Teure Hinterlassenschaft

Giftdepot in den Küstendünen: Entsorgung in Schlussetappe

Giftdepot in den Küstendünen: Entsorgung in Schlussetappe

Giftdepot in den Küstendünen: Entsorgung in Schlussetappe

Varde/Vejle
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Seit 2007 laufen die Einsätze zur Beseitigung von industriellen Altlasten in der Dünenkette bei Henne Strand. Aufgrund des hohen Gefahrenpotenzials müssen Beschäftigte oftmals Schutzkleidung anziehen. Foto: Region Süddänemark

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Die Region Süddänemark nimmt am Montag im Beisein von Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.) und der Regionsvorsitzenden Stephanie Lose eine neuartige Entsorgungstechnik in Betrieb. 7.000 Tonnen Giftabfälle wurden bereits entfernt: Das Badeverbot südlich von Henne Strand wird aber voraussichtlich erst 2042 aufgehoben.

Die für die Entsorgung industrieller Altlasten zuständige Region Süddänemark „feiert“ am Montag den Beginn der Schlussetappe der Beseitigung der Folgen eines der größten dänischen Umweltskandale.

Umweltministerin besucht Giftdeponie

Im Beisein von Umweltministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten) findet der symbolische erste Spatenstich zum hoffentlich erfolgreichen Ende der Beseitigung der zwischen 1956 und 1973 in die Küstendünen westlich von Varde abgekippten giftigen Industrieabfälle statt.

Der Strand bei der Kærgård Klitplantage wirkt beschaulich wie die benachbarten Strände. Aber durch den Sand sickern Gifte ins Meer. Foto: Region Süddänemark

Nachdem angesichts der Vergiftung der Dünenlandschaft südlich von Henne Strand mit unter anderem schwermetall- und cyanidhaltigem Schlamm bereits 1964 ein Badeverbot auf einem 800 Meter breiten Strandabschnitt verhängt worden war, tat sich viele Jahre nichts in Sachen Entsorgung der industriellen Altlast, die im Industriebetrieb Grindstedværket in Grindsted angefallen war.

Am Strand in Nachbarschaft der Deponie Kærgård Klitplantage gilt seit 1964 ein Badeverbot. Trotz erfolgreicher Entsorgung der Altlasten wird es voraussichtlich noch bis 2042 gelten. Foto: Region Syddanmark

Dort waren viele Chemikalien und Arzneimittel hergestellt worden, was sich im breiten Spektrum an Schadstoffen niederschlägt, die die Umweltbehörden in der Deponie vorfanden. In diese waren vor allem Abwässer gepumpt worden, die per Tanklaster aus Grindsted an die Küste gefahren worden waren.

Mit Tankwagen sind zwischen 1956 und 1973 rund 286.000 Kubikmeter giftige Abwässer in die Deponie gefahren worden. Erdreich und Grundwasser sind in großem Umfang mit Schwermetallen und vielen giftigen Verbindungen verseucht worden. Foto: Region Süddänemark

Neben schwermetall- und cyanidhaltigen Abwässern sind in der Deponie ölige Substanzen und chlorierte Kohlenwasserstoffe enthalten sowie Reste von Vitaminprodukten, Antibiotika, Schlafmitteln und neurologisch wirksamen Medikamenten. Insgesamt sind laut Region 286.000 Kubikmeter Abwässer in die Deponie gelangt.

Region seit 2007 zuständig

Mit der Kommunalreform 2007 ging die Zuständigkeit für die Altlastenentsorgung vom früheren Amt Ripen (Ribe) in die Hände der neuen Region Süddänemark über, die trotz unzureichender finanzieller Ausstattung im Bereich Altlastenentsorgung bis 2026 wohl mehr als 100 Millionen Kronen in das Entsorgungsprojekt steckt. Laut Region Süddänemark kann das Badeverbot auf dem kontaminierten Strandabschnitt auch bei erfolgreichem Verlauf der Entsorgung erst 2042 abgehoben werden.

Auch das Unternehmen Arkil mit Sitz in Hadersleben (Haderslev) ist an der Beseitigung der teuren Hinterlassenschaften des Unternehmens Grindstedtværket beteiligt. Viele Ladungen Schadstoffe sind in Entsorgungsunternehmen sogar in Deutschland und den Niederlanden befördert worden. Foto: Arkil A/S

Die Schadstoffe sickern weiter aus den Dünen mit dem Grundwasser in Richtung Meeresstrand. Aufgrund der hohen Kosten der Entgiftung der als „Generationsverunreinigung“ eingestuften Deponie Kærgård Klitplantage wurden viele „kleinere" Schadstofflagerstätten noch nicht saniert. Meist gibt es nur Einsätze bei akuter Bedrohung von Trinkwasservorkommen.

Neue Verfahren auch für Deponie auf Alsen brauchbar

Für die Schlussetappe waren 2020 weitere 33 Millionen Kronen vom Regionsrat bewilligt worden. In den Jahren 2014 bis 2019 wurden rund 30 Tonnen chlorierte Kohlenwasserstoffe entfernt. Das Material wurde größtenteils in Deutschland und in den Niederlanden in Spezialunternehmen entgiftet. Im Zuge der langjährigen Entsorgungsarbeiten ist viel technologisches Neuland betreten worden. Es konnten zahlreiche neue technische Verfahren zur Giftbeseitigung entwickelt werden. Davon dürften weitere Großprojekte wie die anstehende Entgiftung der Schadstoffe der Deponie Himmark an der Küste der Insel Alsen profitieren.

Der Strand bei Himmark auf Nordalsen wird in den kommenden Jahren entgiftet. Foto: Sara Eskildsen

Dort waren gefährliche Substanzen aus der Produktion des Unternehmens Danfoss aus zurückliegenden Jahrzehnten gelandet. Außerdem wurde mit behördlicher Genehmigung lange Abwasser samt bedenklichem Inhalt per Rohrleitung direkt in den Kleinen Belt abgelassen. Beim Fall Himmark unterstützt das Unternehmen Danfoss auch finanziell und technisch die Entsorgung.

Kein Verursacherprinzip

Prinzipiell haften die Verursacher nicht für die von ihnen angerichteten Umweltschäden und deren Beseitigung, weil die giftigen Substanzen im Rahmen seinerzeit geltender Gesetze in die Umwelt gelangt sind.

Diese Skizze der staatlichen dänischen Umweltbehörde Miljøstyrelsen zeigt, dass giftige chlorierte Kohlenwasserstoffe im Bereich der Giftkippe Kærgård Klitplantage bis in große Tiefen ins Grundwasser gelangt sind. Die Schadstoffe sickern auch zum Strand (links auf der Skizze), weshalb dort ein Badeverbot gilt. Foto: Miljøstyrelsen

Das Grindstedwerk hat mehrfach die Eigentümer gewechselt, der jetzige Betreiber Dupont arbeitet auch mit einer ganz anderen Produktionspalette als die einstige „Giftküche“ Grindstedværket, die auch für zahlreiche Giftdeponien im Ort Grindsted verantwortlich war.

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