Kommunalpolitik

„Odinsgård“: SF entzieht Direktion das Vertrauen

„Odinsgård“: SF entzieht Direktion das Vertrauen

„Odinsgård“: SF entzieht Direktion das Vertrauen

Hadersleben/Haderslev
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Leif Storgaard Pedersen fordert ein Ende der kommunalen Verschleierungstaktik. Foto: Ute Levisen

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Die Volkssozialisten in Hadersleben werfen dem Sozialressort der Kommune Verschleierungstaktik vor, statt akute Herausforderungen in der Woyenser Wohnungseinrichtung „Odinsgård“ anzupacken. In einem Brief an Bürgermeister Mads Skau spricht der Abgeordnete Leif Storgaard Pedersen im Namen seiner Partei der Leitungsebene die Fähigkeit ab, die Probleme zu bewältigen und den Weg für einen Neuanfang zu bahnen.

Der Haderslebener Kommunalratsabgeordnete Leif Storgaard Pedersen wendet sich mit einer Misstrauenserklärung im Namen des gesamten Vorstandes der Sozialistischen Volkspartei (SF) in Hadersleben an Bürgermeister Mads Skau (Venstre).

„Mit Blick auf die Missstände bei der Betreuung im „Odinsgård“, die von einer Kultur der Verrohung zeugen, glauben wir nicht daran, dass die zuständige Direktion in der Lage ist, ein neues Betreuungsangebot zu erarbeiten“, sagt Leif Storgaard Pedersen in einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“

Vorwürfe des Missmanagements

In seinem Schreiben legt der Kommunalpolitiker der Sozialistischen Volkspartei (SF) und Mitglied des Sozialausschusses dar, wie Angestellte der Betreuungseinrichtung für Menschen mit Behinderungen besorgniserregende Vorfälle im Umgang mit einem Bewohner gegenüber ihrer Leitung thematisiert hatten.

„Ihre Bedenken sind offenbar auf taube Ohren gestoßen“, stellt der Politiker fest.

Eine Mitarbeiterin habe ein Chefgespräch über sich ergehen lassen müssen. Darin sei es allerdings nicht um das Wohl des Bewohners gegangen, sondern um ihre Loyalität gegenüber der Kommune.

Frust und Ohnmacht

„Das sorgt beim Personal für Frustration und Ohnmacht, nicht aber für das Wohlergehen der Menschen im Odinsgård. Die Angestellten müssen Vertrauen zu ihren Vorgesetzten haben und ihre Sorgen mit ihnen teilen können – ohne dass sie zum Problem gemacht werden. Ohnmacht und Frustration befeuern eine Kultur der Verrohung“, sagt Pedersen.

„Wir arbeiten daran, schnellstmöglich ein funktionierendes, neues Betreuungsangebot zu erarbeiten“, sagt Direktor Rolf Dalsgaard Johansen. Foto: Pressefoto

Whistleblower-Richtlinie in der Kritik

Die Kommune Hadersleben leistet sich seit ein paar Jahren eine Whistleblower-Regelung, die teilweise von der renommierten Kopenhagener Anwaltskanzlei „Norrbom Vinding“ verwaltet wird.

Pedersen bezweifelt indes, dass diese Ordnung, die Kommunalangestellte schützen soll, ihren Zweck tatsächlich erfüllt.

In seinem Brief beschreibt er, dass eine Angestellte im „Odinsgård“ auch über diesen Kanal ihre Bedenken angemeldet habe: ergebnisoffen.
„Es kam keine Reaktion – nicht ein Piep!“, so Pedersen.

Direktor räumt Probleme ein

Die Kritik von SF richtet sich vornehmlich gegen den Direktor des Sozialressorts der Kommune, Rolf Dalsgaard Johansen. Dieser räumt ein, dass es seit Jahren Probleme in der Woyenser Einrichtung gibt:

„Ich verbringe einen Großteil meiner wachen Stunden damit, gute Bedingungen für die Menschen in der Betreuungseinrichtung zu schaffen. Das gilt nicht nur für Odinsgård, sondern für alle kommunalen Betreuungsangebote“, kommentierte Dalsgaard Johansen am Mittwoch die Misstrauenserklärung.

Angesprochen auf die Whistleblower-Regelung, betont der Direktor, dass Angestellte diese Möglichkeit nutzen könnten, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

„Ich bin nicht direkt in unsere Whistleblower-Ordnung involviert, was auch Sinn der Sache ist, da sich Leute anonym melden können sollen. Daher habe ich auch nicht notwendigerweise einen vollständigen Einblick in alle Informationen, die dort eingehen.“

 

Ignoranz gegenüber Bedenken

In der Fernsehdokumentation „Operation X“ erheben Angehörige schwere Vorwürfe gegen die Kommune Hadersleben. Die Sozialverwaltung hat vor diesem Hintergrund bereits im Sommer ihr Anwaltsbüro damit beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. 

Pedersen berichtet in diesem Zusammenhang von einer Abteilungsleiterin, die bereits seit 2020 für eine Schließung der Woyenser Einrichtung plädiert habe. Ihre Sorgen seien indes von der Führungsetage ignoriert worden, unterstreicht Storgaard. Auch bezweifle er, dass die Direktion den Sozialausschuss vollumfänglich informiert habe.

Diese Behauptung wolle er nicht kommentieren, so der Direktor: „Doch sind wir stets bestrebt, alle Informationen in Bezug auf jene Sachverhalte darzulegen, die wir an die Politik weiterleiten.“

 

Mads Skau stellt sich schützend vor seine gescholtene Direktion. Foto: Ute Levisen

Einschüchterungsversuche gegenüber Angehörigen

Ein weiterer Vorwurf seitens SF betrifft die von Angehörigen berichtete Einschüchterung durch Direktor Dalsgaard Johansen.

Dieser hat – ihnen zufolge – damit gedroht, dass ein Bewohner die Einrichtung verlassen müsse, sollte seine Familie die Missstände dort weiter anprangern.
Pedersen betont, dass andere Betroffene dieses Vorgehen bezeugen können – und eine Tonaufnahme den Vorwurf untermauert.

„Den konkreten Vorwurf kann ich nicht kommentieren, da mir die Einzelheiten darin nicht bekannt sind“, sagt Rolf Dalsgaard. Er unterstreicht, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, irgendjemanden einzuschüchtern.

Die Volkssozialisten fordern unterdessen Bürgermeister Mads Skau auf, schnellstmöglich einzugreifen, und sie plädieren für einen Notfallplan: „Wir glauben nicht an einen Neuanfang mit der bisherigen Direktion.“

Mads Skau hat indes volles Vertrauen in seine Verwaltungsspitze. Er versichert, dass die Vorwürfe unter die Lupe genommen werden. „Ansonsten arbeiten wir unter Hochdruck. Bewohnerschaft, Angehörige und Angestellte haben es verdient, dass endlich Ruhe einkehrt.“

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