Thema der Woche: Digitalisierung

Das digitale Zeitalter begann am Commodore 64

Das digitale Zeitalter begann am Commodore 64

Das digitale Zeitalter begann am Commodore 64

Gravenstein/Gråsten
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Wie alles begann: Der Commodore 64 hat der Digitalisierung den Weg in die Häuser der Däninnen und Dänen gebahnt. Foto: Frank Butterbrodt

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Sie sind Zeitzeugen aus einem Alltag, in dem Digitalisierung noch kaum eine Rolle spielte: Computer und Spielekonsolen aus den 1970ern und -80ern. Ein Retro-Event feiert die Anfänge des digitalen Zeitalters am Sonnabend an der Förde-Schule.

Das waren noch analoge Zeiten, als Behörden Briefe noch mit der Post verschickten und nicht per Benachrichtigung ans digitale Postfach von borger.dk. Eine Zeitreise in die Vergangenheit ist am Sonnabend bei der Veranstaltung „Retro-Computing“ in der Förde-Schule möglich.

Frank Butterbrodt lädt zusammen mit anderen Computer-Fans dazu ein, die Anfänge des Computerzeitalters nachzuerleben. Wie sahen Computer damals aus? Wie fühlte es sich an, auf einem Commodore 64 Spiele wie Pong, Summer Games oder Space Invaders zu zocken?

„Wir haben andauernd Pong gespielt“

Seinen ersten Kontakt mit der damals neuen Welt der Computer hatte der 1973 geborene Frank Butterbrodt als Kind. „Mein Cousin hatte irgendwann einen Commodore 64. Wir waren unglaublich fasziniert und haben andauernd Pong gespielt“, erzählt Butterbrodt, der als Pädagoge an der Förde-Schule arbeitet.

Eine Sofa-Ecke für alte Computer-Spiele wird in der Förde-Schule aufgebaut. Foto: Frank Butterbrodt

Vom Computerspiel zu einer eigenen Mailadresse war es damals aber noch ein langer Weg. Erst 1998 schrieb Frank Butterbrodt seine erste Mail – als 25-Jähriger. „Ich war damals auf Reise in Indien. Ein Engländer hat mir gezeigt, was eine Mail ist. Ich habe dann eine Mail geschrieben, wusste aber nicht, an wen. Es hatte ja damals niemand eine Mailadresse“, lacht Frank Butterbrodt.

Sehen, wo die Bits langlaufen

„Computer haben mich schon immer fasziniert, aber vor allem mein erster Commodore 64.“ Diese Faszination hat ihn nie losgelassen. „In den alten Rechnern kann man noch nachvollziehen, wo die Bits langlaufen“, sagt Butterbrodt. „Wer will, kann bei unserem Retro-Event mal in einen alten Rechner schauen und sehen, wie die alte Computersprache, wie das Programmieren funktioniert.“

Faszination Retro-Computer

Auch wenn er mittlerweile in einem voll digitalisierten Land lebt, in dem Behördenpost per Mail verschickt wird und jeder ein digitales Postfach hat, ist Frank Butterbrodt noch immer den alten Computern zugetan.

„Es gibt auch heute immer wieder neue Spiele und Hardware für die alten Computer. Das ist eine Faszination, und der Retro-Bereich erlebt einen unglaublichen Boom“, so Butterbrodt.

Frank Butterbrodt nimmt einige seiner alten Heimcomputer mit in die Förde-Schule. Foto: Privat

Die Dänen trauen sich da einfach mehr. Was bestimmt auch was mit der Bevölkerungsanzahl zu tun hat. Da ist es einfacher, Dinge auszuprobieren und umzustellen.

Frank Butterbrodt, Pädagoge

Dass Dänemark mit der Digitalisierung so viel weiter ist als Deutschland, hat seiner Ansicht nach verschiedene Ursachen. „Ich glaube, die Dänen haben mehr Vertrauen in ihre Regierung. In Deutschland ist der Datenschutz sehr viel ausgeprägter, was ja auch seine Berechtigung hat, wenn man an die Ursache dafür und an die Nazizeit denkt. Die Dänen trauen sich da einfach mehr. Was bestimmt auch was mit der Bevölkerungsanzahl zu tun hat. Da ist es einfacher, Dinge auszuprobieren und umzustellen.“

Doch ob Commodore 64 oder ein neues Apple-Gerät: 100-prozentigen Datenschutz kann kein Computer leisten, sagt Butterbrodt. „Man muss schon gut darüber nachdenken, was man an Informationen freigibt und wer das lesen kann. Ich schätzte das Computerzeitalter sehr – aber ich weiß auch, wie fehleranfällig es ist. Und das Leben sollte auch weitergehen können, wenn mal der Strom ausfällt.“

Computer-Zeitreise an der Förde-Schule

Wer sich für die Anfänge des Computerzeitalters interessiert, ist am Sonnabend, 9. Oktober, in der Förde-Schule willkommen. Ab 12 Uhr und mit offenem Ende bis abends können Besucherinnen und Besucher zocken, sich austauschen und alte Computer kennenlernen. Es gibt günstig Snacks und Getränke zu kaufen, und wer will, kann IT-Teile an der Mitnehm-Bar tauschen oder spenden. Der Eintritt ist frei.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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