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Bürgermeister und Prinz: Gemeinsam für mehr Sicherheit

Bürgermeister und Prinz: Gemeinsam für mehr Sicherheit

Bürgermeister und Prinz: Gemeinsam für mehr Sicherheit

Hadersleben/Kopenhagen
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Prinz Joachim ist Verteidigungsattaché an der dänischen Botschaft in Paris. Ab 1. September wird er Attaché für die Verteidigungsindustrie an der dänischen Botschaft in Washington sein (Archivfoto). Foto: Ute Levisen

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Militärattaché Prinz Joachim brachte es in Berlin auf den Punkt: Um Putin die Stirn zu bieten, müssen Dänemark und Deutschland enger zusammenarbeiten. Auch Mads Skau, Bürgermeister der Militärkommune Hadersleben, hegt keinen Zweifel: „Eine enge Zusammenarbeit liegt auf der Hand.“

Der grenzüberschreitende Aspekt ist zugleich Teil eines gemeinsamen Plädoyers von Trekantområdet für einen militärischen Ausbau in der Region. Skau stellte es gemeinsam mit seinen Amtskollegen dem Verteidigungsminister vor.

Das Entlarven russischer Spione in Dänemark und die Verletzung internationalen Luftraums über der Ostsee in den vergangenen Tagen haben es mit aller Deutlichkeit gezeigt: Dänemark steht angesichts des erschütterten Sicherheitsgefüges in Europa vor bisher ungeahnten Herausforderungen. Dabei spiele die „Forsvarskommune“ Hadersleben im Besonderen und Süddänemark im Allgemeinen eine wesentliche Rolle, betont Mads Skau.

Mit Amtskollegen auf Christiansborg

Der Venstre-Bürgermeister von Hadersleben war in der vergangenen Woche mit seinen sechs Amtskollegen aus der Trekant-Region zu einem Gespräch mit Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre): „Wir haben ihm unser gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Der Minister war sehr interessiert.“

Kein Wunder: Immerhin sind in der Region 2.200 der insgesamt 19.000 militärischen Arbeitsplätze angesiedelt. In der Kommune Hadersleben sind die Streitkräfte nach der Kommune selbst der zweitgrößte Arbeitgeber.
 

v. l.: Fredericias Bürgermeister Steen Wrist (Sozialdemokratie), Vejles Bürgermeister Jens Ejner Christensen (Venstre), Mads Skau und Troels Lund Poulsen trafen sich auf Christiansborg, um über eine Stärkung der Streitkräfte in der Region zu sprechen. Foto: Pressefoto

660 neue Jobs für die Fighter Wing Skrydstrup

„Allein der Stützpunkt in Skrydstrup bekommt binnen der nächsten drei Jahre 660 neue Arbeitsplätze“, so Skau mit Verweis auf die bevorstehende Stationierung der dänischen F-35-Kampfflugzeuge ab dem Herbst 2023.

Nicht zuletzt der Ausbau des Nato-Hafens in Esbjerg stelle Hadersleben und die gesamte Trekant-Region im Falle eines Falles vor große Herausforderungen, so Skau: „Auf Christiansborg haben wir das deutlich gemacht.“

Sperrgebiete an der Westküste

Am Freitag hat die Verteidigung in Zusammenarbeit mit der Polizei zwei Bereiche am Nato-Hafen sowie Abschnitte des Flughafens in Esbjerg bis zum 9. Juni für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Grund: Militär-Ausstattung der Bündnispartner soll von dort aus weitertransportiert werden. 

Trekant-Region zieht an einem Strang

Im Unterschied zu früher, als jede Kommune für sich allein um ihren Militärstandort gekämpft habe, „ziehen wir nun an einem Strang. Die Zusammenarbeit unter den nordschleswigschen Kommunen und unsere Kooperation mit der Trekant-Region läuft bestens“, betont Skau: „Unsere großen Unternehmen wie Arkil und Davidsen haben bereits Interesse signalisiert, Teil eines Netzwerks von Lieferanten im Bereich der Verteidigung zu werden.“

Neue Möglichkeiten für regionale Wirtschaft

Im März hat sich Dänemark der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) angeschlossen, bei der die EU-Staaten mit der Militärindustrie im Hinblick auf konkrete Projekte zusammenarbeiten. Mit der Abschaffung des dänischen Verteidigungsvorbehalts im vergangenen Jahr kann Dänemark somit an gemeinsamen EU-Rüstungsprojekten teilnehmen. Daraus ergeben sich auch für die Trekant-Region neue Möglichkeiten.

E45-Ausbau rückt näher

Aufgrund der neuen sicherheitspolitischen Lage in Europa darf Hadersleben und mit der Kommune die gesamte Dreieck-Region Hoffnung schöpfen, dass die Pläne für einen Ausbau der Autobahn E45 bei Hadersleben Nord aus der Schublade geholt und entstaubt werden: „Das ist auch im Interesse der übrigen Kommunen der Region“, betont Skau und verweist auf das Nadelöhr der E45 zwischen Kolding und Vejle.

Dänemark und Deutschland rücken militärisch enger zusammen

Bemerkenswert ist auch, dass Dänemarks Militärattaché in Paris, Prinz Joachim, in der vergangenen Woche eine Sicherheitskonferenz in der dänischen Botschaft in Berlin mit über 50 Unternehmen der deutschen und dänischen Verteidigungsindustrie eröffnet hatte. Die Verteidigungsministerien beider Länder unterzeichneten nachfolgend eine Erklärung, die darauf abzielt, enger zusammenzuarbeiten.

Prinz Joachim redet Tacheles

In einem nachfolgenden Gemeinschaftsinterview mit den Zeitungen „Weekendavisen“ und „Information“ redete der Prinz Tacheles und fand für ein Mitglied des Königshauses ungewöhnlich deutliche Worte zur Lage der Nationen: In beiden Ländern gebe es hochtechnologische Spitzenkompetenzen, betonte er. Auf die Frage, ob er befürchte, dass die EU zu einem unkontrollierbaren Wettrüsten beitrage, entgegnete Prinz Joachim: „Offen gesagt, von 1990 bis 2022 wollten wir nicht aufrüsten. Jetzt müssen wir!“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Doppelter Wechsel auf dänischer Seite“